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Kommentar Merkel und die „Zombie“-Koalition

Die renommierte „New York Times“ fällt ein vernichtendes Urteil über Angela Merkels Große Koalition – und beschreibt die Lage weitgehend treffend.
5 Kommentare
Die Kanzlerin wirkte in den vergangenen Wochen häufig entrückt. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Kanzlerin wirkte in den vergangenen Wochen häufig entrückt.

(Foto: dpa)

Für die „New York Times“ war Bundeskanzlerin Angela Merkel lange Zeit eine Heldin. Nach dem Abgang von US-Präsident Barack Obama würdigte sie Merkel als „letzte Verteidigerin des freien Westens“. Jetzt senkt die liberale Zeitung die Daumen und bescheinigt in einer aktuellen Analyse Merkel, eine „Zombie-Koalition“ anzuführen.

Die „New York Times“ macht ihr Urteil vor allem an der deutschen Außen- und Europapolitik fest. Hierzulande steht natürlich die Innenpolitik im Zentrum. Da wirkt Merkel seltsam entrückt. Zur Thüringen-Wahl, die für viele Beobachter eine historische Zäsur darstellte, hat sich die Kanzlerin bis heute nicht offiziell zu Wort gemeldet, obwohl dort die etablierten Parteien zusammen keine Mehrheit mehr haben.

Im Streit über die Grundrente lässt sie die Dinge genauso laufen wie bei dem Streit der beiden Saarländer Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich öffentlich über die Frage einer Schutzzone für Nordsyrien zerlegt haben. Die Kanzlerin lässt das professionell an sich abperlen.

Aber sie ordnet nichts mehr ein, gibt keine Impulse, wirkt geradezu ideenlos. Dazu passt auch, dass sie immer seltener Interviews gibt und sich öffentlich immer mehr abkapselt. Begründet wird das aus ihrem Umfeld damit, dass sie der neuen CDU-Vorsitzenden Platz lassen möchte. Früher wurden aber noch Townhall-Meetings oder Ähnliches aus dem Kanzleramt organsiert. Heute hat man nicht mehr den Eindruck, dass Merkel dem Volk noch den Puls fühlen möchte.

Dieser blutleere Zustand ruft viele einstige Kritiker auf den Plan, die offensichtlich auch die Zeit für Rache gekommen sehen. Den Anfang machte Friedrich Merz, der von einer „grottenschlechten“ Bundesregierung sprach. Jetzt legt Norbert Röttgen nach, der früher mal als „Muttis Klügster“ galt und dann in Ungnade fiel.

Er spricht von einem Totalausfall in der Außenpolitik. Die Kritik könnte man als Querulantentum abtun, aber sie trifft den Zustand von Merkels Koalition ins Mark. Während Merz von einem „Nebelteppich“ sprach, analysierte Vizekanzler Olaf Scholz in einer dialektischen Meisterleistung einen „Mehltau“, der sich natürlich nicht wegen seiner SPD, sondern wegen der Untätigkeit der Union übers Land lege.

In der CDU und CSU ist das vielen bewusst, auch denen, die noch vor einer Personaldebatte zurückschrecken. Größtenteils haben sie nur den Stil und nicht die Inhalte kritisiert.

Es war jedoch nicht die russische „Prawda“, die von außen so fassungslos auf die deutsche Regierung schaut. Zur Einschätzung der Deutschland durchaus gewogenen „New York Times“ haben sicherlich auch die Führungsdebatten in der Koalition beigetragen, denen Merkel tatenlos zuschauen muss. Die „New York Times“ fasst den Zustand der Koalition so zusammen: „Die Bundesregierung ist gelähmt, gefangen in einer zerstrittenen Zombie-Koalition, handlungsunfähig und nicht bereit zu sterben.“

Mehr: Die CDU streitet um das Erbe Angela Merkels. Friedrich Merz meldet sich wieder zu Wort und stellt der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Merkel und die „Zombie“-Koalition"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • - Korrektur -

    Der Link zu dem Trump-Zitat ist falsch:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2019/10/22/trump-als-hoffnungstraeger/

  • - Forsetzung 2 -

    Dummerweise wird das aber ausgerechnet von Trump bestätigt und nicht etwa von dem "guten" Friedensnobelpreisträger.
    Mit Merkel ist daher auch keine Verbesserung der Beziehungen zu den USA zu erwarten - und gerade hier ist eben ein Friedrich Merz die beste Wahl:
    "Friedrich Merz fiel die Rolle zu, die alte Steigerung Feind – Erzfeind – Parteifreund mit frischem Leben zu füllen und Merkel mit offenem Visier anzugreifen. Den einst von der Kanzlerin kaltgestellten früheren CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden dürfte diese Attacke keinerlei Überwindung gekostet haben. Nach dem Motto „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ wird er bei Merkels Demontage nun wohl genau jene Schlüsselrolle spielen, die sie seinerzeit bei seiner vorübergehenden Ausrangierung übernahm. Dass Merz ohnehin der einzige in der CDU ist, der das Standing hat, um Merkel zu stürzen, und zusätzlich über die (transatlantische) Vernetzung für das Kanzleramt verfügt, dürfte den meisten bewusst sein."
    https://www.smartinvestor.de/2019/10/30/siw-44-das-blaue-vom-himmel/

