Kommentar Keine Extrawurst für die „Sportschau“

Seit Jahrzehnten können die deutschen Fußballfans die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen samstags am frühen Abend sehen. Damit könnte ab 2013 Schluss sein. Und das ist auch gut so. Ein Kommentar
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Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online.

(Foto: Pablo Castagnola)

Keine Frage, die „Sportschau“ der ARD ist eine Institution. Viele Fußballfreunde haben sich sehr daran gewöhnt, die Berichte über die Spiele der Fußball-Bundesliga samstags ab 18.30 im frei empfangbaren Fernsehen zu schauen.
Doch Gewohnheiten, selbst wenn man sie Tradition nennt, ändern sich. Es ist nicht mehr tragbar, dass der Gebührenzahler für die Sportschau 100 Millionen Euro pro Saison hinblättern muss. Denn die Zeiten haben sich geändert – die Alternativen, also vor allem die Internet-Übertragung, sind zu gut, als dass sich diese Wahnsinnssumme im Sinne aller Zuschauer noch rechnet.
In diesen Wochen verhandelt die Deutsche Fußball Liga (DFL) über die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ab 2013. Es ist ein kompliziertes Verfahren mit Dutzenden Paketen und noch mehr verschiedenen Möglichkeiten. Schon vor drei Jahren war das ein Riesenaufwand, doch dieses Mal ist alles noch komplexer.
Was sich im Wesentlichen geändert hat ist die Rolle des Internetfernsehens. Es geht vor allem um die Frage, ob die ersten, zeitnahen Zusammenfassungen nicht mehr im Free-TV laufen sollen, sondern im Internet. Die exklusiven Live-Rechte dürften beim Bezahlfernsehen bleiben, also vermutlich Sky Deutschland.
Auch wenn das Wort „Tradition“ sehr oft in Zusammenhang mit Fußball fällt: Die Mediengewohnheiten der Menschen haben sich rasant geändert – und das macht vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt. Eine Veränderung weg von der Sportschau hin zum Internet darf kein Tabu sein. Entscheidend ist allein, wer das bessere Angebot macht.

Andere Länder wie Spanien und Italien haben längst bewiesen, dass Fußball keine Free-TV-Berichterstattung braucht, wie sie in Deutschland noch üblich ist. Und erst recht müssen keine 100 Millionen Euro plus x dafür ausgegeben werden. Das ZDF zahlt bereits eine Unsumme für die Liverechte an der Champions League. Kleinere Sportarten wie die Leichtathletik leiden darunter erheblich, denn selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Der Zuschauer würde sich an eine Zeitenwende schneller gewöhnen, als es die ARD wahrhaben will. Für die Vereine inklusive ihrer Sponsoren geht es unterm Strich um möglichst hohe Einnahmen. Auch ohne dass die ARD mitbietet, können sie viel Geld einnehmen und damit die fußballerische Qualität der Bundesliga erhöhen. Und die ARD kann das Geld sinnvoller einsetzen - zum Beispiel für eine breite Sportberichterstattung auch über vermeintliche Randsportarten.

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15 Kommentare zu "Kommentar: Keine Extrawurst für die „Sportschau“"

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  • Wer sagt denn, dass die ARD die 100 Millionen aus Gebühren bezahlt? Es müsste sich doch langsam herumgesprochen haben, dass die ARD ihre Sportschau auch aus Werbeerlösen finanziert. Weiß dies der Autor wirklich nicht? Oder handelt es sich hier wieder mal um eine Kampagne gegen die Öffentlich-Rechtlichen, die im Handelsblatt gerne auftauchen.

  • Der Gebührenzahler hat doch noch nie für die Sportschau 100 Millionen Euro hinblättern müssen. Der größte Teil wird doch über Werbeeinnahmen finanziert. Ist das nicht bekannt oder ist das wieder eine der Kampagnen gegen die Öffentlich-Rechtlichen, die im Handelsblatt gerne mal auftauchen?

  • Man sollte das staatliche Zwangsfernsehen abschaffen. Mit den gesparten Gebühren könnte sich jeder das Programm leisten, dass er haben möchte. Warum soll ich für Dingen zahlen, die ich gar nicht haben will?

  • Für welche Reichen und Mächtigen denn bitte schön? Schweinsteiger und Götze? Oder Hoeness und Magath? Das sind doch die eigentlichen Profiteure, die sich Millionengehälter für teils recht überschaubare Leistungen genehmigen.

  • Für wen ist das gut? Für Die Reichen und Mächtigen. Damit die Bürger auch noch fürs Fernsehen ausgesaugt werden.

    Es wird die Zeit kommen, da denke wir gerne an die paar Euro GEZ zurück, wenn dann im Monat 150€ zu berappen sind, weil sich ein Superreicher Murdoch ein Monopol auf Film und Sportrechte geschaffen haben wird.

