Kommentar Merkel hat für ihr Meisterstück einen hohen Preis gezahlt

Angela Merkel ist als Bundeskanzlerin vereidigt, sie geht damit in ihre vierte Amtszeit. Doch der Preis, den sie dafür zahlen musste, ist hoch.
30 Kommentare

„Merkels Wiederwahl ist ein Tag für die Geschichtsbücher“

„Merkels Wiederwahl ist ein Tag für die Geschichtsbücher“

Angela Merkel hat sich ihren Platz in den Geschichtsbüchern endgültig gesichert. Sie reiht sich mit ihrer vierten Wahl zur Kanzlerin in die Ahnengalerie der großen CDU-Kanzler ein.

Konrad Adenauer war 14 Jahre im Amt, Helmut Kohl 16 Jahre. Adenauer könnte sie überholen, Kohl zumindest einholen. Ein Signal des Aufbruchs, wie im Koalitionsvertrag versprochen, ist das aber alles nicht.

Merkel hat sich das alles hart erkämpft. Im letzten halben Jahr vollbrachte sie ein machtpolitisches Meisterstück. Während die SPD einen Spitzenpolitiker nach dem anderen verschlissen hat, zog sich Merkel nach einem Kurzzeit-Tief aus der Misere und stellte geduldig eine Bundesregierung auf die Beine. Das ist erst mal eine Leistung.

Der Preis dafür war aber auch hoch. Sie musste ihre Vertrauten Thomas de Maizière, Hermann Gröhe und auch das Amt des Bundesfinanzministers und damit Wolfgang Schäuble opfern. Dann gab sie neben dem Finanzministerium auch noch das Innenministerium an einen der kleineren Koalitionspartner ab. Zum Schluss setzte sie ihre Unterschrift unter einen Koalitionsvertrag, der zu 70 Prozent sozialdemokratisch geprägt ist.

Am Tag der Wiederwahl Merkels fehlt aber vor allem die Fantasie, wie sie einen Aufbruch, wie im Koalitionsvertrag versprochen, hinlegen will. Schon das Wahlergebnis von Merkel zeigt, wie schwer sich die neue Große Koalition tut. Fast drei Dutzend Rebellen stellten sich gegen sie.

Merkel ist pragmatisch – sie wird sich keinen halben Tag damit beschäftigten. Der Widerstand gleich am ersten Tag des versprochenen Neustarts zeigt jedoch, wie wacklig diese Koalition ist. Man muss vor allem befürchten, dass sie sich, wie alle Kanzler in ihrer politischen Endphase, den Niederungen der Innenpolitik entziehen wird.

CSU-Chef Horst Seehofer hat schon von einem „Heimatmuseum Deutschland“ gesprochen. Das mag ein freudscher Versprecher gewesen sein. In einem Heimatmuseum schaut man sich aber gerne in den guten alten Zeiten der Vergangenheit um.

Die Zukunft gewinnt man damit nicht. Gerade für die asiatischen Staaten wirkt Deutschland alt – trotz seiner aktuellen vitalen Wirtschaftskraft.

In Deutschland gibt es keine Anti-Merkel-Stimmung. Doch eine Euphorie in der Bevölkerung über ihre Wiederwahl ist auch nicht zu spüren. Die Bürger geben sich mangels Alternativen damit zufrieden. Sie schätzen ihre Besonnenheit und Erfahrung angesichts der Krisenherde in der Welt. Unter all den Alleinherrschern wirkt Merkel wie die letzte Garantin für Stabilität.

Der Respekt der Bürger vor Merkel liegt aber auch an den mangelnden herausragenden politischen Gegnern. Die SPD ist in den letzten Wochen im Chaos versunken. Innerparteilich sind Merkels Gegner noch zu schwach. So bleibt der Tag ihrer Wiederwahl ein Tag für die Geschichtsbücher.

Der Start war holprig. Gestolpert ist Merkel aber nicht.

Blumen von Weidel und ein Buch von Petry für Angela Merkel
Applaus für die neue und alte Kanzlerin
1 von 19

Das Ergebnis steht fest: Angela Merkel ist zum vierten Mal mit 364 Stimmen zur Bundeskanzlerin gewählt worden. 35 Stimmen fehlen Merkel zu den 399 Stimmen, über die Union und SPD zusammen verfügen.

Volker Kauder
2 von 19

Und schon reihen sich die Gratulanten ein: Vom Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder gab es einen Blumenstrauß...

Andrea Nahles
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...ebenso wie von SPD-Chefin Andrea Nahles und überraschenderweise auch von...

Alice Weidel
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...der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. Auch ihr Parteikollege...

Alexander Gauland
5 von 19

...Alexander Gauland schüttelt der Bundeskanzlerin die Hand. Seine ehemalige Parteikollegin...

Frauke Petry
6 von 19

...Frauke Petry überreichte Angela Merkel nicht nur ihre Glückwünsche, sondern auch ein Buch: „Höhenrausch – die wirklichkeitsleere Welt der Politiker“ von Jürgen Leinemann. Das Buch handelt von der Politikverdrossenheit der Bürger.

Martin Schulz
7 von 19

Faire Geste des Wahlverlierers: Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gratuliert Angela Merkel zum Ergebnis.

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30 Kommentare zu "Kommentar: Merkel hat für ihr Meisterstück einen hohen Preis gezahlt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • die lange Regierungszeit alleine reiht Angela Merkel ganz gewiss nicht in die in die Liste der grossen Kanzler ein, denn dazu gehört auch Land und Leuten nachhaltig Nutzen gebracht zu haben
    Merkel aber hat Diesen weitaus mehr geschadet als genutzt.

