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Kommentar Kapitalismus braucht mehr Verantwortung

Siemens-Chef Kaeser setzt sich für einen inklusiven Kapitalismus ein. Die Forderung bringt auf den Punkt, was nötig ist, um die Spaltung der Gesellschaft zu stoppen.
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Der Siemens-Chef spricht sich für mehr Verantwortung der Unternehmen aus – und löst damit eine Debatte aus. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef spricht sich für mehr Verantwortung der Unternehmen aus – und löst damit eine Debatte aus.

(Foto: dpa)

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, die Brexit-Entscheidung der Briten, der „Gelbwesten“-Protest in Frankreich, eine populistische Regierung in Italien, der Aufstieg der AfD in Deutschland, das wachsende Misstrauen gegenüber der Globalisierung von Industrie und Banken: Der Aufstand der Menschen gegen die herrschende Klasse hat weltweit viele Gesichter.

Die zunehmende Spaltung der Gesellschaften hat zu einem unerbittlichen Kampf von „denen da unten“ gegen „die da oben“ geführt. Politische Konzepte gegen die Protestbewegungen gibt es kaum.

Umso wichtiger ist es, dass die Wirtschaft erkennt, welche Rolle sie spielen kann und muss, um einen Beitrag zur Reduzierung der gesellschaftlichen Fliehkräfte zu leisten.

Die Forderung von Siemens-Chef Joe Kaeser nach einem „inklusiven Kapitalismus“ ist dabei ein wichtiger Anstoß. Der beste Manager sei der, der dafür sorge, dass ein Unternehmen dauerhaft so stark und wettbewerbsfähig ist, dass es möglichst viele Arbeitsplätze schaffen und erhalten und der Gesellschaft etwas zurückgeben könne, lautet Kaesers Credo, der mit der geplanten Schließung von Werken in Ostdeutschland im vergangenen Jahr selbst massiv in der Kritik stand.

Als Beispiele, wie Unternehmen der Gesellschaft dienen könnten, nennt Kaeser die Weiterbildung der Belegschaft und die Beteiligung der Mitarbeiter am Firmenerfolg.

Für viele Unternehmen, gerade für die familiengeführten Mittelständler, klingen diese Botschaften wie Selbstverständlichkeiten. Doch die Realität sieht oft anders aus. Der Druck der Investoren, immer höhere Renditen zu erzielen und den Aktienkurs nach oben zu treiben, ist auch zehn Jahre nach Ausbruch der Weltfinanzkrise hoch.

Viele Vorstandschefs fühlen sich Investoren eher verpflichtet als den eigenen Mitarbeitern. Globalisierung und Digitalisierung sind dann nur noch die Chiffren für die nächste Entlassungsrunde. Was zählt, ist oft nur das, was einzahlt.

Unternehmer müssen mehr Verantwortung übernehmen

Es ist kein Wunder, dass in einem solchen Umfeld die Angst der Mitarbeiter vor einem drohenden Jobverlust zugenommen hat – in Deutschland wie in anderen Industrieländern. Es sind eben nicht nur die politischen Parteien, die die Verantwortung haben, der wachsenden Spaltung der Gesellschaft entgegenzutreten, sondern auch Manager und Unternehmer.

Gute Unternehmensführung bedeutet heute mehr, als nur die Gewinnerwartungen der Analysten und Aktionäre zu erfüllen. Wer Mitarbeiter entlässt, statt sie rechtzeitig auf die Aufgaben und Technologien der Zukunft vorzubereiten, handelt verantwortungslos. Es ist einfach, mit dem Finger auf den Staat zu zeigen und über die Bildungsmisere im eigenen Land zu klagen.

Die Kritik ist nicht falsch, nur können und müssen Unternehmen mehr tun, um den eigenen Mitarbeitern, bei allen technologischen Veränderungen, die Zukunftsängste zu nehmen. Wenn mehr als eine Million offener Stellen in der deutschen Wirtschaft nicht besetzt werden können, zeigt das auch die Versäumnisse der Unternehmen. Der Erhalt von Arbeitsplätzen sollte zum Gradmesser für gute Unternehmensführung werden.

In den Vereinigten Staaten nehmen börsennotierte Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung bereits stärker wahr. So haben sich mit Jeff Bezos (Amazon), Warren Buffett (Berkshire Hathaway) und Jamie Dimon (JP Morgan) drei der mächtigsten Vorstandsvorsitzenden der USA zusammengetan und eine eigene Krankenversicherung gegründet.

Das neue Unternehmen soll keinen Profit erzielen. Ein Meilenstein in dem teuren amerikanischen Gesundheitssystem. Auch Blackrock-Chef Larry Fink hat jüngst die Unternehmen angesichts der fundamentalen ökonomischen Umwälzungen aufgefordert, „drängende soziale und wirtschaftliche Fragen“ anzugehen. Die Wahl von US-Präsident Trump hat in den USA erkennbar zu einem Umdenken der wirtschaftlichen Elite des Landes geführt.

Hohe Managergehälter spalten die Gesellschaft

Es ist an der Zeit, dass diese Debatte auch in Deutschland intensiv geführt wird. Auch über die Frage, wie viel mehr ein Vorstandschef im Vergleich zu einem durchschnittlichen Mitarbeiter verdienen sollte. Manager, die mehr als das 50- oder gar 100-Fache des Durchschnittsgehalts im eigenen Unternehmen kassieren, tragen erheblich zur ökonomischen Teilung der Gesellschaft bei.

Hier haben einige Manager erkennbar Maß und Mitte verloren. Gleiches gilt für Pensionszusagen, die Vorstände großer Konzerne zusätzlich zu ihren Millionengehältern erhalten. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass die Topverdiener der Wirtschaft ihre Altersvorsorge nicht aus dem Jahresgehalt bestreiten.

Weiterbildung, faire Entlohnung und nachhaltiges Wirtschaften sind nur einige Ansätze für einen inklusiven Kapitalismus. Unternehmen können einen großen Beitrag leisten, um die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, in Gewinner und Verlierer, in Aufsteiger und Absteiger zu verringern.

Deutschland braucht in diesen Zeiten nicht nur erfolgreiche Unternehmer, sondern auch gute Unternehmer. Unternehmer, die die Gesellschaft besser machen.

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