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Kommentar Lagarde kommuniziert genauso unverständlich wie Draghi

Von der versprochenen Offenheit gegenüber der Öffentlichkeit ist nichts übrig geblieben. Die EZB-Präsidentin versteckt sich hinter Formalbegründungen.
17.07.2020 - 16:41 Uhr 1 Kommentar
Die Präsidentin der EZB ist sehr vorsichtig geworden. Quelle: dpa
Christine Lagarde

Die Präsidentin der EZB ist sehr vorsichtig geworden.

(Foto: dpa)

Christine Lagarde hat ihren Dienst als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr mit dem Versprechen angetreten, verständlicher für eine breite Öffentlichkeit zu kommunizieren als ihr Vorgänger Mario Draghi. Davon ist nichts mehr übrig. Sie spricht inzwischen genauso formelhaft wie die meisten Notenbanker der Welt.

Vor allem versteckt sich Lagarde wie Draghi allzu sehr hinter dem Mandat der Preisstabilität. Anders als zum Teil von der EZB selbst kommuniziert, ist dies nicht das einzige, sondern nur das primäre Mandat. Wenn die Preise stabil sind, und das sind sie zumindest nach allgemeinem Verständnis ja seit Langem, dann gilt laut Satzung das sekundäre Mandat, die allgemeine Wirtschaftspolitik der EU zu unterstützen. Und dazu gehören zum Beispiel auch Vollbeschäftigung und Umweltschutz.

Trotzdem versucht Lagarde krampfhaft, sogar noch den Einsatz für den Klimaschutz, den die EZB in sehr bescheidenem Umfang durch die Meidung der Anleihen von Klimasündern leisten könnte, auf dem Umweg über das Preismandat zu rechtfertigen. Das klingt schon sehr abgehoben: von Preisen reden, wenn in der Arktis zeitweise tropische Temperaturen herrschen.

Schon bei Draghi steckte hinter der Strategie, alles durch das primäre Mandat zu rechtfertigen, die Sorge, in politische Diskussionen hineingezogen zu werden; zum Beispiel dann, wenn die EZB direkt Vollbeschäftigung auch als Ziel der Geldpolitik benennen würde. Bei Lagarde, die reiche politische Erfahrung hat, aber in der Geldpolitik noch nicht zu 100 Prozent zu Hause ist, spielt wohl auch die Angst eine Rolle, mit einer lockeren Kommunikation aus Versehen Missverständnisse auszulösen.

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    Diese Art von Vorsicht ist verständlich. Aber damit ist die breitere Öffentlichkeit nicht zu erreichen, und das ist vielleicht doch das größte Risiko für die EZB.

    Schnabel stellt Bundesbank in den Schatten

    Wenn die Inflation überwiegend zwischen einem und zwei Prozent pendelt, ist keinem Nicht-Experten klarzumachen, wozu die Notenbank Billionen Euro ausgibt, um die Preise stabil zu halten. Das Bekenntnis, dass auch Vollbeschäftigung das Ziel, und nicht nur ein willkommener Nebeneffekt ist, wäre verständlicher. Und wer unverständlich bleibt, wird das Ziel von Verschwörungstheorien.

    Speziell in Deutschland zeigt sich eine deutliche Veränderung in der Kommunikation der EZB. Isabel Schnabel, die neue deutsche EZB-Direktorin, hat die Rolle übernommen, hier die Geldpolitik der Öffentlichkeit zu erklären. Die Bundesbank, die gerade stolz ihre künftige Zentrale präsentiert hat, fällt dagegen deutlich ab. Aber auch Schnabel muss sich bisher an den offiziellen, sehr formalen EZB-Sprech halten.

    Mehr: Wie Finnlands Notenbankchef Olli Rehn niedrige Zinsen rechtfertigt

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Lagarde kommuniziert genauso unverständlich wie Draghi"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die EZB ist unverständlich, weil Worte und Handeln nicht übereinstimmen. Die EZB gewährleistet gerade keine Preisstabilität. Das sieht man an der allgemeinen Preisentwicklung mit Ausnahme der Lebensmittel. Deren Preisanstieg verläuft durch zahlreiche Manipulationen gebremst. Stattdessen widmet sich die EZB schwerpunktmäßig der eigentlich verbotenen Staatsfinanzierung und ermöglicht es Ländern wie Griechenland und Italien sich ohne jede Limite zu verschulden. Dieser Spagat der EZB stösst naturgemäß bei vielen Menschen auf Unverständnis.

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