    Dutzende Milliarden kostete die Verbraucher planlose Energiewende der Kanzlerin. Dies nur um die Wahlchancen der CDU bei der damaligen Landtagswahl in BW ein wenig zu erhöhen. Die Bundeswehr wurde in einen bejammernswerten Zustand versetzt, No-go-areas sind entstanden und ihre Unfähigkeit in der Flüchtlingskrise mit Vernunft zu reagieren ist ablesbar an ihrem sarkatischem Kommentar "nun sind sie halt mal da"! Dieses exorbitante Versagen an vielen Frontenwird noch lange in die Zukunft wirken und Land und Leute belasten!

    Klar ist dass keine verherige amtierende Person im Kanzleramt diesem Land in der Nachkriegszeit so schweren Schaden zugefügt wie diese Kanzlerin namens Angela Merkel!

  • die lange Regierungszeit alleine reiht Angela Merkel ganz gewiss nicht in die in die Liste der grossen Kanzler ein, denn dazu gehört auch Land und Leuten nachhaltig Nutzen gebracht zu haben
    Merkel aber hat Diesen weitaus mehr geschadet als genutzt.

    Dutzende Milliarden kostete die Verbraucher planlose Energiewende der Kanzlerin. Dies nur um die Wahlchancen der CDU bei der damaligen Landtagswahl in BW ein wenig zu erhöhen. Die Bundeswehr wurde in einen bejammernswerten Zustand versetzt, No-go-areas sind entstanden und ihre Unfähigkeit in der Flüchtlingskrise mit Vernunft zu reagieren, beliess sie es bei dem Satz "nun sind sie halt mal da"! Dieses exorbitante Versagen wird noch lange in die Zukunft Wirkung zeigen!

    Keine Person im Kanzleramt hat diesem Land in der Nachkriegszeit so schweren Schaden zugefügt wie diese Kanzlerin namens Angela Merkel!

  • Nicht Merkel zahlt diesen Preis für ihr "Meisterstück"!

    Diesen Preis zahlen die Leistungsträger in diesem Land.

  • @ Tom Schmidt

    Wissen Sie, Herr Schmidt, was für Sie eine Groko ist, das spielt schlicht und einfach keine Rolle. Wenn die beiden stärksten Fraktionen eine Regierung bilden und dafür über 50% bekommen, dann ist es eine GroKo!

    << An Protestwählern mangelt es offensichtlich auch nicht!!!>>

    So? Es waren 13% plus Sonstige plus Nichtwähler. Das würde ich schon als einen Mangel bezeichnen! Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Die Deutschen haben sich wieder einmal in ihrer Geschichte für den Untergang entschieden.

  • @ Herr Hans Send
    14.03.2018, 15:23 Uhr

    Ich wäre ja auch dafür, dass er seine Pension genießt. Da er aber nun mal als CSU-Parteichef in der Regierung sitzt, wird nicht nur er, sondern auch die CSU an dem gemessen, was von CSU-Politik angebracht werden kann. In den letzten 4 Jahren war das herzlich wenig, was sich im Wahlergebnis bemerkbar gemacht hat. Bei entsprechender Politik bis zum Herbst -wovon leider auszugehen ist- wird es in Bayern für die CSU vermutlich ein Debakel geben.

  • keine Anti-Stimmung?

    Fassen wir das doch mal zusammen: Die GroKo nennt sich völlig zu Unrecht so.

    GroKo ist für mich eine Koalition mit 2/3-Mehrheit. Aktuell haben die 53 % der Stimmen, sagen wir wie es ist: das ist eine ganz normale Koalition! Nix Gro!!!!

    Wenn dieser Niedergang der beiden großen Volksparteien keine Anti-Stimmung ist, was ist denn dann eine Anti-Stimmung? An Protestwählern mangelt es offensichtlich auch nicht!!!

    Noch was: das Stimmenverhältnis zwischen SPD und Union ist zur letzten Wahl praktisch konstant geblieben. Das Angela Merkel irgendwie den Koalitionspartner klein regiert, ist auch völliger Bullshit. Die Union hat sie genauso geschreddert. Und dabei hat bei der vorigen Wahl gar nicht viel zu einer absoluten Mehrheit der Mandate gefehlt...und wo sind die jetzt?

  • Merkel 2018 - 2021

    Der Freifahrtsschein für alle Illegalen und Kriminellen im Land zum "Weiter so" wie bisher.

    Danke

  • Liebes Handelsblatt

    "In Deutschland gibt es keine Anti-Merkel-Stimmung. " - wie kommen Sie darauf, natürlich gibt es die.

    "Die Bürger geben sich mangels Alternativen damit zufrieden."
    wirklich traurig genug, so würde keine erfolgreiche Firma in Deutschland arbeiten.


    "Sie schätzen ihre Besonnenheit und Erfahrung angesichts der Krisenherde in der Welt." -
    stimmt, es war sehr besonnen die europäischen Grenzen für Wirtschaftsflüchtlinge zu öffnen

    "Unter all den Alleinherrschern wirkt Merkel wie die letzte Garantin für Stabilität." - stimmt auch.
    Stabil sind die schlechten Renten, die nicht steigenden Löhne, die hohen Mieten,
    Weniger Stabil die Straßen, Brücken, Schwimmbäder und Schulen.

  • Frau Merkel hat sich zu Lasten des deutschen Mittelstandes über den Tisch ziehen lassen.

    Sogar eine Minderheitsregierung wäre besser gewesen, als das was wir jetzt im Koalitionsvertrag haben.

  • Hallo Herr Koeh,

    "NEEEEE Sie zahlt nicht den Preis, den hohen Preis zahlen wir!"

    ich denke, dass man das in den Qualitätsmedien aus Sicht der Regierung und nicht aus Sicht der Bevölkerung betrachtet.

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