US-Präsident Trump zu Besuch in Großbritannien

12.07.2018, Großbritannien, Oxfordshire, Blenheim: Donald Trump (2.v.l), Präsident der USA, und seine Frau Melania (l), stehen mit Theresa May (2.v.r), Premierministerin von Großbritannien, und ihrem Ehemann Philip zusammen vor einem Abendessen zusammen. Premierministerin May veranstaltet ein Abendessen im Rahmen des Besuchs von US-Präsident Trump in Großbritannien im Blenheim Palace. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Kommentar Mays Desaster namens Trump

Theresa May hat mit Ach und Krach die jüngste Regierungskrise überstanden – und dann kommt Trump. Sein Besuch ist viel schlimmer als erwartet. Doch May ist selbst schuld.
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Die britische Regierungschefin Theresa May hatte befürchtet, dass der Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien schwierig werden könnte. Aber sie hat sich getäuscht: Der Besuch ist ein Desaster.

Man weiß gar nicht, welche der unzähligen diplomatischen Bomben, die der US-Präsident in einem Interview mit der Boulevard-Zeitung „The Sun“ auf seine Gastgeberin niederregnen ließ, die schwersten Schäden anrichtete: Das vernichtende Lob, dass sie „ganz nett“ sei? Das sehr ernst zu nehmende Lob für ihren ärgsten politischen Widersacher („er wäre ein großartiger Premierminister“), den zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson, über den gemunkelt wird, er wolle die Premierministerin stürzen?

Oder die Erklärung, dass die Brexit-Strategie der Regierung falsch sei und „wahrscheinlich“ dazu führen werde, dass die USA lieber mit der EU ein Handelsabkommen schließen werden als mit den „besonderen Freunden“ auf den britischen Inseln? Die Wahl ist nicht leicht.

Die Nachricht, dass das Interview keineswegs so positiv für die britische Premierministerin ausfiel, wie es ihr zuvor angekündigt worden war, platzte in das pompöse Dinner zu Ehren Trumps. Die britische Regierung hatte so viel Pomp und Prunk für den US-Präsidenten aufgefahren wie möglich.

Ein Abendempfang im imposanten Geburtshaus von Winston Churchill mit rotem Teppich und Militärkapellen sowie eine Einladung zum Tee bei der Queen. Schließlich hatte die Premierministerin gehofft, den heiklen Besuch von Präsident Trump für sich nutzen zu können – trotz der Kritik Tausender Briten, die auf den Straßen gegen ihn protestieren.

Sie hatte gehofft, von dem US-Präsidenten Unterstützung für ihren umstrittenen Brexit-Kurs zu erhalten und vielleicht sogar eine Zusage für ein Handelsabkommen mit dem mächtigen Partner. Aber dieser Traum ist nun mit einem so großen Knall zerplatzt, dass man ihn noch im letzten Winkel der Insel hören konnte.

Dabei war die Lage der britischen Premierministerin bereits vor dem Besuch aus Amerika prekär. Sie hält sich nur im Amt, weil ihre Gegner Neuwahlen fürchten und darüber hinaus keinen konsensfähigen Premierminister vorschlagen können.

Trump hat ihre Position nun weiter geschwächt und ihre politischen Gegner gestärkt. Man weiß nicht, ob er das auch tatsächlich beabsichtigt hat. Aber dass er es getan hat, ist eindeutig.

In Großbritannien tritt Trump so auf, wie man ihn kennt: auf seinen eigenen Vorteil bedacht und darüber hinaus unberechenbar. In der Hoffnung auf ein lukratives Handelsabkommen ist Theresa May ein hohes Risiko eingegangen. Das hat sich schnell gerächt.

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