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Kommentar Keine Panik verbreiten – ein Blick auf die Target-2-Fakten hilft

Die fast eine Billion Euro schwere Forderung der Deutschen Bundesbank an die EZB verunsichert – Ökonomen sollten nüchtern bleiben.
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Im Euro-Raum wird der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken über das Buchungssystem Target 2 abgewickelt. Quelle: dpa
Bundesbank

Im Euro-Raum wird der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken über das Buchungssystem Target 2 abgewickelt.

(Foto: dpa)

Faction, die Vermischung von Fakten und Fantasie, ist eine Kategorie der Unterhaltungsbranche. In der Wissenschaft sollte aber beides getrennt bleiben. Das gilt auch für den Streit um die sogenannten Target-2-Salden, über die der Zahlungsverkehr der Notenbanken im Euroraum abgewickelt wird.

Daher zunächst die Fakten: Es handelt sich um Verrechnungssalden, über die Geld von einer nationalen Notenbank zu einer anderen überwiesen wird. Die positiven Salden sind Forderungen, negative Salden sind Verbindlichkeiten nationaler Notenbanken, wie der Bundesbank, gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Salden schwellen an, wenn sehr viel Geld in ein Land hinein oder aus einem Land herausfließt.

Dass der Bundesbank-Saldo seit drei Jahren um fast eine Billion Euro angestiegen ist, zeigt also, dass seitdem viel Geld nach Deutschland geflossen ist.

Das sind die wesentlichen Fakten. Fakt ist auch: Der hohe Saldo selbst verrät nicht, was die Ursache von hohem Geldzufluss ist. Wer das herausbekommen will, braucht zusätzliche Daten, jedenfalls, wenn das Ganze irgendetwas mit Wissenschaft zu tun haben soll.

Die Bundesbank selber vertritt die These, dass das Anschwellen vielleicht nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie eine Folge der Anleihekäufe anderer Notenbanken im Rahmen der EZB-Geldpolitik ist, die die Kaufsummen an internationale Banken überwiesen haben, die ihren Sitz überwiegend in Deutschland haben. Diese These beruht auf Daten und ist auch plausibel, weil der Zeitrahmen genau passt.

Man kann natürlich auch andere Thesen vertreten, etwa, dass doch eine Art Kapitalflucht, ähnlich wie zur Zeit der Griechenlandkrise, der Auslöser ist. Aber dann sollte man das belegen. Stattdessen werden gerne Fakten durch semantische Tricks ersetzt. So werden diese Verrechnungssalden als „eine Art Überziehungskredit“ umetikettiert und anschließend wird lamentiert, dass diese Kredite nicht kündbar sind.

Man verleiht einer Sache ein falsches Etikett und beschwert sich, dass sie nicht zum Etikett passt. Das ist so, als wenn man Hunde mit Katzen vergleicht und sich dann wundert, dass sie nicht auf Bäume klettern.

Panikmache hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Es gibt nicht einen einzigen Hinweis, wem oder was der hohe Target-2-Saldo der Bundesbank konkret schadet. Außer für den Fall, dass die Euro-Zone auseinanderfällt. Aber haben wir dann nicht andere Probleme?

Ich habe einmal als Bankangestellter einen Raubüberfall erlebt. Danach haben viele Kunden gefragt, wie es uns geht. Nur einer rief an: „Ist mein Geld noch da?“ Wenn die Welt untergeht, wird er wahrscheinlich fragen, ob sein Anteil am Target-2-Saldo noch da ist.

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4 Kommentare zu "Kommentar: Keine Panik verbreiten – ein Blick auf die Target-2-Fakten hilft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.


  • Der Begriff „Forderung“ ist tatsächlich problematisch – und der Autor des Artikels kennt sich möglicherweise doch ganz gut aus.

    Die Bundesbank schreibt dazu:
    https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html
    dort: „TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden.“

    Und eine weitere Aussage der Bundesbank:
    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/Target2/2011_gb_target2_saldo.pdf
    dort S. 2
    „Über TARGET2 kann keine Liquidität geschaffen werden. Das Zahlungsverkehrssystem dient lediglich der Übertragung von Liquidität (Zentralbankgeld), über das die teilnehmenden Banken bereits verfügen. Die Bereitstellung von Liquidität ist eine Hauptaufgabe von Notenbanken. (..) Zentralbankgeld wird den Banken hauptsächlich über Refinanzierungsgeschäfte, daneben aber unter anderem auch über den Aufbau von Wertpapierbeständen und Geschäfte in eigener Verantwortung der nationalen Zentralbanken, zur Verfügung gestellt.“

    und auf Seite 1/2 schreibt die Bundesbank dort:
    „Bankensysteme, denen über TARGET2 Zentralbankgeld zufließt, haben einen geringeren Bedarf an eigener Refinanzierung bei „ihrer“ Zentralbank. Institute in Deutschland haben daher ihr Refinanzierungsvolumen bei der Bundesbank kontinuierlich verringert und verfügen mittlerweile per saldo sogar über hohe Guthaben bei der Bundesbank.“

