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Kommentar Keine Angst vor der zweiten Welle

Anleger und viele Großkonzerne blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Weite Teile der übrigen Realwirtschaft hadern hingegen noch mit der Pandemie.
18.08.2020 - 04:13 Uhr 1 Kommentar
Große Teile des öffentlichen Lebens sind noch weit vom Normalzustand aus Vor-Corona-Zeiten entfernt. Quelle: dpa
Schulstart in Berlin

Große Teile des öffentlichen Lebens sind noch weit vom Normalzustand aus Vor-Corona-Zeiten entfernt.

(Foto: dpa)

Bis auf sieben Prozent ist der Dax an sein Allzeithoch aus Vor-Corona-Zeiten herangerückt. Und an der Wall Street sind die Abstände zu den alten Hochs noch geringer. An den Börsen stört sich offenbar niemand daran, dass die täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus weltweit den höchsten Stand erreicht haben.

Auch dass Deutschland seine Reisewarnungen wieder verschärft und große Teile des öffentlichen Lebens weit vom Normalzustand aus Vor-Corona-Zeiten entfernt sind, kümmert die Anleger und folglich den Dax kaum. Zwar gab es Umsatz- und noch rasantere Gewinneinbrüche der Dax-Konzerne im abgelaufenen zweiten Quartal.

Aber bessere Ausblicke auf das zweite Halbjahr rechtfertigen diese Unaufgeregtheit an den Börsen durchaus. Anleger schauen bei der Frage, ob sie heute oder morgen Aktien kaufen, nicht auf die Gegenwart und auf die miserablen Bilanzen für das vergangene Quartal, sondern in die Zukunft. Diese erscheint angesichts herber Ertragseinbrüche im ersten Halbjahr in einem sehr viel besseren Bild – schon allein, weil die Ausgangsbasis niedriger geworden ist.

Hinzu kommen die schlechten Alternativen zur Aktie. Mit Staats- und Unternehmensanleihen gibt es angesichts rekordtiefer Zinsen kein Geld zu verdienen. Immobilien sind teuer und versprechen angesichts unsicherer Aussichten vor allem für Gewerbeimmobilien nicht mehr die Sicherheit wie früher – also stetig steigende Preise. Bleibt die Aktie mit der Aussicht, dass die Kurse langfristig steigen.

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    Das gilt selbst dann, wenn die befürchtete zweite Ansteckungswelle im Herbst kommt – oder bereits jetzt anrollt. Doch selbst in diesem schlechten Szenario rechnet die Mehrheit an den Finanzmärkten nicht damit, dass Politiker und Regierungen Wirtschaft und Gesellschaft noch einmal so flächendeckend und umfassend herunterfahren werden wie im März.

    Allenfalls lokal begrenzt auf eine Schule, eine Region oder einen produzierenden Betrieb, aber keineswegs komplett mit Stillstand im ganzen Land. Dieses Szenario preisen die Börsen ein, und das spiegelt der seit März um 50 Prozent gestiegene Dax wider.

    Anleger können mit Restrisiken umgehen

    Natürlich bleibt ein Restrisiko, dass es anders und schlimmer kommen könnte als erwartet. Dass also die Regierungen bei weiter rasant steigenden Infektionszahlen und womöglich mit Schwerkranken überfüllten Krankenhäusern doch noch einmal Wirtschaft und Gesellschaft herunterfahren.

    Doch das nüchterne Kalkül lautet: Mit solchen Risiken, die zwar eintreten können, aber wahrscheinlich nicht werden, geht die Börse schon seit Jahren um. An Risiken, auch sehr große Risiken, haben sich Investoren an den Aktienmärkten seit dem Brexit-Votum der Briten, der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gewöhnt. Insbesondere Trump hat die Weltwirtschaft mit seinen Strafzöllen und Drohungen eines Wirtschaftskriegs immer wieder in Angst und Schrecken versetzt.

    Die Devise „Keine Angst vor der zweiten Welle“ lässt die Börsen steigen und nicht wieder auf das März-Niveau abstürzen. Diese Zuversicht der Anleger teilen im Übrigen inzwischen auch viele Dax-Konzerne, wie steigende Auftragseingänge, Umsätze und Gewinne ebenso belegen wie die Zuversicht vieler Vorstände samt angehobenen Jahresprognosen.

    Oftmals hängen diese großen Unternehmen vor allem am wieder anspringenden Export und allenfalls indirekt am Endkunden. Zudem ist die Zahl der börsennotierten Unternehmen, die so gut wie gar nicht unter der Krise leiden, größer als lange Zeit gedacht.

