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Kommentar Kameras lösen keine Probleme

Nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson und Eric Garner in New York sollen Polizisten in den USA künftig Kameras tragen. Doch das wird die gesellschaftlichen Probleme nicht lösen, sondern neue Konflikte provozieren.
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Sollen künftig Einsätze aufzeichnen: Körperkamera an der Uniform eines New York Polizisten. Quelle: dpa

Sollen künftig Einsätze aufzeichnen: Körperkamera an der Uniform eines New York Polizisten.

(Foto: dpa)

Eric Garner ist tot. Es ist wieder ein Farbiger, der in den USA Opfer von Polizeigewalt geworden ist. Und wieder wird keine Anklage erhoben. Doch das Problem geht mittlerweile über den Vorwurf des Rassismus hinaus. Die amerikanische Polizei ist aus dem Ruder gelaufen, das Rechtssystem archaisch.

Symbolpolitiker Barack Obama ist wieder schnell bei der Hand. Öffentlichkeitswirksam gibt er den Startschuss für die Ausrüstung von Polizisten mit Körper-Kameras. Sie sollen Einsätze aufzeichnen und als Beweismittel dienen, wenn es zu Zwischenfällen wie in Ferguson oder jetzt in New York kommt. Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio will seinen Offizieren Kameras an die Brust heften und so das Vertrauen in die Schutztruppe wieder herstellen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Doch was soll das bringen? Im Fall Garner liegt ein Video vor, das den seit 1993 in New York verbotenen Würgegriff des Polizisten zeigt. Und trotzdem gibt es kein Verfahren. Man fragt sich unwillkürlich, wann ein US-Polizist überhaupt noch wegen übermäßiger Gewalt angeklagt werden kann, wenn nicht jetzt?

Das Problem Garner ist sicherlich teilweise ein Rassismus-Problem, aber eines ist es ganz bestimmt nicht: ein Technik-Problem.

Als die berühmte „Broken Window“-Theorie, die im Grunde besagt, dass auch bei kleinsten Vergehen unbarmherzig durchgegriffen werden muss, in New York eingeführt wurde, da waren in New York die Fenster zerschlagen, die Kriminalität hoch und die Straßen unsicher. Seitdem hat sich das geändert. Geblieben ist eine aufgerüstete Polizei, die nicht nur immer mehr Militärausrüstung besitzt, sondern auch militärische Strategien anwendet. Bei Garner handelte es sich um keinen Raubüberfall, keine Gewalttat, kein Waffenbesitz, keine unübersichtlich-brisante Gemengelage in dunklen Seitenstraßen – es ging um angebliche lose verkaufte, unversteuerte Zigaretten für ein paar Cent das Stück.

Die Kameras sind nur Ausdruck eines Wunschtraums
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  • Schön, einen solchen Atikel hier im HB zu lesen, denn er trifft genau den Kern der Problematik.

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