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Kommentar Kommunen und Fahrzeughersteller versagen bei der Mobilitätswende

Die Gemeinden sind beim Nahverkehr zu konservativ, die Autobauer nicht innovativ genug. So wird das nichts mit dem Klimaschutz in den Städten.
11.02.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Kommunen und Fahrzeughersteller versagen bei der Mobilitätswende Quelle: dpa
Nahverkehr in Essen

400 Elektrobusse sind bislang in Deutschland unterwegs. Bei 33.000 Stadtbussen ist das ein Armutszeugnis.

(Foto: dpa)

Stößt Berlin seinen „Berlkönig“ vom Thron? Der Senat entscheidet in dieser Woche über das vorzeitige Aus für den Sammelfahrdienst, der von den städtischen Verkehrsbetrieben und einem Start-up angeboten wird. Der Test war auf vier Jahre angelegt, dem Land Berlin aber schon nach zwei Jahren offenbar zu teuer geworden. Dabei lässt sich in so kurzer Zeit wohl kaum beurteilen, ob der „Berlkönig“ jemals einen Beitrag zur Lösung der Mobilitätsprobleme in einer Millionenstadt leisten kann.

Dieser Wankelmut ist typisch für viele deutsche Kommunen. Bloß nichts riskieren, nur nichts ausprobieren, was sich hernach als Sackgasse herausstellen könnte. Am besten auf Altbewährtes setzen. Oder wie beim „Berlkönig“ den Versuch von Anfang an so einschränken, dass ein Scheitern programmiert ist. So macht niemand etwas falsch.

Das Gegenteil ist der Fall. Nichts zu unternehmen oder halbherzig neue Formen der Mobilität auszuprobieren, das ist falsch. Städte und Gemeinden müssen mithilfe ihrer Verkehrsbetriebe die Mobilitätswende, die zugleich auch eine Klimawende sein soll, organisieren. Wer sonst?

Bis 2030, so lautet das Ziel der Bundesregierung, soll die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr verdoppelt werden. Im Nahverkehr heißt das: Statt jetzt zehn Milliarden müssten 2030 20 Milliarden Fahrgäste mit Stadtbussen, Straßenbahnen und U-Bahnen befördert werden. Eine gigantische Zahl.

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    Wenn die Städte aber so weitermachen wie bislang, wird das nichts. Erst recht wird es nichts mit dem klimaneutralen öffentlichen Verkehr in den Städten. Denn wo sonst ließen sich Verkehrs- und Klimaziele gemeinsam besser erreichen als in den Städten? Alternative sind nur Fahrverbote.

    Der Berliner „Berlkönig“, eine Art Sammeltaxi auf App-Ruf, ist sicher nicht die Lösung aller Fragen. Damit werden niemals Massen befördert. Genau das zu organisieren ist die große Aufgabe der kommunalen Verkehrsunternehmen. Doch deren Trägheitsmoment ist zuweilen enorm. Wer schnell viele Autofahrer dazu bewegen will, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, der muss in Vorleistung gehen. Und zwar zügig.

    Neue Straßenbahnlinien oder gar neue U-Bahn-Tunnel zu bauen, das dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Schienengebundener Verkehr kann allenfalls verdichtet werden. Aber das setzt die Digitalisierung der Strecken voraus und neue Fahrzeuge. Auch das umzusetzen braucht Zeit.

    Emissionsfreie Busflotte könnte längst größer sein

    Bleibt den Städten kurzfristig nur die Alternative, den Busverkehr auszuweiten. Selbst wenn der eine Zwischenlösung ist. Das haben die kommunalen Verkehrsunternehmen durchaus erkannt. Nur: Mit der Umsetzung tun sie sich schwer.

    In vielen Städten fehlt es an Mut, auf neue, emissionsfreie Fahrzeuge wie etwa Elektrobusse umzusteigen und sich dabei einmal nicht auf die bewährten Lieferanten Daimler oder MAN zu verlassen. Da ist Zeit verloren gegangen. 400 Elektrobusse sind bislang in Deutschland unterwegs. Bei 33 000 Stadtbussen ein Armutszeugnis. Und noch etwas: Die meisten der 400 E-Busse sind Importe aus dem Ausland.

    Dabei könnte die emissionsfreie Busflotte hierzulande längst viel größer sein. Die Niederländer machen uns vor, dass es geht. Über 700 E-Busse sind dort unterwegs. Unsere Nachbarn haben sich natürlich nicht auf die Lieferfähigkeit der deutschen Industrie verlassen, sondern beherzt auch in China eingekauft. In zehn Jahren darf nach einer Parlamentsentscheidung kein einziger Dieselbus mehr in den Niederlanden im Einsatz sein. Eile ist angesagt, da muss ein Verkehrsunternehmen auch mal zu Lösungen greifen, die technisch nicht als erste Wahl gelten.

    Nicht so in Deutschland. Hier warten die Verkehrsbetriebe lieber auf das Nonplusultra aus heimischer Fertigung. Mag sein, dass die Fahrzeuge von Daimler oder MAN an Solidität und Zuverlässigkeit kaum zu überbieten sein werden. Aber die Verkehrs- und Klimawende fordert unkonventionelle Entscheidungen. Und neue technische Lösungen. Da sind ausländische Wettbewerber derzeit die Treiber.

    Aus Sicht der Industrie ist der verspätete Start in die Elektromobilität ohnehin vollkommen unverständlich. Allein die Umstellung der deutschen Stadtbusflotte stellt einen Markt von rund 18 Milliarden Euro dar, gemessen an den heutigen Preisen. In Europa sind die Dimensionen noch weit größer.

    Und überall ist der politische und gesellschaftliche Druck groß. Welche Stadt kann es sich angesichts der Klimadebatte leisten, den üblichen betriebswirtschaftlichen Abschreibungszeitraum für einen Dieselbus bis zum Austausch abzuwarten?

    Schon jetzt ist absehbar, dass sich die heimische Industrie in einigen Jahren erneut vorführen lassen muss. Chinesische Hersteller konzentrieren sich längst auf die nächste Technologiestufe Brennstoffzelle. Während Daimler und Co. womöglich noch an ihrer zweiten E-Bus-Generation werkeln, rollt aus dem Reich der Mitte dann die nächste Busgeneration an. Technologieführerschaft „made in Germany“ sieht anders aus.

    Mehr: Die Umstellung auf Elektrobusse kommt in Deutschland nur mühsam voran. Das niederländische Start-up Ebusco zeigt, dass es auch anders geht.

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