Kommentar Karstadt und Kaufhof haben mit der Fusionsgenehmigung noch nichts gewonnen

Das Kartellamt hat die Fusion von Karstadt und Kaufhof genehmigt. Doch das ist noch kein Erfolg. Vielmehr beweist es, dass sich Wettbewerber nicht fürchten müssen.
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Karstadt und Kaufhof haben noch nichts gewonnen Quelle: dpa
Karstadt und Kaufhof

Nach der Fusion wartet auf die beiden Warenhäuser noch viel Arbeit, um sich gegen Konkurrenten wie H&M oder Amazon zu wappnen.

(Foto: dpa)

Natürlich ist es ein kleiner Erfolg für Karstadt und Kaufhof, dass das Bundeskartellamt ihre geplante Fusion schon im ersten Anlauf, mit verkürzter Prüfungsfrist und ohne Auflagen genehmigt hat. Das heißt, dass die Kartelljuristen der Muttergesellschaften Signa und Hudson’s Bay Company gute Arbeit geleistet haben. Sie konnten mit einer frühen und detaillierten Dokumentation der möglichen Folgen des Zusammenschlusses die Wettbewerbshüter überzeugen.

Doch im Grunde besagt die rasche Genehmigung auch: Das Amt attestiert den beiden Unternehmen, dass sie selbst gemeinsam im Markt keine echte Bedeutung mehr haben, dass sich kaum ein Wettbewerber zurzeit vor ihnen fürchten muss. Da wird kein nationaler Champion gebaut, es ist eher eine Notfusion.

Der künftige Chef Stephan Fanderl hat es schon klar gesagt: Es liegt jetzt ein hartes Stück Arbeit vor den beiden Unternehmen. Sie können viele Vorteile aus einem Zusammenschluss ziehen, sie müssen dafür aber vieles richtig machen. Die Fusion ist dafür eine Voraussetzung, aber die eigentliche Arbeit beginnt nun erst.

Das Wichtigste an der raschen Genehmigung ist, dass nicht weitere wertvolle Zeit ungenutzt verstreicht. Gerade Kaufhof hat sehr spät mit der Sanierung begonnen, ist jetzt aber auf einem Weg, der erste kleine Erfolge zeigt. Karstadt ist beim Abbau der Kosten schon deutlich weiter, aber auch noch lange nicht in Sicherheit. Gemeinsam können beide noch deutlich schlanker werden, indem sie Doppelfunktionen abbauen und Größenvorteile beispielsweise im Einkauf nutzen.

Doch auch das sichert noch nicht die Zukunft. Denn Sparen allein macht die neue deutsche Warenhaus AG, oder wie immer sie künftig heißen wird, noch lange nicht zu einem Wettbewerber, der wieder auf Augenhöhe mit Zara und H&M auf der einen Seite und Amazon und Zalando auf der anderen Seite ist.

Um das Konzept des Kaufhauses der Zukunft zu entwerfen, muss sich das Management fragen: Warum sollte ein Kunde überhaupt noch in einen Karstadt oder Kaufhof gehen? Denn genau das fragen sich heute insbesondere junge Konsumenten.

Mögliche Antworten darauf könnten lauten: Ich weiß genau, was mich erwartet, wenn ich einen Kaufhof oder einen Karstadt betrete. Es macht Spaß, dort einzukaufen, es gibt Services, die andere Händler nicht bieten, die Beratung dort hilft mir wirklich weiter, eine Kaufentscheidung zu treffen.

Erst wenn die durch die Sanierung frei werdenden Mittel genau für solche Zukunftskonzepte eingesetzt werden und damit die Kunden wieder in die Kaufhäuser gelockt werden – dann könnte aus der raschen Genehmigung der Fusion ein echter Erfolg werden.

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