Kommentar Keine Atempause für den Chemieriesen Clariant

Die Saudis haben Clariant vor der Zerschlagung gerettet. Aber von Ruhe ist der Chemiekonzern aus der Schweiz noch weit entfernt.
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Der Chemiekonzern soll bis zum Jahr 2012 einen Umsatz von rund neun Milliarden Franken erwirtschaften. Quelle: Reuters
Clariant

Der Chemiekonzern soll bis zum Jahr 2012 einen Umsatz von rund neun Milliarden Franken erwirtschaften.

(Foto: Reuters)

Wer vor Anker liegt, macht keine Fahrt – das gilt in der Schifffahrt, aber nicht in der Konzernwelt. Der Chemieriese Clariant bekommt das derzeit zu spüren: Zwar haben die Schweizer mit der saudischen Sabic einen starken Ankeraktionär gefunden – die Saudis halten etwa 25 Prozent an Clariant.

Mit ihrem Einstieg ist die gefürchtete Zerschlagung des Konzerns, zu dem der aktivistische Investor White Tale die Schweizer nötigen wollte, erst einmal vom Tisch. Aber deshalb wird in der Clariant-Zentrale noch lange keine Ruhe einkehren – im Gegenteil.

Am Dienstag stellte Clariant-Chef Hariolf Kottmann die Pläne für den Umbau vor: Der Konzern will sich auf den lukrativen Teil der Spezialchemie konzentrieren und sich von weniger wachstumsträchtigen Bereichen trennen. Zugleich rief Kottmann neue, ambitionierte Wachstumsziele aus. An ihnen muss er sich nun messen lassen – und hat dabei einen Aktionär im Nacken, der selbst unter Druck steht.

Kottmann will mit Clariant bis zum Jahr 2021 einen Umsatz von rund neun Milliarden Franken erreichen und die Marge kräftig steigern. An der Börse sorgte die Ankündigung für Euphorie. Doch die Pläne der Schweizer sind ambitioniert: Käme es zu einer Eintrübung der globalen Konjunktur – und das wäre zehn Jahre nach der Finanzkrise wahrlich keine Überraschung –, dann könnten sich die Ziele als unerreichbar erweisen.

Halb so schlimm, könnte man meinen – schließlich hat Clariant mit den Saudis einen starken Ankeraktionär gefunden. Doch der droht selbst zum Quell neuer Ungewissheit zu werden. Die Saudis haben zwar erklärt, dass sie „derzeit“ keine Pläne für eine komplette Übernahme von Clariant haben.

Aber eine Garantie ist das nicht: Zeiten können sich schnell ändern, und Sabic könnte selbst vom Erdölriesen Aramco geschluckt werden. Was das für Clariant bedeuten würde, lässt sich heute schwer sagen. Aber eines steht fest: Auf ruhige Zeiten müssen die Schweizer noch länger warten.

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