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Kommentar Lagardes Zurückhaltung ist berechtigt

Viele Experten hatten von der EZB-Sitzung am Donnerstag mehr erwartet. Doch für weitere Lockerungssignale ist es noch zu früh.
12.09.2020 - 12:59 Uhr Kommentieren
Die EZB-Präsidentin verzichtete am Donnerstag auf klare Signale für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Quelle: imago images/Xinhua
Christine Lagarde

Die EZB-Präsidentin verzichtete am Donnerstag auf klare Signale für eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die Erwartungen an Christine Lagarde waren hoch nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Angesichts der zuletzt sehr schwachen Inflation, der Aufwertung des Euros und des jüngst verkündeten Strategieschwenks der US-Notenbank Fed rechneten viele Experten mit einem klaren Signal der EZB-Chefin für eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Doch Lagarde hat diese Hoffnungen enttäuscht. Sie äußerte sich nur vorsichtig zum Euro-Kurs und verzichtete auf Signale für eine weitere Lockerung. An den Märkten kam das zunächst nicht gut an: Der Euro-Kurs stieg während ihrer Pressekonferenz sogar noch im Vergleich zum Dollar. Für die Zurückhaltung gibt es aber gute Gründe. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es für weitere Lockerungssignale der EZB noch zu früh.

So hat Lagarde zu Recht darauf verwiesen, dass die schwachen Inflationszahlen im Euro-Raum hauptsächlich auf temporäre Sondereffekte wie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und die Verschiebung des Sommerschlussverkaufs in Italien und Frankreich zurückzuführen sind. Für die EZB gibt es keinen Grund, auf solche Effekte zu reagieren, die im nächsten Jahr wieder verschwinden. Zwar dämpft die Aufwertung des Euros die Inflation. Man darf aber auch nicht vergessen, dass diese gegenüber dem Dollar stärker ausgefallen ist als im Vergleich zu vielen anderen wichtigen Währungen.

Mit weiteren Lockerungssignalen würde die EZB außerdem das falsche Zeichen setzen. Denn Märkte und Wirtschaftsakteure müssten dies so interpretieren, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtert haben – was den wirtschaftlichen Pessimismus nur verstärkt. Dafür gibt es aktuell aber keinen Grund. Für dieses Jahr beispielsweise hat die EZB ihre Wachstumsprognose angehoben und geht von einem geringeren Rückgang aus als noch im Juni.

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    Die Fed-Strategie ist noch nicht relevant

    Zudem besteht aktuell kein Bedarf, die Anleihekäufe auszuweiten. Erst im Juni hat die Notenbank den Umfang ihres Krisenprogramms PEPP um 600 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt. Hiervon hatte sie bis Ende August gerade mal rund 500 Milliarden Euro ausgeschöpft.

    Auch der Verweis auf den jüngsten Strategieschwenk der Fed führt in die Irre. Diese will künftig eine Inflation von über zwei Prozent tolerieren, wenn sie vorher lange Zeit darunter gelegen hat. Kritiker, die sich am Donnerstag mehr gewünscht hatten, argumentieren, dass die EZB dem Eindruck entgegentreten muss, ihre Geldpolitik werde nicht so locker sein wie die der Fed. Dabei verkennen sie, dass der Strategieschwenk der Fed im aktuellen Umfeld nicht entscheidend ist.

    Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone liegt die Inflation noch deutlich unter zwei Prozent. Erst wenn dieses Ziel wieder in greifbare Nähe rückt, werden die Überlegungen relevant, was danach passiert. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

    Unter dem Strich spricht im aktuellen Umfeld also viel dafür, zunächst abzuwarten. Diese Bewertung scheint sich mit etwas Zeitverzug auch an den Märkten durchzusetzen. Nachdem der Euro-Kurs während der Pressekonferenz von Lagarde bis zur Marke von 1,19 Dollar zugelegt hatte, notierte er am Donnerstagabend und auch am Freitag wieder deutlich darunter.

    Mehr: Wie Christine Lagarde sich in der Coronakrise bewährt.

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