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Kommentar Merkels Rückzug verursacht einen Kollateralschaden bei Macron

Seit Merkels Teilrückzug von der Macht muss Emmanuel Macron sich Gedanken über die Perspektive Europas ohne die Kanzlerin machen. Die ist düster.
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Macron möchte Reformen in Europa vorantreiben. Doch mit einer geschwächten Merkel wird das schwierig. Quelle: Reuters
Angela Merkel und Emmanuel Macron

Macron möchte Reformen in Europa vorantreiben. Doch mit einer geschwächten Merkel wird das schwierig.

(Foto: Reuters)

Noch vor einer Woche schimpfte Emmanuel Macron auf Angela Merkel: „Reine Demagogie“ warf der Präsident der Kanzlerin vor, weil sie Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien suspendieren will. Ein politischer Ausrutscher, wie er selten vorkommt.

Gerne ließ er in den vergangenen Monaten seinen Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire in Richtung Berlin wettern, die Bundesregierung müsse sich endlich schneller bewegen bei der Festigung der Euro-Zone.

Heute dürfte der Präsident sich auf die Zunge beißen. Seit Merkels Teilrückzug von der Macht muss er sich Gedanken machen über die Perspektive eines Europas ohne die Kanzlerin. Die ist düster. Der Präsident kann keinen der als Nachfolger gehandelten Kandidaten einschätzen. Allein die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kennt er ein wenig.

Gravierender ist das politische Vakuum. Denn egal, wie es weitergeht in Deutschland, ob mit einer geschwächten Merkel, einem Wechsel im Kanzleramt oder Neuwahlen: Wenn die Bundespolitik in eine Phase der Selbstfindung taumelt, fällt Deutschland europapolitisch aus. Die Neugründung Europas, die Macron beharrlich verfolgt, wird sich zumindest weiter verzögern.

Zu Recht hatte Macron eine raschere Reaktion aus Berlin auf seine Anregungen für Europa erwartet. Dabei hat er allerdings zuletzt übersehen: Merkel ist keine Visionärin, aber an ihrer proeuropäischen Grundhaltung hat niemand Zweifel, auch nicht in Frankreich.

Sie ist im Nachbarland beliebt, weil sie für die Franzosen Wohlstand, Stabilität und Freiheit von Skandalen verkörpert. Damit ist sie eine Art Festung gegen alle Populisten von links und rechts.

Müsste Macron in naher Zukunft ohne Merkel auskommen, wäre das aus mehreren weiteren Gründen für ihn kompliziert. Er hat fast keine Bündnispartner in der EU außer Deutschland. Sein Verhältnis zu Italien ist ruiniert. Die Osteuropäer hat Frankreich praktisch immer vernachlässigt. Macron hat viele von ihnen direkt gegen sich aufgebracht: weil er ihre Chancen einschränken will, in Westeuropa zu arbeiten.

Seine Beziehungen zu allen kleineren EU-Ländern, die erschreckt ans Portemonnaie greifen, wenn sie aus Frankreich das Wort „Solidarität“ hören, ist schwierig. Das ist schon fast eine Beschönigung. In den meisten dieser Fälle ist Merkel die Brücke zu Partnern, die der Präsident alleine kaum erreicht.

Wenn es gut geht, bleibt Merkel ihm noch erhalten. Doch auf jeden Fall muss Macron dazulernen. Es reicht nicht, gute Reden zu halten. Danach muss das beharrliche Werben für Vorschläge kommen, die für alle akzeptabel sind. Die Arbeit kann er nicht auslagern an eine Bundesregierung, die sich rascher bewegen soll.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Merkels Rückzug verursacht einen Kollateralschaden bei Macron"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der alte, deutsche "Goldesel" wird lahm werden und nicht pausenlos Geld ..........

    Je früher man sich in der EU damit abfindet, desto einfacher wird es,
    Nicht vergessen wollen wir auch Polen, Ungarn, Italien und Griechenland.

  • Die Vorschläge von Macron in der EU sind keine Visionen, sondern dienen einzig und alleine dazu, die Kosten einer verfehlten französischen Wirtschaftspolitik von den Europäern sich bezahlen zu lassen.

    Frankreich hat bei der Neuverschuldung die letzten 10 Jahre die Defizitgrenze überschritten, die Gesamtverschuldung liegt bei ca. 100% des BIP also auch deutlich darüber. Warum aber Frankreich in der EU gegen Italien hetzt das mit 2,4% unter der Defizitgrenze liegt ist die Angst um die eigenen maroden Banken.

    Eine europäische Arbeitslosenversicherung kann kein vernünftiger Mensch mittragen. Warum soll ein deutscher Arbeitnehmer Arbeitslosenbeiträge für ein anderes EU-Land zahlen???
    Wer schafft es einheitliche Regeln zu schaffen für den Bezug der EU-Arbeitslosenversicherung, wer überwacht die Einhaltung der Regeln und verhindert eine willkürliche Auslegung dieser??? Das alles funktioniert ja heute schon nicht. Aber der Gedanke von Macron ist, wenn das Geld ausgeht hat Deutschland einfach ein paar Milliarden Euro zu überweisen.
    So geht die EU sicher unter und zu Recht.

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