Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Macron muss auf Arbeit unter Gegenwind umschulen

Der einstige Shootingstar der europäischen Politik verliert in Frankreich stark an Rückendeckung. Wie er die Konflikte durchstehen will, ist unklar.
Kommentieren
Der französische Präsident muss sich bei seinen Bürgern wieder mehr Beliebtheit verschaffen, zuletzt lag die Zustimmung bei knapp 30 Prozent. Quelle: AFP
Emmanuel Macron

Der französische Präsident muss sich bei seinen Bürgern wieder mehr Beliebtheit verschaffen, zuletzt lag die Zustimmung bei knapp 30 Prozent.

(Foto: AFP)

Die „Rentrée“ ist eine französische Institution: Nach der Sommerpause kehren die Schüler in die Klassen, Wirtschaft und Politik an die Arbeit zurück. Doch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seinen Start verpatzt. Sein populärster Minister hat ihn verlassen, weniger als ein Drittel der Franzosen hat noch Vertrauen in seine Politik. Sie verstehen nicht mehr, wo er hinwill, und vermissen Resultate.

Der Star der europäischen Politik ist gewöhnt an den Rückenwind nationaler Zustimmung und internationaler Wertschätzung. Nun muss er umschulen: auf Arbeiten unter Gegenwind. Harte Konflikte hat er nie gescheut, wie die Reform der Staatsbahn gezeigt hat. Doch da stand die Mehrheit der Franzosen hinter ihm.

Nun hat er weniger Rückendeckung, während die Aufgaben in den nächsten Monaten heikler werden: Er muss die Staatsausgaben kappen, den öffentlichen Dienst, die Arbeitslosenversicherung reformieren, und er will das Rentensystem mit seinen zahlreichen Sondertöpfen vereinheitlichen. Millionen von Franzosen werden fürchten, dass es ihnen schlechter gehen wird.

Noch ist nicht absehbar, wie Macron diese Konflikte durchstehen will. Zurückweichen will er nicht: „Wir werden Kurs halten und die Veränderung fortsetzen, dafür sind wir gewählt“, ließ er am Mittwoch seinen Premier Edouard Philippe sagen. Erfreulich, dass er sich weiter auf Strukturreformen fokussieren will. Doch so stark der französische Präsident auch ist: Selbst ihm kann die Macht entgleiten, wenn er die notorisch launischen Bürger nicht überzeugen kann.

Die erleben einen Präsidenten, der ständig von Veränderung redet, doch sie selber spüren nichts davon. Die Maschine zum Abfassen von Gesetzen dreht auf Hochtouren, aber ein Rekordausstoß an Paragrafen ändert noch nichts an gigantischen Pannen im Schienenverkehr, überfüllten Vorortzügen, öden Vorstädten, mangelnden Jobchancen und dem diffusen Eindruck, wirtschaftlich abgehängt zu sein.

Macron hat zu lange ignoriert, dass die Abschaffung der Vermögensteuer, neue Abgeordnete und viele gute Reden allein nicht den Wind der Veränderung ins Land tragen. Wer Monate auf einen Arzttermin wartet und Tag für Tag im selben stinkenden Zug steht, reagiert irgendwann allergisch auf einen smarten Präsidenten, der im Wahlkampf eine Revolution versprach, heute aber von oben durchregiert.

Versteht Macron, dass seine persönliche Rentrée nicht nur Standhaftigkeit, sondern auch mehr Bürgernähe und zumindest ein paar Reformen verlangt, die rascher Wirkung zeigen als seine legislativen Großprojekte? Bislang war der Prophet der Veränderung selber verblüffend starrsinnig.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Macron muss auf Arbeit unter Gegenwind umschulen

0 Kommentare zu "Kommentar: Macron muss auf Arbeit unter Gegenwind umschulen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.