Kommentar Kuhhandel statt Kulturwandel

Mit der Strafe für die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen wird eine Akte geschlossen, aber nicht die Finanzkrise aufgearbeitet. In Wahrheit kommen die Beteiligten bislang um die Konsequenzen herum.
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Ermittlungen anderer Behörden etwa in den USA – auch zu Libor – laufen weiter. Quelle: ap

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Ermittlungen anderer Behörden etwa in den USA – auch zu Libor – laufen weiter.

(Foto: ap)

Die gute Nachricht zuerst: Die Zeit des Wartens ist vorbei. Die Unsicherheit vorüber. 725 Millionen Euro muss die Deutsche Bank dafür zahlen, dass ihre Händler sich daran beteiligt haben, marktbestimmende Zinssätze zu ihren Gunsten zu manipulieren. Damit wären wir aber auch schon bei der schlechten Nachricht: Die Deutsche Bank hängt am tiefsten drin. Kein anderes der fünf weiteren verurteilten Geldhäuser hat eine derart saftige Strafe aufgebrummt bekommen.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Dass diejenigen, die in Amt und Würden waren, als die kriminellen Machenschaften über die Bühne gingen, die gleichen sind, die heute erneut wieder die „Integrität als Kernwert“ bezeichnen, macht die Bank unglaubwürdig. Anshu Jain und Jürgen Fitschen können auf Verdrängen und Vergessen setzen. Wer ein Gedächtnis hat, kann die beiden als Gallionsfiguren des Kulturwandels allerdings nicht wirklich mehr ernst nehmen.

So weit, so einfach. Verschlungener wird es hinter den Kulissen. Schon die Tat selbst entzieht sich einer klaren Beschreibung. Da werden Daten vertraulich jeden Vormittag bei Händlern abgefragt und am Ende wird daraus ein Zinssatz ermittelt, der den Markt bestimmt. Er ist für Millionen von Kunden mit Verträgen, die einen variablen Zinssatz enthalten, ausschlaggebend.

Ein marktentscheidender Preis soll sich eigentlich am Markt bilden, sagt jedes Lehrbuch der Ökonomie – das hat hier aber offenbar seine Gültigkeit verloren. Das Verfahren entzieht sich jeder Kontrolle. Wie es reformiert werden soll, erzählen uns die EU-Kommission und die Banken bis heute nicht wirklich.

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11 Kommentare zu "Kommentar: Kuhhandel statt Kulturwandel"

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  • Wertes Handelsblatt,
    wieviel hat die DBk denn an dem Skandal wirklich verdient.
    Können Sie da eine Zahl nennen?
    Die deutsche Bank hat es ja wirklich schwer, sie kann nicht mal den beteiligten Händlern kündigen, weil ein deutschen Gericht den ganzen Skandal und das Fehlverhalten der Händler nicht so wichtig nehmen.

    Ausserdem habe ich den Einduck, dass die EU-LKommission deutsches Geld besonders liebt. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass die DBk am meisten zahlt.

  • Die Strafe der EU-Kommission ist einfach lächerlich. Hier handelt es sich eindeutig um Wirtschaftkriminalität. Hätte es ein "einfacher EU-Bürger" gemacht, dann wäre er dafür in den Knast gegangen.

  • Diese Strafe der EU ist einfach lächerlich. Würde der "kleine EU-Bürger" so etwas machen, dann würde er gleich in den Knast gehen. Und genaauso hätte man hier verfahren müssen.

  • Gewinn der Banken: Bestätigte 13,0 Mrd. Euro, wahrscheinlich aber ein Vielfaches davon!
    Strafe der EU: 1,7 Mrd. Euro.
    Da kann jawohl niemand, der noch seiner Sinne Herr ist, von Strafe sprechen. Es ist doch wohl eher eine Belohnung.
    Die EU in Brüssel zeigt mal so richtig Härte und zeigt damit, das dort nicht mal das ganz kleine Ein mal Eins beherrscht wird.
    Der EU sei die Lektüre von Adam Riese empfohlen.
    Der Steuerzahler und Bankkunde ist mal wieder der Dumme. Die Banken sprechen von Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter. Haben diese Mitarbeiter auch die daraus resultierenden Gewinne bekommen oder sind diese von den Banken eingestrichen worden?
    Haben die betroffenen Mitarbeiter und deren Vorstände irgend eine Strafe erhalten?
    In Brüssel und Berlin sind man mal wieder das Lied der Lobby.
    Nicht erstaunlich, wie klein das Thema in der Presse gehalten wird.

  • Lieber Herr Stock,

    alles richtig, aber ich finde auch Sie haben nicht zu Ende gedacht. Alle reden nur über den Betrüger. Aber es gibt natürlich auch den Betrogenen. Und würde hier der Rechtsstaat greifen, gingen die Probleme für die Banken erst richtig los.

