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Kommentar Kalter Krieg zwischen USA und China

Die Beziehungen zwischen Amerika und China verschlechtern sich rapide. Für die Weltwirtschaft stellt eine Eskalation des Konflikts eine enorme Bedrohung dar.
22.07.2020 - 19:47 Uhr Kommentieren
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern verschlechtern sich rapide. Das bedroht die Wirtschaft – und den Weltfrieden. Quelle: Burkhard Mohr
Kalter Krieg zwischen China und den USA?

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern verschlechtern sich rapide. Das bedroht die Wirtschaft – und den Weltfrieden.

(Foto: Burkhard Mohr)

Berlin Bilder sagen manchmal mehr als Worte. Im Hinterhof des chinesischen Konsulats in der US-Großstadt Houston verbrannten gestern Pekings Diplomaten offenbar geheime Dokumente. Zuvor hatte die US-Regierung China ultimativ aufgefordert, sein Konsulat zu räumen. Die Vorfälle in Houston sind nur ein Beispiel dafür, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und China derzeit rapide verschlechtern.

Dass sich zwischen den beiden Großmächten etwas zusammenbraut, wissen wir nicht erst, seitdem Washington und Peking sich gegenseitig mit Handelssanktionen belegen. Das geopolitische Duell zwischen den USA und China ist inzwischen zu einem Mehrfrontenkrieg eskaliert. Selbst eine militärische Konfrontation zum Beispiel im Südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen. Viele sprechen deshalb bereits von einem „neuen Kalten Krieg“. Das historische Vorbild führt jedoch in die Irre.

Zwar gibt es einige Parallelen zum Kalten Krieg. Wieder stehen sich zwei Großmächte mit konkurrierenden politischen und gesellschaftlichen Systemen gegenüber. Wiederum wird der Konflikt durch Stellvertreterkriege rund um den Globus ausgetragen. Wiederum spielen Schlüsseltechnologien wie der Mobilfunkstandard 5G oder Künstliche Intelligenz darin die entscheidende Rolle.

Und doch ist es ein anderer kalter Krieg, den wir jetzt erleben. Es gibt bislang noch keine eindeutige Blockbildung zwischen dem von Amerika geführten Westen und einer von China dominierten Einflusssphäre. Dass es dazu noch nicht gekommen ist, liegt vor allem daran, dass die Welt wirtschaftlich viel zu stark miteinander verflochten ist, als dass man sie durch einen neuen Eisernen Vorhang so einfach spalten könnte.

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    Wohl auch deshalb sind es vor allem diplomatische und wirtschaftliche Nadelstiche, mit denen beide Seiten versuchen, sich das Leben schwerzumachen.

    Mehrfrontenkrieg der Großmächte

    Das US-Justizministerium hat gerade Anklage gegen zwei Chinesen wegen des Verdachts der Industriespionage bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes erhoben. Zuvor hatte Washington bereits Sanktionen gegen chinesische Unternehmen und Personen wegen der Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren in der Provinz Xinjiang und des umstrittenen Sicherheitsgesetzes in Hongkong verhängt.

    Unterdessen reist US-Außenminister Mike Pompeo durch die Welt, um China zu isolieren. Die Maßnahmen gegen China finden in Washington übrigens parteiübergreifenden Zuspruch. Ein Präsident Joe Biden würde den harten Kurs gegenüber Peking nicht wesentlich ändern.

    Washington hat zudem zwei Flugzeugträger ins Südchinesische Meer geschickt, um seinen Anspruch auf freie Fahrt in der von China beanspruchten Wasserstraße zu unterstreichen. Peking antwortete mit einem Militärmanöver. „Der Rest des Jahres 2020 könnte für die USA und China eine ebenso schwere Prüfung darstellen wie die letzten fünf Monate des Jahres 1941 für die Vereinigten Staaten und Japan“, sagt der Harvard-Gelehrte Graham Allison mit Blick auf den japanischen Überfall auf Pearl Harbour.

    Der amerikanische Politologe sieht die USA und China in der sogenannten Falle des Thukydides und befürchtet, dass die beiden Großmächte auf einen militärischen Konflikt zusteuern. Das nach dem gleichnamigen Historiker Thukydides der griechischen Antike benannte Dilemma besagt, dass die Rivalität zwischen einer aufsteigenden und einer etablierten Macht meist zu einem militärischen Konflikt führt. In den vergangenen 500 Jahren habe es 16 Versuche einer aufstrebenden Nation gegeben, eine etablierte Großmacht zu verdrängen. „Zwölf davon endeten in einem Krieg“, sagt Allison.

    China lässt sich nicht eindämmen

    Selbst wenn es nicht zu einer militärischen Konfrontation kommt, wäre ein kalter Krieg zwischen den USA und China eine enorme Belastung für die Weltwirtschaft. So würde eine technologische und wirtschaftliche Abkopplung (Decoupling) zwischen den beiden Großmächten nach Berechnungen der Deutschen Bank die globale Wirtschaftsleistung um 3,5 Billionen Dollar verringern.

    Trump sieht das anders: „Wir könnten die gesamte Beziehung abbrechen und würden 500 Milliarden Dollar sparen“, drohte er Mitte Mai mit Blick auf das gleich große Handelsdefizit Amerikas mit China. Dabei sind die USA und China technologisch, wirtschaftlich und finanziell so eng miteinander verflochten, dass Ökonomen sie vor Kurzem noch als siamesische Zwillinge bezeichneten.

    Der Vergleich mit dem historischen Kalten Krieg hilft aber vor allem deshalb nicht weiter, weil er die Reaktion des Westens auf den Aufstieg Chinas kurzsichtig auf eine Politik des „Containment“ verengt. China lässt sich anders als die Sowjetunion nicht eindämmen.

    Besser wäre es, wenn Europa und die USA gemeinsam jene strategischen Bereiche markieren, wo aus wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Interessen Distanz zu China geboten ist. Damit könnte der Westen Peking zugleich signalisieren, dass man auf vielen anderen Gebieten wie zum Beispiel dem Klimaschutz oder der Gesundheitsvorsorge durchaus eng zusammenarbeiten kann.

    Mehr: Warum Zukunftstechnologien die Mechanismen der Macht verschieben.

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