Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Merkel in Afrika – auch Seehofer sollte bald dorthin reisen

In der Hoffnung auf ein besseres Leben flüchten viele Afrikaner nach Europa. Was sie aber brauchen, ist eine Überlebensperspektive vor Ort.
2 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von Macky Sall, dem Präsidenten der Republik Senegal, am Flughafen begrüßt. Quelle: dpa
Kanzlerin Merkel besucht Senegal

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von Macky Sall, dem Präsidenten der Republik Senegal, am Flughafen begrüßt.

(Foto: dpa)

Man wünschte sich, Horst Seehofer würde in nächster Zeit einmal zu einer Afrikareise aufbrechen. Vielleicht geht dann dem CSU-Chef ein Licht auf, dass das Flüchtlingsproblem nicht an der bayerisch-österreichischen Grenze zu lösen ist. Wenn sich in Afrika nicht Bürgergesellschaften mit sozialen Marktwirtschaften entwickeln, werden die Menschen dort nicht bleiben wollen.

Wer bei der Fahrt durch Dakar, der Hauptstadt Senegals, in die vielen sehr jungen Gesichter am Straßenrand blickt, weiß: Abertausende, vielleicht Millionen von ihnen werden aufbrechen, um ihr Glück in Europa und vor allem in Deutschland zu suchen. In Afrika gibt es bislang allein die vage Hoffnung auf ein besseres Leben. Die macht auch vor einem bayerisch-österreichischen Ankerzentrum nicht halt.

Zwar ist der Kanzlerin auf ihrer Reise durch Westafrika bewusst, dass die Massenzuwanderung nach Deutschland nicht mehr von der Bevölkerung akzeptiert wird. In Chemnitz wütet der Mob auf den Straßen, die AfD kommt auf zweistellige Ergebnisse in den Umfragen. Europa selbst ist zerstritten über den Umgang mit den Flüchtlingen.

Merkel ist aber realistisch genug zu erkennen, dass man die Flüchtlingsströme eben nicht allein mit nationalen Maßnahmen, sondern vor allem mit einer gemeinsamen Anstrengung Europas stoppen kann. Es ist allen klar: Die Menschen in Afrika brauchen selbst eine Überlebensperspektive – Arbeitsplätze, wachsende Chancen auf ein wenigstens einfaches Leben.

Nicht nur die Fluchtursachen im Blick

Allein solche Aussichten können den Einwanderungsdruck bremsen. Solange der Lebensstandard zwischen Europa und Afrika so extrem unterschiedlich ist, werden immer Anreize bestehen. Ein Blick ins Smartphone, das in Afrika etliche haben, genügt, um die Sehnsucht nach Europa immer wieder neu zu wecken. Ein bisschen Digitalisierung ist in Afrika angekommen – und das Silicon Valley begreift es auch deshalb als Chancenkontinent.

Alle wissen natürlich, dass der Kontinent für den Westen ein Langzeitprojekt bleibt, selbst wenn die angespannte Lage in den Krisenländern Syrien oder Libyen wieder beruhigt sein wird. Denn auch wenn bescheidener Wohlstand entsteht, ist die Wohlstandskluft doch zu groß, um gerade die jungen Afrikaner zum Bleiben zu bewegen.

Das starke Bevölkerungswachstum frisst zudem alle Wohlstandsgewinne gleich wieder auf. Ein leichter Aufschwung führt zudem dazu, dass die Gelder, die etwa Migranten aus Nigeria von Deutschland in die Heimat zurücküberweisen, höher ausfallen als die westliche Entwicklungshilfe. Mit anderen Worten: Viele afrikanische Länder sehen es also gar nicht so ungern, wenn sich die eigenen Leute auf den Weg nach Europa machen.

Merkel will aber nicht nur Fluchtursachen bekämpfen. Sie sieht in Afrika ähnlich wie die Nerds im Silicon Valley und übrigens auch China große Wirtschaftschancen. Die Zeiten sind längst vorbei, als der frühere Bundespräsident Horst Köhler für seine Thesen vom aufstrebenden Kontinent noch belächelt wurde. Afrika ist in Teilen reich an Rohstoffen. Hier liefert sich Europa schon längt mit China ein Wettrennen um die Zugänge.