    Jeder der in dem nachgewiesenen Zeitraum bei einer der betroffenen Banken bei Währungs- oder Zinswetten Geld verloren hat, ist im Prinzip betrogen worden und hätte Anspruch auf Schadenersatz.

  • (+ @mike): Wie gesagt (s.u.), Geld ist Macht.
    Und wie jeder weiß, ist es immer besser, sich mit den Mächtigen gut zu stellen, wenn man ein angenehmes Leben haben will. Also traut sich keiner, sich mit denen anzulegen und ihnen wirklich wehzutun – es wird nur das Nötigste getan, um das aufgebrachte „Publikum“ einigermaßen ruhigzustellen. Solange sich darunter noch nicht genügend Leute finden, die sich von der Illusion frei gemacht haben, dass ein anderer "politisch Verantwortlicher" als sie selbst (Vertrauen hin, Glaubwürdigkeit her) schon dafür sorgen werde, dass alles mit richtigen Dingen zugeht, bleibt erstmal alles so, wie es ist. Die (technischen) Mittel, um etwas zu ändern, haben wir ja inzwischen.

  • Das wäre doch endlich mal ein aussichtsreicher Ansatzpunkt:
    Die Banken stellen sich so lange wegen ihrer Betrügereien gegenseitig an den Pranger, bis alle bankrott gehen und keine mehr übrig ist. Denn kehrt hoffentlich endlich Frieden ein auf Erden, das Christkind kann kommen, seine Gaben gerecht verteilen und wir fangen damit wieder von vorne an. Dann aber ohne Geld, ohne Schulden, ohne Zockerei und jeder ist für den anderen da...ach wäre das schön!
    Und unserer aller Kaiser kann wieder verwundert fragen:
    Ja is scho wieder Weihnachtn???
    PÄÄÄNG!! Ich glaube, gerade ist mein Traum wieder geplatzt!

  • Beute sehr viele Milliarden - Busgeld 1,5 Mrd.

    Dies ist nur dann möglich wenn die Kriminellen bereits an den Schalthebeln der Macht sitzen. Sie diktieren Gesetzentwürfe, beraten die Kanzlerin bei der Lösung der Krise die sie selbst verursachten. Sie gehen im Kanzleramt ein und aus und feiern dort gar ihre Geburtstage auf Steuerzahlerkosten.

    Die Kanzlerin die sich dem Volks als Erbin von Ludwig Erhard verkauft hat marktwirtschaftliche Prinzipien daß sich der Preis am Markt und nicht durch Preisabsprachen in einem Kartell bilden sollte ebenso vergessen wie daß derjenige welche mit einem ungeheuerlichen Hebel Wetten eingeht auch für Wettschulden haften müsste.

    Es ist die unsägliche Allianz einer Kanzlerin Merkel,
    die sich von höchst fragwürdigen Bankstern wie ,Ackermann, Nonnenmacher von Goldman-Sachs Diebelius beraten läst anstatt unabhängige Experten heranzuholen, die dies alles ermöglicht und dies wird dazu beitragen daß diese Krise kein baldiges Ende nimmt. Es wird so vermute ich darin enden daß Kleinsparer die für die Rente vorsorgen wollten enteignet werden.

    Diese Betrüger betreiben nicht nur Eigenhandel gegen die eigenen Kunden
    sondern sie wetten auch erfolgreich gegen die Staaten die ihnen ihre Wettschulden übernahmen.

    Ob Steuerhinterziehung, Bilanzmanipulation, Steuerhinterziehung, Landgrabbing, Geldwäsche, Waffenhandel, Unterschlagung,
    Libor, Euriobor und Tibor-Zins-Skandal oder Betrügereien beim Goldpreis, Betrügereien mit C02-Zertifikaten,

    Egal wobei diese Betrüger ertappt werden sie zahlen immer nur einen Bruchteil dessen was sie ergaunert haben an Strafe und kommen immer mit Geldbusen weg. Auch wenn sie ganze Staaten in den Abgrund führen.

    Und wohin fließt die Geldbuse?
    Sie fließt sicher nicht an die Geschädigten.
    Sie fließt nicht an diejenigen die dumm genug waren Wetten auf den Stand von Zinsen mit den Banken einzugehen,
    nicht an die welche höhere Kreditzinsen zahlen mussten
    nicht an die welche höhere Zinsen für Hypotheken zahlen mussten.

  • Bingo. Geld ist Macht. Wer hat, der hat (und hält es fest). Da beißt sich echt der Hund in den Schwanz.

  • Die Geldstrafe ist eine Sache. Aber warum werden die Verantwortlichen nicht bestraft?

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