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Kommentar Mehr Selbstkritik, bitte! – Warum Aufsichtsräte in der Krise besonders wichtig sind

Die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne sind laut einer Umfrage im Krisenjahr 2020 mit sich und ihrer Arbeit sehr zufrieden. Dürfen sie das sein?
19.11.2020 - 15:43 Uhr Kommentieren
Die Aufseher spielten im Skandal um den Zahlungsdienstleister eine zweifelhafte Rolle. Quelle: Reuters
Wirecard-Zentrale

Die Aufseher spielten im Skandal um den Zahlungsdienstleister eine zweifelhafte Rolle.

(Foto: Reuters)

Die Coronakrise und der Fall Wirecard haben 2020 für die deutsche Wirtschaft zu einem besonderen Jahr gemacht. Eigentlich und sollte man meinen. Doch die Kontrolleure einiger Dax-Konzerne bewerten ihre eigene Arbeit überraschend losgelöst und positiv. Das belegt eine aktuelle Umfrage der Zeitschrift „Der Aufsichtsrat“ und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte unter 73 Aufsichtsräten mit insgesamt 220 Mandaten.

Neun von zehn der befragten Mandatsträger zeigten sich in der Befragung, die in den Monaten Juli bis September und im 14. Jahr in Folge durchgeführt wurde, „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ mit ihrer Arbeit. Die Pandemie habe sie krisenresilient gemacht. Und der Fall Wirecard, immerhin die erste Insolvenz eines Dax-Konzerns, erfordert für 60 Prozent der Befragten zufolge keine zusätzliche Regulierung.

Es ist eine Selbsteinschätzung, die – angesichts der historischen Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft stehen – gelinde formuliert stutzig macht.

Die Pandemie ist immerhin noch lange nicht überwunden, und sie fordert gerade auch die Aufsichtsräte dieser Republik heraus. Schließlich bilden sie die Gremien, die die operativ tätigen Vorstände kontrollieren und beraten sollen. Und was schon in vermeintlich normalen Zeiten gilt, gilt umso mehr in Ausnahmesituationen wie dieser Krise.

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    Denn je stärker der Vorstand im Managen des operativen Geschäfts verstrickt ist (Liquiditätssicherung, Mitarbeitergesundheit und so weiter), desto mehr ist ein unabhängiger und umfassender Blick gefragt.

    Kontrollversagen führt zu Klagen

    In dieser Krise liegt eine einmalige Chance für die Aufsichtsräte, sich zu profilieren, statt sich in Selbstzufriedenheit zu sonnen. Und die sollten sie auch mit dem Mut – nicht der Verzweiflung oder gar der Rechthaberei –, sondern mit dem Mut der Unabhängigkeit und der Expertise nutzen. Sie sollten selbstbewusst ihren Aufgaben nachkommen, das in der Umfrage betonte Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Aufsichtsrat und Vorstand aufgeben – und im Zweifel etwa auch externe Berater und weitere Prüfer hinzuziehen.

    Schließlich Wirecard. Der Fall hat den Finanzstandort Deutschland nicht nur kurzfristig international in ein schlechtes Licht gerückte, er wird die Staatsanwaltschaften und einen Untersuchungsausschuss im Bundestag noch lange beschäftigen. Das Kontrollversagen (der Aufsichtsräte) ist dabei – berechtigt oder nicht – stets in aller Klagemunde.

    Der Fall Wirecard sollte deshalb schon zu einer sehr selbstkritischen Diskussion führen, ob good new Corporate Germany nicht noch besser aufgestellt gehört. Ist nicht vielleicht sogar eine Reform des Aktiengesetzes notwendig, wie es ein Multiaufsichtsrat wie Karl-Ludwig Kley fordert? Sind die Zeiten für stumpfe Schwerter, wie der Kodex mit seinen Empfehlungen eines ist, nicht vorbei? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, wer sollte das besser wissen als die Mandatsträger?

    Mehr: Krisenjahr 2020 – Aufsichtsräte zeigen sich selbstbewusst

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