Auf dem Kontinent müssen zudem Wohlstandsinseln entstehen, wie etwa in Ghana oder Senegal, die dann auch noch wachsen müssen. Erst dann entsteht eine Win-win-Situation. Die Bevölkerung wird wohlhabender, aber dafür müssen die deutschen Unternehmen stärker investieren. Da ist noch viel Luft nach oben. Von den rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland haben aktuell 800 in Geschäfte in Afrika investiert.

Ein hartes Stück Überzeugungsarbeit

Aber das Geschäft muss sich auch rechnen. Deshalb gehen die Firmen nur ins Risiko, wenn die Investitionsbedingungen stimmen, also der Kampf gegen die teils grassierende Korruption und die überbordende Verwaltung gewonnen wird. Die fehlende Infrastruktur birgt zwar viele Chancen für die deutschen Unternehmen, steckt aber auch voller Risiken.

Die Gefahr ist nicht gering, dass Deutschland und Europa im Wettbewerb um Afrika bereits das Nachsehen haben. Seit geraumer Zeit ködert China afrikanische Staaten mit scheinbar extrem lukrativen Krediten, die nicht nur zu hohen Investitionen in die Infrastruktur der Länder führen, sondern auch dazu dienen, diese Staaten langfristig an China zu binden und damit dem Westen zu entfremden.

Man kann Merkel viel vorwerfen, aber diese Dinge durchdringt sie wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker in Europa. Der Reise nach Afrika kommt deshalb mehr als eine große Symbolik zu. Doch es müssen Taten folgen. Es gibt bereits einige afrikabegeisterte Unternehmer, aber es sind noch viel zu wenig.

Hier hat die Bundesregierung noch ein hartes Stück Überzeugungsarbeit vor sich. Zwar hat Berlin inzwischen drei Strategien aufgelegt. Die müssen nun mit Leben gefüllt werden und dürfen kein Eigenleben führen, sonst verschwinden sie wie so viele Initiativen für Afrika zuvor.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Merkel in Afrika – auch Seehofer sollte bald dorthin reisen

2 Kommentare zu "Kommentar: Merkel in Afrika – auch Seehofer sollte bald dorthin reisen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nun aber im Ernst: Immerhin hat der Autor es vermieden, Europa fuer die Misere verantwort-
    lich zu machen, weil es den Afrikanern die Rohstoffe stielt und Haehnfluegel liefert. Kein
    Politiker hat den Mut ein Grundproblem, das im Artikel vage erwaehnt wird, anzusprechen,
    naemlich die Bevoelkerungsexplosion. Hier muss etwas passieren. China ging es schlimmer
    als den Afrikanern, die haben es gedreht. Darueber hinaus muss die Selbstverantwortung
    betont werden. Gegen die Landflucht hilft nur Abschottung Europas, so wenig politisch
    korrekt das klingen mag. In der Praxis: Wie wird Europa aussehen, wenn wir 200 Mio.
    Afrikaner aufnehmen. Dann ist aber immer noch die grosse Mehrzahl der Afrikaner zuhause, und es wird ihnen deshalb nicht besser gehen. Scholl-Latour schrieb vor Jahren,
    wenn wir die Haelfte der Bewohner aus Bangla-Desh aufnehmen, wird Europa zu Bangla-
    Desh und Bangla-Desh bleibt Bangla-Desh. Scholl-Latour, den ich persoenlich zu kennen
    den Vorzug hatte, war bestimmt kein Rechtsradikaler und man muss nicht Einstein sein,
    um zu diesem Schluss zu kommen.

  • Seit wann ist Deutschland fuer die Ueberlebensperspektive der Afrikaner verantwortlich?
    Und falls ja, faellt das in die Verantwortung des Innenministeriums? Vielleicht war das so,
    als der Kilimandscharo der hoechste Berg Deutschlands war.

Serviceangebote