Kommentar Konzern in Rosarot – Wie die Deutsche Post die Öffentlichkeit täuscht

Erst Erfolgsgeschichte, dann Rausschmiss: Durch den Umgang mit Vorstand Jürgen Gerdes beschädigt die Post die eigene Glaubwürdigkeit.
Update: 12.06.2018 - 18:31 Uhr Kommentieren
Die Deutsche Post hat sich am Dienstag von dem Manager getrennt. Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images
Jürgen Gerdes

Die Deutsche Post hat sich am Dienstag von dem Manager getrennt.

(Foto: Ulrich Baumgarten/Getty Images)

DüsseldorfDer Rauswurf von Post-Vorstand Jürgen Gerdes erschüttert mehr als das Vertrauen in die Ertragskraft der Deutschen Post. Er beschädigt das Vertrauen in die Kommunikation des Bonner Dax-Konzerns.

Statt den Anlegern reinen Wein einzuschenken, weshalb man sich im April zu einem Vorstandsumbau veranlasst sah, speisten die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat die Öffentlichkeit ab mit rosaroten Erfolgsgeschichten.

Wer die Mitteilungen von vor zwei Monaten ernst nahm, dürfte sich nun mächtig an der Nase herumgeführt fühlen. „Jürgen Gerdes hat mehr als ein Jahrzehnt sehr erfolgreich die Division Post – eCommerce – Parcel geführt und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der strategischen Ziele des Konzerns geleistet“, jubelte Chefkontrolleur Wulf von Schimmelmann damals über den Vorstandsumbau. „Ich bin überzeugt, dass er dem Unternehmen in seiner neuen Rolle wichtige Perspektiven für die Zukunft eröffnen wird.“

Zur Schau getragene Euphorie auch an der Vorstandsspitze. „Wir sind stark aufgestellt für eine erfolgreiche Zukunft“, rief Post-Chef Frank Appel seinen Aktionären Ende April auf der Hauptversammlung zu. Um „die Streetscooter-Erfolgsgeschichte zu beschleunigen“, habe der Konzern das neue Vorstandsressort Corporate Incubations unter Gerdes’ Leitung eingerichtet. Und der prahlte noch vor zwei Wochen, sein Elektrolaster werde wohl bald an die Börse rollen.

Doch nicht nur der Scooter schreibt dieses Jahr einen Verlust von 70 Millionen Euro, wie die Post jetzt in einer Fußnote bekanntgab. Der laut Appel für „eine erfolgreiche Zukunft“ „stark aufgestellte“ Konzern musste nur Tage später einräumen, dass der Jahresgewinn – wegen Versäumnissen in der Gerdes-Sparte und einer teuren Sanierung – um eine Milliarde Euro geringer ausfallen werde als erwartet.

Womöglich wird schon dieses Eingeständnis das Geschäft der Post wieder ankurbeln – in Form von Protestbriefen der Aktionäre.

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