  • - Fortsetzung 1 -

    Trump möchte nun jedoch die endlosen Kriege, die die US-Supremacy-Eliten führen ließen, um "die einzige Weltmacht" zu bleiben (= Brzeziński-Doktrin) beenden. Die Merkel-Regierung samt der deutschen "Links"-Elite unterstützte tatsächlich jedoch weiterhin die amerikanischen Kriegstreiber - siehe insbesondere auch den "Ukraine-Konflikt", wo etwa der kriegshetzerische linke Spiegel den Dritten Weltkrieg gegen Putin beginnen wollte (wobei sich dessen "intellektuelle" Redakteure aber selbstverständlich nicht selbst abschlachten lassen wollten).
    Es ist daher auch absolut bezeichnend und zugleich erbärmlich für die deutschen Systemmedien, eine der wichtigsten Äußerungen, die in den letzten Jahrzehnten von einem US-Präsidenten gemacht wurden, nahezu vollständig zu verschweigen:
    "„Die Vereinigten Staaten haben acht Billionen Dollar für den Kampf und die Polizeiarbeit im Nahen Osten ausgegeben. Tausende unserer großen Soldaten sind gestorben oder schwer verletzt worden. Millionen von Menschen sind auf der anderen Seite gestorben. IN DEN NAHEN OSTEN ZU GEHEN IST DIE SCHLECHTESTE ENTSCHEIDUNG, DIE JE IN DER GESCHICHTE UNSERES LANDES GETROFFEN WURDE! Wir zogen unter einer falschen und jetzt widerlegten Prämisse in den Krieg, WEAPONS OF MASS DESTRUCTION (MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN). Es gab KEINE! Jetzt bringen wir langsam und vorsichtig unsere großartigen Soldaten und das Militär nach Hause.“
    Was macht diese Botschaft so einmalig? Ein amerikanischer Präsident gibt zu, dass eine mit einer Lüge begründete Intervention Millionen Tote gefordert habe.
    Dieses sensationelle Geständnis hat so gut wie gar keinen Widerhall in den Medien gefunden."
    https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-merkel-und-die-zombie-koalition/25186538.html
    Dabei handelt es sich hier um nichts anderes als um die Bestätigung dessen, was gerade die anti-amerikanschen Linken schon immer gemutmaßt haben!!

  • Immer daran denken: ein Volk hat immer genau die Regierung, die es verdient!
    Und dementsprechend hat nicht nur die Merkel-Regierung, sondern die Mehrheit der Deutschen (die natürlich aber auch durch jahrzehntelange Propaganda der deutschen "Intellektuellen" und "Eliten" entsprechend indoktriniert wurde) etwas "geschafft", was zuletzt dem GröFaZ "gelungen" ist: es sich nämlich sowohl mit der russischen als auch mit der amerikanischen Regierung komplett zu verscherzen!
    Was Russland betrifft, konnte sich die Merkel-Regierung hier noch sowohl der Unterstützung der deutschen Links-"Elite", die Nationalstaaten und Vöker mit konservativen Werten hasst wie der Teufel das Weihwasser, als auch der US-Supremacy-"Elite" sicher sein, für die enge eurasische Beziehungen zwischen Deutschland und Russland (wie sie bereits Bismarck anstrebte) ein absoluter Alptraum wäre. Wenn ein Land die benötigten Rohstoffe besitzt und das andere (noch!!) die begehrten Endprodukte herstellt, dann sind sie nun einmal die idealen Handelspartner:
    "Die Zukunft – für die Länder der Europäischen Union als auch für einen Großteil der Welt – liegt in der Zukunft der Völker oder Länder Eurasiens. Im Moment sind die europäischen Eliten klinisch schizophren: die eine Hälfte ihrer Anhänglichkeit klammert sich immer noch verzweifelt an das Atlantik-Bündnis mit den Vereinigten Staaten, die andere Hälfte ihrer Vernunft erkennt rational an, dass die Zukunft im Osten liegt – ob es Russland ist, ob es China ist, ob es die zahlreichen Ländern dazwischen in Zentralasien, im Nahen Osten sowie Teile von Afrika sind.
    Europa hat jedes Potenzial, jede Möglichkeit und jede Ressource, um eine wirtschaftliche Renaissance zu schaffen, wie die Welt sie noch nie gesehen hat. Wenn die Europäer ihren Wagen weiter an den NATO-amerikanischen Stern orientieren, dann sind die Aussichten für Europa in der Tat düster."
    https://www.larsschall.com/2011/03/30/wir-sind-inmitten-einer-epochalen-tektonischen-verschiebung-%E2%80%93-teil-2/

  • Gute Analyse der New York Times. Unterstütze ich voll.