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Kommentar Kaeser hat halbwegs das Beste aus der Malaise gemacht

Das Angebot des Siemens-Chefs an Neubauer war ein geschickter Schachzug. Da schadet es kaum, dass die Klimaschützerin abgesagt hat.
12.01.2020 - 18:14 Uhr 4 Kommentare

Kaeser: „Ich möchte nicht, dass nur alte, weiße Männer am Tisch sitzen”

Am Ende war es doch vor allem ein geschickter PR-Coup von Joe Kaeser. Mit dem Angebot an Luisa Neubauer, einen Aufsichtsratsposten zu übernehmen, zeigte der Siemens-Chef, dass er die Klimabewegung ernst nimmt und an einem dauerhaften Dialog interessiert ist. Diversität und eine Verjüngung tun Konzerngremien zudem grundsätzlich gut. Neue Kompetenzen und Sichtweisen sind gefragt.

Schlecht war die Idee daher nicht. Gleichzeitig lenkte Kaeser vom Reizthema ab, der Beteiligung seines Konzerns an dem umstrittenen Kohleprojekt in Australien.

Doch genauso erwartbar war die Entscheidung Neubauers, das Angebot abzulehnen. Da Kaeser die Offerte gleich nach dem gemeinsamen Gespräch öffentlich machte, hatte sie nur wenig Bedenkzeit. In der Klimabewegung hätten es viele kritisch gesehen, wenn sie einen Posten von einem Konzern angenommen hätte, der derzeit auf der Gegenseite ist.

Vor allem aber hat Neubauer inhaltlich recht. Als Aktivistin ordnet sie derzeit alles dem Thema Klimaschutz unter. Der Corporate Governance Kodex aber schreibt vor: „Jedes Mitglied des Aufsichtsrats ist dem Unternehmensinteresse verpflichtet.“ Die Kontrolleure müssen die Belange der Investoren ebenso berücksichtigen wie die der Beschäftigten. Aufsichtsräten drohen auch persönliche Haftungsrisiken zum Beispiel beim Vorwurf der Untreue.

Mit der Rolle einer Aktivistin, die sehr entschiedene Positionen vertritt, ist das nur schwer zu vereinbaren. Womöglich findet sich ja ein anderes Gremium wie zum Beispiel ein Beirat, in dem Siemens Nachhaltigkeitsthemen mit Neubauer diskutieren kann.

Auch das ist klar: Es kann im Interesse eines Konzerns sein, einen Auftrag auch einmal abzulehnen. Im Fall des Adani-Projekts ist der Umsatz klein, das Reputationsrisiko aber groß. Investoren legen heutzutage auf Nachhaltigkeitsaspekte wert, und das Image spielt auch beim Kampf um die besten Köpfe eine wichtige Rolle.

Die Frühwarnsysteme von Siemens hätten daher früher Alarm schlagen müssen. So kam Kaeser erst spät ins Spiel, machte dann aber noch halbwegs das Beste aus der Malaise. Den Aufsichtsrat der Siemens Energy kann Siemens übrigens erst einmal frei besetzen. Denn zum Start ist die Siemens AG Alleineigentümer. Auch hatte Kaeser seinen Vorstoß mit seinem eigenen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Jim Hagemann Snabe abgesprochen.

Daran, dass Siemens den inzwischen ungeliebten Adani-Auftrag wohl wird erfüllen müssen, können beide nichts ändern. Ein Ausstieg wäre ein problematisches Signal an alle Kunden. Die wollen nicht das Risiko, dass sich Siemens aus Verpflichtungen verabschiedet, wenn es öffentliche Kritik gibt.

Mehr: Das Angebot von Siemens-Chef Joe Kaeser ist für Neubauer nicht mit ihrer Rolle als Klimaaktivistin vereinbar. Kaeser zeigt sich in einer ersten Reaktion enttäuscht.

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4 Kommentare zu "Kommentar: Kaeser hat halbwegs das Beste aus der Malaise gemacht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Frau Neubauer, was sind Sie von Beruf? Ich bin Aktivistin.
    Was haben Sie bereits für das Land und die Menschen geleistet? Ich bin Aktivistin.
    Nutzen Sie Ihr Handy? trotz seltener Erden und trotz des Energieverbrauch's des Internets? ( soviel wie der weltweite Flugverkehr)
    Ich bin Aktivistin.

    Fliegen Sie privat oder wandern Sie? Das ist was anderes. Ich bin Aktivistin.

    OK? Danke für das Gespräch

  • Hallo,

    ich finde es sehr bedauerlich, dass solche unwichtigen Diskussionen überhaupt so einen prominenten Platz in der deutschen Medienlandschaft haben.

    Wollen die Medien nur von den wirklich wichtigen Themen der Zukunft für Deutschland ablenken?
    Ist mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen.

    Schönen Tag und Fokus auf das Wichtige!

  • Sehe ich nicht so - Joe Kaeser hat das m.E. denkbar schlecht gemacht. Er gibt auf Twitter den "BesserJoe" und Grünenversteher, und dann lässt er sich beim Adventstee mit Putin oder in Australien beim Kohlebaggern erwischen. Statt die Politik in die Pflicht zu nehmen, die Rahmenbedingungen für die Industrie zu setzen, hat nun Siemens das ethische Dilemma an der Backe. Das wird erstmal richtig lustig, wenn alle Geschäfte von Siemens Energy unter das Mikroskop der Umweltaktivisten kommen - nur wenige Projekte dieser Sparte werden dem grünen mainstream in Deutschland gefallen. Zuletzt dann noch der leicht durchschaubare Versuch, einen populären Kritiker mittels Aufsichtsratsmandat mundtot zu machen - peinlicher geht es kaum noch. Als Siemens Aktionär fände ich es gut, wenn er seinen Platz zügig freimacht.

  • Irgendwann muss dieses Theater mal enden! Kinder wollen die Welt verbessern ohne sie zu verstehen. Warum nutzen sie denn alle Internet? Schadstoffausstoss des Netzes? Ebensohoch wie der weltweite Flugverkehr. Und die Grundprobleme spricht niemand an: Die überbevölkerung.. aber die Kinder wollen ja politisch korrekt sein und reden ncht über sowas-

    Solange Papa Geld verdient ist ja alles ok.

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