    Nicht nur Pharma- und Gesundheitskonzerne zählen dazu, sondern auch Unternehmen wie SAP, Post und Telekom: Software, Pakete und mobile Infrastruktur werden mindestens genauso viel gebraucht wie vor der Pandemie. Das gilt auch für privat genutzte Wohnungen und für Versicherungen, womit Vonovia und die Allianz auch in der Krise erfolgreich viel Geld verdienen.

    Grafik

    Die meisten Anleger haben deshalb keine Angst vor einer zweiten Welle. Nicht nur weil die Wirtschaft nicht noch einmal komplett heruntergefahren wird, sondern auch weil es den Unternehmen leichter als je zuvor fällt, ausreichend Liquidität vorzuhalten. Kredite und vor allem Unternehmensanleihen sind so günstig wie nie. Das macht die Finanzierung der so wichtigen Barreserven außerordentlich kostengünstig – und hilft in der Krise ungemein.

    Anders sieht es hingegen bei den vielen am Endkunden hängenden Firmen aus. Sie sind meist nicht an der Börse notiert und haben es schwerer, an Kapital zu kommen. Dem Einzelhandel droht eine Pleitewelle, solange die Kunden Masken tragen müssen, deshalb nicht zurückkommen und stattdessen bei Amazon und Co. bestellen. Auch Gastronomie, Hotels und (Reise-)Veranstalter leiden. Eine Rückkehr zur Normalität ist ausgeschlossen, solange nicht flächendeckend gegen Covid-19 geimpft wird und alle aufwendigen Hygienekonzepte Vergangenheit sind.

    Für die Gesamtkonjunktur verheißt diese Gemengelage eine wohl noch längere Durststrecke. Für die Börsen hingegen ist es nicht die schlechteste Welt: Noch mehr als vor der Corona-Pandemie fließt freies Kapital und billiges Geld in die Aktienmärkte – anstatt in den Konsum und in Investitionen. Insofern spiegeln die Börsen die Realwirtschaft nur auszugsweise und unzureichender wider als vor der Krise.

    Mehr: Wendepunkt für Dax-Unternehmen – Nach dem Einbruch kommt der Aufbruch

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Keine Angst vor der zweiten Welle"

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    • Dieser Kommentar führt nur zu hohen Aufrufraten, aber bietet leider keinen Mehrwert. Leider sind die Argumente frei von Fakten:

      "An den Börsen stört sich offenbar niemand daran, dass die täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus weltweit den höchsten Stand erreicht haben." --> Falsch: Die Anleihemärkte spiegeln das sehr wohl wieder und zeigen an, dass Wachstum in den nächsten 24 Monaten nicht bevorsteht.

      "Aber bessere Ausblicke auf das zweite Halbjahr rechtfertigen diese Unaufgeregtheit an den Börsen durchaus." --> Falsch: Die zukünftigen Gewinne (EPS) bis Ende 2021 fielen das laufende Jahr stets tiefer und tiefer.

      "Hinzu kommen die schlechten Alternativen zur Aktie. Mit Staats- und Unternehmensanleihen gibt es angesichts rekordtiefer Zinsen kein Geld zu verdienen." --> Interessante Aussage: Müssten dann nicht die Volumina am Aktienmarkt durch die Decke gehen? Stattdessen sehen wir seit Monaten fallende Handelsvolumina. Je weniger Leute handeln desto mehr wird die Preisbildung durch einzelne Investoren bestimmt. Dass die Aktienkurse steigen bei fallenden Volumina zeugt nicht von dem Vertrauen in "aufstrebende boomende Monate" oder TINA.

      "Doch das nüchterne Kalkül lautet: Mit solchen Risiken, die zwar eintreten können, aber wahrscheinlich nicht werden, geht die Börse schon seit Jahren um." --> Korrekt im Dezember 2018 zum Beispiel als die ersten Zölle angeordnet wurden fiel der Dow Jones von ca.25.800 Punkten auf unter 22.000. So ging der Markt mit Risiken um (Vergangenheit). Aktuell werden alle Risiken ausgeblendet. Und davon gibt es so viele, dass das ein oder andere Risiko eintreten wird oder bereits eingetreten ist (Hohe Arbeitslosigkeit + Starke Verschuldung von Staaten und Unternehmen).

      Letzter Punkt: Liquidität ist günstig wie nie --> das ist nur korrekt für Big Caps und hohe Verschuldung führt zu deutlich geringeren Unternehmensgewinnen.

      Wenn Sie jetzt noch mit der FED argumentieren wird es besonders haarig.

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