Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Lieber Einzelhandel, keine Langeweile – bitte!

Auch der Einzelhandel überlebt, wenn er den Kunden etwas bietet. Das beweisen Levis, FAO Schwarz und das KaDeWe – mit viel Einfallsreichtum.
15.12.2018 - 12:00 Uhr Kommentieren

Stefan Genth: „Das Weihnachtsgeschäft ist 2018 erst spät gestartet“

New York Der Einzelhandel ist tot. Es lebe der Einzelhandel! Seit Jahren bejammern wir den vermeintlich unausweichlichen Niedergang des Einzelhandels. Warnungen vor der „Retail Apokalypse“ machen die Runde. In den USA gingen die Spielzeugkette Toys R Us und das Traditionsunternehmen Sears dieses Jahr in die Insolvenz. Kaufhäuser schließen ihre Pforten. Ganze Shoppingmalls machen zu. Und schuld an allem sind natürlich Amazon und Co.

Wer genau hinsieht, kann aber in dieser Vorweihnachtszeit Interessantes beobachten: Am Rockefeller Center in New York etwa hat nach drei Jahren der traditionsreiche Spielzeugladen FAO Schwarz einen neuen, kleineren Laden wiedereröffnet.

Und siehe da: Die Menschen strömen hinein und springen auf dem Riesen-Piano auf dem Boden hin und her, das einst durch den Tom-Hanks-Film „Big“ weltberühmt wurde. Zauberer zeigen Tricks, Kinder können in einem Workshop ihre eigenen Teddybären entwerfen oder Puppen mit Zertifikat adoptieren.

Zwei Blocks entfernt zeigt die Sportmarke Nike in ihrem neuen Flagship-Store auf der 5th Avenue, wie man Kunden in den Laden lockt. Auf sechs Etagen mit insgesamt 7.000 Quadratmetern stellen die Amerikaner nicht nur die berühmtesten Sneaker wie Museumsstücke aus.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Hier können Kunden auch ihre Schuhe personalisieren, indem sie sie färben oder die Schnürsenkel wählen. Für personalisierte Kleidungswünsche stehen sogar Designer und Schneider zur Verfügung. Und wer keine Warteschlangen an der Kasse mag, kann per App zahlen und gehen.

    Eine Viertelstunde zu Fuß weiter hat auch Levi Strauss am Times Square ein eigenes Markenreich eröffnet. Dort gibt es im Erdgeschoss eine Schneiderei, die eher einer Kaffee-Bar als einer Handwerksstätte gleicht. Kunden können hier Jeans nach persönlichen Vorlieben mit Stoffen, Rissen, Kristallen oder Nieten verzieren lassen.

    Auch in den Edelkaufhäusern wie Bloomingdale’s oder Bergdorf Goodman mit ihren fantasievollen Schaufenstern drängeln sich wieder die Menschen. Und man muss nicht nach Amerika reisen. Auch in Deutschland können sich das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München über hohe Nachfrage freuen. Im KaDeWe schlendern Kunden aus aller Welt und tanken bei Austern und Champagner neue Kraft für die nächste Shoppingrunde.

    Das Besondere hat auf heutigem Markt eine Chance

    In alle drei Häuser stecken die Besitzer derzeit einen dreistelligen Millionenbetrag, um sie von Stararchitekten auffrischen zu lassen. Die Investitionen lohnen sich offensichtlich. So setzt das Alsterhaus seit der Renovierung nach eigenen Angaben 50 Prozent mehr um als zuvor.

    Auch das zeigt: Wer etwas Besonderes bietet, hat auch im heutigen Markt eine Chance. Natürlich hat sich die Welt geändert mit dem Onlinehandel. Aber es ist zu leicht, mit dem Finger nur auf Amazon zu zeigen. Wer sich etwas einfallen lässt, kann heute auch mit einem Ladenlokal überleben.

    Wir Kunden müssen allerdings gut motiviert werden, damit wir die Couch oder den Schreibtisch verlassen und tatsächlich in den Laden gehen, statt bequem online zu ordern. Ein ramschiges Kaufhaus ohne Tageslicht mit schlechter Luft und unfreundlichen Verkäufern ist es jedenfalls nicht.

    Eine gute Auswahl an interessanten Produkten, die man im Überangebot von Amazon vielleicht gar nicht wahrnimmt, aber schon. Sowohl im Buchhandel als auch im Spielzeughandel hat sich zuletzt gezeigt, dass kleine, lokale, spezialisierte Läden mit persönlichem Service überleben können, während langweilige Ketten aussterben.

    Die zwei großen Insolvenzen dieses Jahres sind dafür beste Beispiele. Sowohl bei Toys R Us als auch bei Sears sind Finanzinvestoren eingestiegen und haben den Unternehmen enorme Schulden aufgebürdet. Damit konnten die Ketten nicht in bessere Läden und Konzepte investieren. Das Ergebnis war, dass die Geschäfte oft aussahen wie triste Relikte aus den 1980er-Jahren mit lieblos aufeinandergestapelten Waren. Das zieht heute keinen Kunden mehr an.

    Ein physischer Laden hat auch seine Vorteile

    Dass ein guter, physischer Laden durchaus seine Vorteile hat, davon sind interessanterweise auch die Onlinehändler selbst überzeugt. Nur so erklärt sich, dass Zalando immer mehr neue Läden in Deutschland aufmacht und dass auch Amazon in Amerika mit dem guten alten Einzelhandel experimentiert.

    Amazon hat nicht nur die Whole Foods-Supermärkte gekauft. Der Onlineriese aus Seattle hat auch im Herbst in New York einen eigenen „Four-Star“-Laden eröffnet, in dem eine Auswahl von Produkten liegt, die die Kunden mit mindestens vier Sternen bewertet haben. Auch seine kassenlosen Supermärkte „Amazon Go“ baut der Konzern weiter aus.

    Egal, wer sich in den physischen Einzelhandel traut oder dort bestehen will. Es muss etwas Besonderes sein. Edel oder originell und vor allem personalisiert, wie es die Millennials lieben. Für den Durchschnittshändler sieht die Zukunft düster aus.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kommentar: Lieber Einzelhandel, keine Langeweile – bitte!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%