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Kommentar Manager sollten den neuen Governance-Kodex nicht zerreden

Prominente Konzernvertreter sträuben sich gegen die neuen Regeln zur guten Unternehmensführung. Doch damit könnten sie ihren eigenen Häusern schaden.
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Manager im Gespräch

Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft auf Standards zur guten Unternehmensführung hat zwar keinen Gesetzesrang, ist aber für Aktiengesellschaften verbindlich.

(Foto: Getty Images)

Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Lautstark schimpfen prominente Manager und Aufsichtsräte über die neuen Regeln zur guten Unternehmensführung, die im Corporate Governance Kodex festgelegt werden sollen.

Einige fordern gar die Abschaffung des Kodexes. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft auf Standards zur guten Unternehmensführung hat zwar keinen Gesetzesrang, ist aber für Aktiengesellschaften verbindlich.

Dass bei jeder Aktualisierung dieses Regelwerks ein Aufschrei aus der Wirtschaft kommt, hat eine gewisse Tradition.

Doch dieses Mal ist der Protest so heftig, dass er das Ansehen und die Akzeptanz des Kodexes zu beschädigen droht. Die Regelungen würden die Bürokratie erhöhen und die deutschen Unternehmen „amerikanisieren“, sagen die Gegner.

Es wäre nicht das erste Mal, dass es einer Riege von Managern mit ihrer Kritik gelingt, Regeln im Kodex zu blockieren. Doch damit könnten sie den Unternehmen einen Bärendienst erweisen.

Denn je windelweicher die Kodex-Regeln ausfallen, desto höher ist der Anreiz für die Politik, mit Gesetzen einzugreifen. Und die sind weniger praxisnah und lassen den Unternehmen deutlich geringeren Spielraum für individuelle Besonderheiten.

Das zeigt ein kurzer Blick in die jüngere Vergangenheit. Beispiel Vorstandsvergütung: Man mag es heute kaum glauben, dass sich die deutschen Vorstände Anfang der 2000er-Jahre öffentlich dagegen gewehrt haben, ihre Gehälter offenzulegen. In den USA war das längst üblich, und heute ist es auch hierzulande selbstverständlicher Teil der Debatte in Hauptversammlungen.

„Amerikanisierung“ bedeutet oft Modernisierung

Der Widerstand führte damals zunächst dazu, dass die individuelle Offenlegung der Vorstandsbezüge nicht in den Kodex aufgenommen wurde. Doch 2005 kam die Rechnung: Die damalige Schröder-Regierung verpflichtete die Unternehmen dazu per Gesetz.

Ähnlich lief es beim Thema Vielfalt. Ein Sturm der Entrüstung entbrannte, als die Corporate-Governance-Kommission einen Passus zur „angemessenen“ Frauenquote für Aufsichtsräte in den Kodex aufnehmen wollte. Die Formulierung kam dann zunächst gar nicht, später windelweich. Auch hier folgte die Rechnung aus Berlin: Seit 2016 gilt eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten.

Das zeigt: Hinter der befürchteten „Amerikanisierung“ steckt häufig eine Modernisierung. So auch bei den aktuell geplanten Änderungen: Das Mandat eines Aufsichtsrats läuft in Deutschland in der Regel fünf Jahre.

Diese Frist soll nun auf drei Jahre reduziert werden. Kritiker argumentieren, dass die Verkürzung deutsche Unternehmen überfordere, der Mitbestimmung nicht gerecht werde und obendrein für mehr Bürokratie und Kosten sorge. Richtig ist, dass kürzere Wahlperioden höheren Aufwand bedeuten. Und es ist natürlich für die persönliche Biografie von Aufsichtsräten bequemer, wenn sie sich auf fünf Jahre einstellen können.

Es ist auch richtig, dass sich Aufsichtsräte besser einarbeiten können, wenn Mandate länger laufen. Doch diese Argumentation lässt das Wesentliche außer Betracht: Im digitalen Zeitalter verändern sich Geschäftsmodelle viel schneller grundlegend als früher. Da der Aufsichtsrat den Vorstand kontrolliert, mithin etwas vom Geschäft des Unternehmens verstehen sollte, muss es möglich sein, Aufsichtsräte mit anderen Kompetenzprofilen schneller ins Gremium zu holen.

Transparenz ist mühsam, aber notwendig

Das Argument überbordender Bürokratie wird auch an anderer Stelle angeführt: Künftig sollen sich Unternehmen zu den Grundregeln im Kodex erklären müssen, auch wenn sie sie erfüllen. „Apply and explain“ nennen Experten diesen Grundsatz.

Tatsächlich sollte hier genau darauf geachtet werden, wie viel Mehrwert aus seitenlangen Erklärungen gewonnen werden kann. Aber klar ist auch, Transparenz ist immer mühsam. Es hat schon einen schalen Beigeschmack, wenn sich Manager gegen Transparenz wehren.

In der alten Welt der autokratischen Führung mögen Erklärungen lästig und überflüssig gewesen sein, ein moderner Manager hingegen weiß, dass er den notwendigen Rückhalt der Mannschaft und von Investoren vor allem dann bekommt, wenn er sein Wissen teilt.

Viel klüger wäre es gewesen, die eifrigen Kritiker hätten sich schon früher in den Diskussionsprozess eingebracht. Dann stünden sie jetzt nicht als Modernitätsverweigerer da. Zeit genug hätten sie gehabt: Der Reformprozess läuft bereits seit eineinhalb Jahren. Zumal das Engagement der aktiven Vorstände und Aufsichtsräte für den Kodex ohnehin zu wünschen übrig lässt.

Klüger wäre es natürlich auch von der Kommission gewesen, die Kritiker zu einem weit früheren Zeitpunkt in die Diskussion einzubinden und so die öffentliche Konfrontation zu vermeiden.

Die Kommission hat bereits in Aussicht gestellt, dass es Anpassungen in umstrittenen Fragen geben wird. Es ist im Interesse aller Unternehmen, dass am Ende ein Kompromiss herauskommt, der mehr ist als nur der kleinste gemeinsame Nenner.

Mehr: Der Regelkatalog zur guten Unternehmensführung soll deutlich verschlankt werden. Warum das gewünscht ist, erklärt Dieter Fockenbrock.

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