    Holla, 2 Neuigkeiten:
    Es geht hier um Zentralbankgeld, also kein Giralgeld (also kein Geld der Realwirtschaft). Und offenbar ist dieses Geld nach Deutschland hinein geflossen. Und die deutschen Banken profitieren davon offenbar.

    Man sieht, dass der Begriff „Forderung“ von Deutschland gegenüber der EZB bei diesen Salden eindeutig in die Irre führt.

    Um die Target-Salden zu verstehen, muss man verstehen, was Zentralbankgeld ist.

  • Bei anderen Ökonomen lese ich, dass die Target2–"Anschreibungen" zinslos, ohne Sicherheiten und ohne Rückforderungsrecht vergeben werden. Erst da wurde mir klar, warum die Kanzlerin bei ihrem "Freund" Draghi nicht einmal den Versuch unternimmt, wenigstens ein paar "gedruckte" Scheine anzufordern. Warum sitzt die BRD mittlerweile auf 3 Billionen Euro Schulden, wenn die Zuflüsse so grandios sind. Als gemeiner Steuerzahler würde mich auch mal interessieren, wie hoch der Verlust aus Weidemanns "Schrottpapieren" derzeit geschätzt wird und warum die Kanzlerin die Garantie verweigert, dass aus diesen Bürgschaften keine Zahlungen werden.

  • Don t Panic!

    Als Beispiel - wenn die Deutsche Bundesbank italienische Staatsanleihen aufkauft, um Sie dann im gleichen Moment an die Banca d'Italia „weiterzureichen“ ist das also kein Problem?!
    Die Deutsche Bundesbank – bekommt ja schließlich in gleicher Höhe Forderungen gegen das EZB System.
    Die Banca d'Italia hingegen – hat einen Teil Ihrer Schulden von „Privaten Gläubigern“ (die wohl manchmal echt lästig werden können) und die auch noch Zinsen haben wollen… gegen eine Verbindlichkeit bei der EZB getauscht.
    Diese Art der Verbindlichkeit ist aber total gemütlich – Sie wird NIE fällig und man braucht (aktuell!) keine Zinsen dafür zu bezahlen.
    Warum soll ich mir also Sorgen machen, wenn ein so einseitiges Konstrukt weiterhin OHNE jegliches Limit oder Besicherung weiterbesteht?

    BTW: Der Kommentar sollte doch sicherlich provozieren?

  • Selten ist im HB ein so unqualifizierter mit so wenig Sachverstand geschriebener Kommentar erschienen. Die Aussage: " zeigt also, dass seitdem viel Geld nach Deutschland geflossen sind" zeigt die völlige Unkenntniss des Kommentators. Eine Banklehre ersetzt halt kein Studium der Volkswirtschaftslehre, denn dann wüßte er, dass hier kein Geld geflossen ist, sondern nur Forderungen entstanden sind. Geld fließt erst wenn der Schuldner der Target-2-Forderungen diese begleicht. Target-2-Forderungen sind Kredite ohne Rückzahlungstermin (am Sankt Nimmerleinstag) und ohne Zinsen. Wenn das kein Problem ist warum vergeben die Banken an uns Bürger nicht ebensolche Kredite?
    In den USA ist es Vorgabe dass die Targetforderungen der Bundesstaaten bei der US-Zentralbank einmal im Jahr glatt gestellt werden müssen. Aus Jux und Tollerei? Die USA in ihrer Geschichte haben schon negative Erfahrungen gemacht und deshalb wurde die jährliche Glattstellung eingeführt.
    Geht ein Euro Staat pleite oder tritt dieser aus dem Euro aus, dann sind die Targetforderungen gegen dessen Nationalbank obsolet. Was wir dann über Verhandlungen zurück bekommen steht in den Sternen. Sage niemand das kommt nicht vor. Der Brexit sollte auch nicht vorkommen und ist nun Realität.
    Das HB dreht an der ABO Schraube mit Begründung Qualitätsjournalismus kostet Geld. Bei diesem Kommentar ist weder Qualität noch Journalismus vorhanden, so was unqualifiziertes kann ich auch in jedem Käseblättchen lesen

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