    Der Krieg gegen die ÖR hat begonnen, und die Marionetten in der Politik sind eingesetzt.

  • Alles schön und gut, aber hat auch schon einmal jemand an die Menschen gedacht die sich die monatlichen Zusatzkosten für SKY nicht leisten können? Auch hat nicht jeder Zuschauer einen schnellen Internetzugang oder die Möglichkeit seinen Fernseher mit einem Router zu verbinden.

    Es heißt auch nicht umsonst öffentlich-rechtliches Fernsehen, denn es soll allen Menschen einen unabhängigen und kostengünstigen Zugang zu Informationen ermöglichen.

    Auf die CL in ARD oder ZDF könnte ich ganz locker verzichten, aber die Zusammenfassungen aus Liga 3 - 1 möchte ich gerne weiterhin in der Sportschau sehen.

  • Keine Sportschau mehr? Gerne! Ohnehin hat man sich ja darauf fixiert, überwiegend Mimik von Trainern, Managern, Zuschauern oder auf der Bank schmorenden Spielern fixiert.

    Wer die Sportschau braucht, hat wohl sonst nichts im Leben?

    Allerdings heftigster (!) Widerspruch, die ARD möge Randsportarten stärker bringen. Um Himmels Willen, die werden doch auf etlichen Kanälen in Dauerberieselung längst gebracht. Zappen Sie mal bis zu den hohen Programmnummern durch. Mindestens 5 (Dauer-)Sportsender. Keinen Cent von den abGEZockten Zuschauern für Sport. Gerne. Aber Umverteilung der Gelder auf andere Sportarten wäre ja wohl das Letzte, was man braucht!
    Wird nicht laange dauern, und Seehofer fordert die ersparten Sportgelder der GEZ für Bergbauern im Bayerischen Wald.

  • Man kann nur hoffen, das falls die ARD die Rechte verlieren sollte, viele Leute dies zum Anlass nehmen und dem 'Kommerz' Fußball den Rücken kehren. Es gibt genügend Traditionvereine die in den Wirren des Amateursports ums Überleben kämpfen. Fußball Ereignisse im Stadion sind nach wievor mit ein paar Ausschnitten gar nicht zu vergleichen.
    Darüber hinaus verlor in England, das BBC vor gar nicht allzu langer Zeit die Rechte der PL an einen Privatsender, die 'Kundschaft' gewöhnte sich nie wirklich an das neue Format, und das BBC kaufte dann mit gehörig Lärm die Rechte zurück.
    Also geht es auch hier wieder nur ums eine, Einnahmequellen maximieren, neue Kunden gewinnen und die Altlasten abzuschütteln.

  • Der einzige Grund, warum viele Leute noch einsehen überhaupt Gebühren zu Zahlen ist die Sportschau und die Tagesschau. Welchen Nutzen hat der Großteil der Bevölkerung davon, dass ab 2013 dann Randsportarten, wie Leichtathletik, Curling oder was auch immer verstärkt gesendet werden. Abgesehen davon dauert die Berichterstattung über die 1. Bundesliga 1:15 min. Damit blieben ARD und dem ZDF theoretisch pro Woche noch 166 Stunden und 45 Minuten um über Randsportarten zu berichten. Das sollte wohl ausreichen. Für den Zuschauer wird es ein Verlust sein, denn sie werden weiter zahlen und ein Programm von geringerem Nutzen bekommen.

    Ob 100 Mio. Euro plux x nun einen fairen Preis für die Übertragunsrechte darstellen darf ruhig angezweifelt werden - und angesichts dieses Preises finde ich es interessant, dass die Berichterstattung als "Extrawurst" dargestellt wird - aber daraus zu schließen, dass der Fußball in Deutschland keine Free TV-Berichterstattung mehr braucht ist meiner Meinung nach völlig verfehlt. Der Vergleich mit Spanien und Italien macht keinen Sinn, da Fußball in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert hat als in oben genannten Ländern. Da braucht man nur mal in ein Stadion zu gehen, um das festzustellen. Vielleicht muss man das ja dann ab 2013.

  • Es ist doch überall das Gleiche...
    In Frankreich hat nun Al Jazeera ein Teil der Rechte mit einem PayTV-Sender gekauft, der noch nicht mal existiert bis jetzt.
    Die Champions-Ligue Rechte haben die bereits auch schon ersteigert.
    Wenn nun auch noch die Sportschau entfällt, werde ich Fußball schauen wohl lassen. Bezahle doch kein Cent für dafür.
    Ich hoffe dieser geldgierige Sport hat seine schönste Zeit hinter sich.

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