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Kommentar Kompetenzwirrwarr und Furcht vor Verantwortung: Schweden hat in der Pandemie-Bekämpfung versagt

Schwedens Corona-Sonderweg wird von eklatanten Mängeln begleitet. Die Regierung hat sich zu lange hinter den Worten ihres Staatsepidemiologen Anders Tegnell versteckt.
16.12.2020 - 15:05 Uhr 5 Kommentare
Der Staatsepidemiologe ist gegen das Tragen von Masken im öffentlichen Raum. Quelle: via REUTERS
Anders Tegnell

Der Staatsepidemiologe ist gegen das Tragen von Masken im öffentlichen Raum.

(Foto: via REUTERS)

Die Corona-Kommission hat der schwedischen Regierung in einem ersten Teilbericht ein vernichtendes Urteil über ihre Corona-Strategie zum Schutz von Älteren und Kranken ausgestellt. Auf mehr als 300 Seiten zählt die unabhängige Kommission eklatante Mängel beim Schutz der Pflegebedürftigen auf. Das Personal sei schlecht ausgebildet, die Ausrüstung teilweise mangelhaft und vor allem: Die Kompetenzverteilung zwischen Heimen, Kommunen, Regionen, Behörden und der Regierung sei völlig unklar. Ein kritisches Urteil war erwartet worden, doch dass es so hart ausfiel, überraschte.

Es klingt fast zynisch, wenn die verantwortliche Sozial- und Gesundheitsministerin Lena Hallengren am Tag der Veröffentlichung des Berichts erneut erklärt, Schweden setze sich für „das weltbeste Alten- und Pflegesystem“ ein. Mehr als 7660 Tote in Zusammenhang mit Covid-19 – davon fast die Hälfte in den Pflegeeinrichtungen – zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Wenigstens versprach die Ministerin Reformen und gab zu, dass man „jahrzehntelang zu wenig getan“ habe.

Die Gründe für das Versagen liegen auf der Hand: unklare Kompetenzen und die Furcht vor Verantwortung. Die sozialdemokratische Minderheitsregierung hat sich seit Beginn der Pandemie hinter der Gesundheitsbehörde mit ihrem Chefepidemiologen Anders Tegnell versteckt.

Mehr Empfehlungen als Verbote

Der „Staatsepidemiologe“, so der offizielle Titel, gab und gibt auch heute noch den Kurs in der Bekämpfung der Pandemie vor, dem die Regierung widerspruchslos folgt. Tegnell empfiehlt bis zum heutigen Tag nicht das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, weil er dem Träger eine falsche Sicherheit signalisiere. Tegnell ist es auch, der trotz katastrophaler Inzidenzzahlen noch immer betont, die Entwicklung sei unter Kontrolle, obwohl die Hilferufe der Verantwortlichen in den Regionen unüberhörbar sind.

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    Die schwedische Regierung hat sich bei ihrer Corona-Strategie bislang auf die Gesundheitsbehörde verlassen. Quelle: dpa
    Ministerpräsident Stefan Löfven

    Die schwedische Regierung hat sich bei ihrer Corona-Strategie bislang auf die Gesundheitsbehörde verlassen.

    (Foto: dpa)

    Erst in den letzten Wochen hat die Regierung offenbar die Geduld mit der Gesundheitsbehörde verloren. Plötzlich beschloss sie ohne Rücksprache ein erneutes Besuchsverbot in Alters- und Pflegeheimen, Alkohol darf nicht mehr nach 22 Uhr ausgeschenkt werden, die höheren Klassen gehen wieder in den Fernunterricht, und mehr als acht Personen sollten sich nicht mehr treffen. Dieser Schritt war überfällig.

    Bis auf das Besuchs- und Alkoholverbot gibt es aber nur Empfehlungen, weil es die Regierung im Sommer angesichts einer stabilen Corona-Lage versäumt hatte, ein Notstandsgesetz, das auch einen Lockdown ermöglicht hätte, zu verlängern. Jetzt wird es zwar auf den Weg gebracht, kann aber erst im Frühjahr verabschiedet werden. Das ist in Anbetracht des Infektionsgeschehens viel zu spät.

    Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven versucht indes seit Wochen, die regionalen Behörden für die Situation verantwortlich zu machen. Er vergisst dabei aber, dass er es ist, der mit seiner Regierung die Rahmenbedingungen vorgibt.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

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    5 Kommentare zu "Kommentar: Kompetenzwirrwarr und Furcht vor Verantwortung: Schweden hat in der Pandemie-Bekämpfung versagt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wichtig sind nur die Meinungsbildungen Schlagzeilen - Sachstandsprüfungen haben ausgedient.

    • Belgien hat wie Schweden ca 10 Mio Einwohner - und statt 757 sogar 1.555 und ist wie beim ersten lockdown ganz vorne ! Keine Aufmerksamkeit in den Medien - kein Lauterbach würde Belgien als völlig verantwortungslos bezeichnen... Ja Schweden hat mehr als Deutschland - aber viel weniger als Frankreich, Italien, Spanien wie man auf der Statistik Seite sieht. Wie schon beim ersten lockdown! Wenn das total Versagen sein soll - welchen tollen Erfolg haben dann die genannten EU-Staaten mit harten lockdowns. In einem weiteren Artikel "Schwedens Corona-Sonderweg ist gescheitert – Nachbarstaaten bieten ihre Hilfe an" heisst es "In Schweden wurden bislang 46 Prozent aller Corona-Toten in Alters- und Pflegeheimen gezählt. In Deutschland lag der Anteil nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bei 44 Prozent. " Sind wir dann in Deutschland wirklich so viel besser? Da das Infektionsgeschehen so hoch ist - warum tragen nicht alle FFP2 - sondern viel zu viele tragen diese dünnen Stoffteile. Warum werden seit Oktober nicht in allen Innenstädten diese FFP" verteilt und vorgeschrieben. Wenn die Impfdosen kostenlos sein sollen - dann bitte auch FFP2 für alle in den Innenstädten.


    • Die Fakten:
      Todesfälle je 1 Millionen Einwohner:
      Schweden 757
      Deutschland 273

      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1111794/umfrage/todesfaelle-mit-coronavirus-covid-19-je-millionen-einwohner-in-ausgewaehlten-laendern/

    • Handelsblatt auf Corona Hardliner Linie! Vermutlich Vorgaben von Oben. An Realitäten und rationalen Vergleichen ist in der Sache schon lange keiner mehr interessiert, in Politik und Medien.

    • Die Todesrate pro 1. Mio. Einwohner von Schweden ist derzeit nicht einmal halb so hoch wie die von Deutschland (2,3 vs. 5,4 gem. dem zweiten Diagramm). SORRY: Kann mir einer mal den Titel des Artikels erklären?

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