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Kommentar Konglomerate sind out: Das Coronavirus beschleunigt die Fokussierung der Unternehmen

Den Trend zur Konzentration auf dass Kerngeschäft wird auch die Pandemie nicht aufhalten. Drei Argumente sprechen für diese Entwicklung.
09.06.2020 - 10:41 Uhr Kommentieren
Für einen lustvollen Tanz auf mehreren Hochzeiten werden viele virusgeschwächte Unternehmen in einer Post-Corona-Welt nicht ausreichend Kondition besitzen. Quelle: dpa
Arbeit bei einem Autozulieferer

Für einen lustvollen Tanz auf mehreren Hochzeiten werden viele virusgeschwächte Unternehmen in einer Post-Corona-Welt nicht ausreichend Kondition besitzen.

(Foto: dpa)

Es ist eine alte Streitfrage, die bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen immer wieder auf den Tisch kommt: Soll sich eine Firma auf ihr Kerngeschäft konzentrieren oder ein möglichst breit gefächertes Modell fahren?

Das wird gemeinhin als Diversifizierung verstanden und endet meist in einem Mischkonzern. In der Coronaphase hat diese Frage eine neue Dimension bekommen – zeigen doch die wirtschaftlichen Folgen des globalen Lockdowns, wie fragil manche Geschäftsmodelle sind und dass eine Risikostreuung durch Diversifizierung Vorteile schafft.

Konzernen mit einer klassischen fokussierten Ausrichtung etwa auf einen Industriezweig fehlt in dieser kritischen Situation der interne Ausgleich in Form eines stabilen zweiten oder gar dritten Geschäfts. Henkel etwa erfreut sich daran, dass das Geschäft mit Putzmitteln und Kosmetika kaum beeinträchtigt ist und so den Einbruch im industriebezogenen Klebstoffgeschäft abfangen konnte.

Daraus abzuleiten, dass es unter der Corona-Erfahrung zu einer Renaissance der Konglomerate kommen wird, wäre aber falsch. Wenn Corona – und das wird einhellig prophezeit – grundlegende Entwicklungen wie die Digitalisierung noch beschleunigt, dürfte auch der Druck zur Fokussierung aufs Kerngeschäft zunehmen.

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    Für einen lustvollen Tanz auf mehreren Hochzeiten werden viele virusgeschwächte Unternehmen in einer Post-Corona-Welt nicht ausreichend Kondition besitzen. Eine Party zu feiern ist anstrengend und herausfordernd genug.

    Drei Argumente sprechen für diese Entwicklung:

    • Erstens Digitalisierung und technologischer Wandel: Beides war schon vor dem Virus der wichtigste Treiber in Unternehmen und Branchen. Der Lockdown-bedingte Zwang zum digitalen Arbeiten hat vielen gezeigt, was neue Technologie zu leisten imstande ist und wie schnell die Prozesse umstellbar sind. Es wird im Wettbewerb der Post-Corona-Zeit ein noch stärkerer Erfolgsfaktor sein, wer bei der digitalen Transformation die Nase vorn hat. Dafür müssen die Unternehmen aber viel investieren, schließlich machen der rasante technologische Wandel und die damit verbundenen Marktveränderungen vor dem Virus nicht halt. Diese Investitionen zu stemmen ist schon für ein fokussiertes Unternehmen angesichts begrenzter Mittel herausfordernd genug. Einem breit gefächerten Konglomerat fällt es schwer, jede seiner Sparten mit dem notwendigen Zukunftskapital auszustatten.
    • Zweitens der Zwang zur Größe und Schnelligkeit: In sehr vielen Branchen ist der Trend zur Größenbildung unverkennbar. Es bilden sich sogenannte Pure Player mit einem Kerngeschäft, das sie unter anderem mit Zukäufen auf Größe trimmen, um so durch Skaleneffekte höhere Gewinnspannen zu erzielen. Das bringt bessere Kostenstrukturen. Zugleich sind eigenständige Einheiten schneller und wendiger als ein oft bürokratisch geführter Mischkonzern.
    • Drittens der Druck der Investoren: Der Zugang zum Geld ist für fokussierte Unternehmen am Kapitalmarkt einfacher, weil der Pure Player bevorzugt. Um die aktivistischen Investoren ist es zwar in der Coronaphase ruhig geworden, aber sie werden beim nächsten Wirtschafts- und Börsenaufschwung den öffentlichen Druck auf die Firmen erhöhen. Das wird vor allem Europa treffen, wo Unternehmen noch viel Raum für Forderungen nach Abspaltungen und Teilverkäufen bieten.

    Das sind drei Faktoren, die seit Jahren schon den Trend zur Fokussierung von Unternehmen beschleunigen. General Electric, die Mutter aller (einst) erfolgreichen Konglomerate, musste vor zwei Jahren eingestehen, sich im Wust der Geschäfte verzettelt zu haben – der US-Konzern hat nun zahlreiche Geschäfte abgespalten. Siemens fährt die Strategie, fokussierte und eigenständige Einheiten zu schaffen, die es mit den konkurrierenden Pure Playern aufnehmen können.

    Bei BMW zeigt sich jetzt, dass die einst ausgerufene Strategie eines diversen Mobilitätsdienstleisters inklusive Carsharing und anderer Services wieder zurückgefahren wird. Die Münchener haben erkannt, dass das Kerngeschäft des Autobaus herausfordernd genug wird und alle Aufmerksamkeit braucht – Stichwort E-Auto und autonomes Fahren.

    Und bei Thyssen-Krupp ist das einst mit dem Begriff der „Ingenieurskunst“ verkrampft beschriebene Band um das breitgefächerte Portfolio zerschnitten. Nun wird der Konzern zurechtgestutzt.

    Keine Frage: Es wird immer Unternehmen geben, die diversifiziert und erfolgreich sind. Es ist auch nicht abzusehen, dass Henkel sich aufspaltet, denn die Risikoverteilung auf Klebstoffe und Konsumgüter ist der Eigentümerfamilie wichtig. Doch auch unter dem Corona-Einfluss bleibt es bei dem Trend: Konglomerate sind out. Der Siegeszug der Fokussierung aufs Kerngeschäft wird von einem Virus nicht gebremst, sondern noch beschleunigt werden.

    Mehr: Henkel hat die Coronakrise vergleichsweise gut verkraftet. Carsten Knobel erklärt, wie er nun mit seiner neuen Strategie Mitarbeiter und Investoren überzeugen will.

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