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Kommentar Manager-Pensionen sollten gedeckelt sein

Hohe Vorsorgezusagen der Firmen wie bei Daimler-Chef Zetsche gehören abgeschafft. Manager können sich gut selbst absichern.
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Nach seinem Abschied soll der Daimler-Chef jährlich mindestens 1,05 Millionen Euro Ruhegehalt bekommen. Quelle: dpa
Dieter Zetsche

Nach seinem Abschied soll der Daimler-Chef jährlich mindestens 1,05 Millionen Euro Ruhegehalt bekommen.

(Foto: dpa)

Tragen wir erst einmal die Fakten zusammen. Für Daimler-Chef Dieter Zetsche stehen 42 Millionen Euro Vorsorgekapital in der Bilanz. Wenn Zetsche mit Ablauf der Hauptversammlung im Mai abtritt, wird der 65-Jährige etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr daraus als Pension kassieren, macht um die 4200 Euro pro Tag.

Ein Facharbeiter bei Daimler bekäme vielleicht 2.500 Euro aus der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge – monatlich, versteht sich. Im Durchschnitt zahlt die Rentenversicherung hierzulande 1.329 Euro brutto an Männer und 787 Euro an Frauen im Monat aus.

Der Fall scheint somit klar: Zetsches Pension nach zwei Jahrzehnten im Daimler-Vorstand ist ein Skandal. Ein typischer Fall von Selbstbedienung der Wirtschaftselite, die jeden Bezug zum Leben verloren hat. So läuft derzeit die mal wieder eröffnete Debatte um ein durchaus bekanntes Thema.

Doch die Managerpensionen verdienen eine differenzierte Betrachtung. Es ist längst nicht mehr so, dass Vorstände generell nach Millionengehältern auch noch Millionenpensionen kassieren. In Deutschland gibt es vielleicht zehn Spitzenmanager von etwa 180 Dax-Vorständen, die betriebliche Jahrespensionen von einer Million Euro und mehr genießen dürfen, wenn sie dereinst in Rente gehen.

Die meisten Pensionsmillionäre haben dann übrigens für VW gearbeitet, aber auch Thyssen-Krupp oder BASF zeichnen sich bislang durch eine üppige Versorgung ihrer Ehemaligen aus.

Die gute Nachricht: Die Unternehmen haben ihre Systeme weitgehend umgestellt. Junge Vorstände werden die Millionenpension kaum mehr erreichen. Die schlechte Nachricht: Ruhestandsvergütungen generell haben ein hohes Erregungspotenzial. Denn Vorstandsrentner tun ja nichts mehr fürs Geld.

Die Kritik entzündet sich zunehmend an der Grundsatzfrage, ob das traditionelle Modell der Betriebspensionen für gut bezahlte Vorstände heute noch angemessen ist. Da hilft zunächst ein Blick in die Vergangenheit. Als der Vorstandsvorsitzende vor Jahren noch Generaldirektor hieß, hatte die Altersversorgung durch die Firma einen Sinn. Der Chef sollte sich nach Verabschiedung in den Ruhestand einen angemessenen Lebensstandard gönnen dürfen.

Damals verdiente so ein Vorsitzender allerdings ein Gehalt, für das heute nicht einmal der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens antreten würde. Und das Vorstandssalär des Generaldirektors lag auch nicht beim 150-Fachen des Gehalts eines einfachen Angestellten wie heute.

Doch mit der Explosion der Managervergütung in Millionensphären nach der Jahrtausendwende geriet das Pensionsmodell aus den Fugen. 70 Prozent – wie damals üblich – von anderthalb Millionen Grundvergütung als Firmenpension sind eben eine andere Hausnummer.

Die Unternehmen selbst zogen schon vor Jahren die Notbremse, es wurde einfach zu teuer. Auch Zetsche hat umgestellt. Das alte, an der Beamtenbesoldung orientierte Modell ist heute weitgehend durch beitragsbezogene Systeme ersetzt. Dann werden beispielsweise je 15 Prozent von Fixvergütung und Boni pro Jahr in die Reserve gestellt.

Folge: Die Toprentner sind für das Unternehmen billiger und kalkulierbarer. Letzteres ist nicht unwichtig. Schon wenn ein Vorstand eine wesentlich jüngere Frau heiratete, mussten gleich ein paar Millionen mehr in die Vorsorge gesteckt werden.

Es reicht aber nicht aus, wenn die Pensionsmodelle nur etwas bescheidener daherkommen. Die meisten Vorstände verdienen inzwischen mehrere Millionen Euro pro Jahr. Damit sind sie in der Lage, selbst Vorsorge für ein auskömmliches Leben im Alter zu treffen. Doch die meisten Unternehmen packen ihre Ruheständler weiter in Watte.

Nur wenige steigen aus. Der Energieversorger RWE etwa. Dessen ehemaliger Chef Jürgen Großmann ließ sich aufs Gehalt einen Pauschalbetrag draufpacken und legte das Geld selbst an. Das Modell wirkt im Unternehmen bis heute nach. Oder Beiersdorf. Der Konsumgüterkonzern buchte Pensionszusagen in Long-Term-Incentives um. In beiden Fällen verschwand das Versorgungsrisiko zwar aus der Unternehmensbilanz, verringerte aber nicht die Gesamtvergütung.

Hohe Pensionszusagen für Manager sollten komplett abgeschafft werden. Weil es offensichtlich so schwer ist, sich von unzeitgemäßen Traditionen zu verabschieden, sollten Unternehmen die Pensionen ihrer Ex-Chefs in einem ersten Schritt deckeln.

Wem die Vorsorge durch seinen Arbeitgeber dann nicht ausreichend erscheint, der kann und sollte private Vorsorge treffen – ein Tipp, den viele Vorstände ohnehin ihren Mitarbeitern angesichts schwindsüchtiger staatlicher Rentenkassen geben. Im zweiten Schritt wächst dann hoffentlich die Erkenntnis, dass persönliche Altersvorsorge in der Gehaltsklasse eines Topmanagers selbstverständlich sein sollte.

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