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Kommentar Kurzarbeit wegen Chipmangels: Autobauer wälzen Managementfehler auf die Allgemeinheit ab

Die Kassen der Konzerne sind trotz Krise gut gefüllt. Dass sie auf den teils selbst verschuldeten Chipmangel mit Kurzarbeit reagieren, hat einen bitteren Beigeschmack.
02.02.2021 - 18:26 Uhr Kommentieren
Aufgrund des Chipmangels standen bei vielen Autobauern im Januar die Bänder still. Quelle: Reuters
VW-Werk in Wolfsburg

Aufgrund des Chipmangels standen bei vielen Autobauern im Januar die Bänder still.

(Foto: Reuters)

Wer hätte das gedacht: Chips, diese kleinen schwarz, grün, silbernen oder goldfarbenen Bauteile, lassen die gesamte Autoindustrie stolpern. Weil sie fehlen, stockt die Produktion der Autobauer. Mitarbeiter von VW und Audi waren seit der zweiten Januarwoche in Kurzarbeit. Bei Daimler ist die Arbeitszeit in einigen Werken weiterhin gedrosselt.

Die Schuld an diesem Schlamassel weisen Autobauer, Zulieferer und Halbleiterhersteller von sich. Der Ursprung allen Übels ist die Coronakrise, sagen die Betroffenen im Einklang. Die Ursachen dürfte die Branche ohnehin nicht interessieren. Warum auch? In Deutschland gibt es das Zaubermittel Kurzarbeit. Damit können Unternehmen sehr viele Probleme finanziell auffangen – anscheinend auch die selbst verschuldeten.

Fakt ist: Die Autoindustrie ist nicht unschuldig am Chipmangel. Das Just-in-time-Prinzip auf die Spitze getrieben gehen sie wissentlich das Risiko ein, ihre Lager auch für wichtige Bauteile auf weniger als das Nötigste zu verkleinern.

Die Autoindustrie hat sich verkalkuliert und lässt für ihre Fehlplanung nun die Allgemeinheit aufkommen. Es dürfte nämlich kein Zufall sein, dass überwiegend in deutschen Werken die Produktion gestoppt wurde. Außerhalb von Deutschland gibt es keine derart großzügige Kurzarbeiterregelung.

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    Die Kurzarbeit ist ein gut funktionierendes Instrument, um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern. Und Lieferengpässe sind ein Anspruchsgrund. Im Falle der Autobauer bleibt aber ein bitterer Nachgeschmack. Denn trotz Corona haben sie gutes Geld verdient. Die Kurzarbeit hat einen Anteil daran. In der schlimmsten Phase im Frühjahr 2020, als die gesamte Autoindustrie zum Erliegen kam, hat die Kurzarbeit die Cashflows der Unternehmen geschont.

    Das Ergebnis kann sich sehen lassen: VW hat 2020 einen Cashflow von rund sechs Milliarden Euro verzeichnet, Daimler sogar über acht Milliarden Euro. Angesichts der finanziellen Reserven hätten es sich die Autobauer gut leisten können, ihren Mitarbeitern bezahlten Sonderurlaub zu gewähren.

    Stattdessen war es ihnen offenbar nicht peinlich, beim Staat anzuklopfen und wieder um finanzielle Unterstützung zu bitten. Die Milliardenkonzerne agieren kaltschnäuzig, wenn man berücksichtigt, wie angespannt die Kassen der Bundesagentur für Arbeit sind. Nach einem Jahr Corona kalkuliert sie wegen des massenhaften Einsatzes der Kurzarbeit mit einem Defizit von 27 Milliarden Euro.

    In so einem Moment die eigenen Managementfehler auf die Allgemeinheit abzuwälzen ist nur schwer mit der Logik der Sozialen Marktwirtschaft vereinbar.

    Mehr: Wegen des akuten Chipmangels kann VW gut 100.000 Autos nicht bauen.

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