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Kommentar Milliarden für 5G-Ausbau: Die Mobilfunkunternehmen müssen jetzt liefern

Die 5G-Auktion ist zu Ende. Netzbetreiber und Industrie müssen nun sicherstellen, dass Deutschland beim neuen Mobilfunk nicht zurückfällt.
Update: 13.06.2019 - 17:42 Uhr 1 Kommentar

5G-Frequenzauktion beschert Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro

Nach zwölf langen Wochen ist die 5G-Auktion endlich vorbei. Damit kann der Ausbau des Echtzeitmobilfunks in Deutschland beginnen. Nun müssen die Netzbetreiber die Karten auf den Tisch legen. Die Deutsche Telekom ist in der Poleposition. Sie hat das beste Netz in Deutschland. Und vor allem hat sie schon mehr als 80 Prozent ihrer Antennenstandorte mit Glasfaser angeschlossen.

Das ist wichtig. Denn nur dann ist genug Leistung an den Sendemasten, damit sie auch die nötigen Fähigkeiten für die Aufrüstung auf 5G mitbringen können. Vodafone und Telefónica haben bislang deutlich weniger als die Hälfte ihrer Standorte mit Glasfaser-Technik ausgestattet.

Das wird sich nun rächen. Baukapazitäten sind in Deutschland knapp. Es wird nicht einfach sein, den dringend benötigten Modernisierungsschub schnell voranzubringen. An dieser Stelle zeigt sich auch das Manko von Netzbetreibern, die zwar in Deutschland aktiv sind, deren Firmenzentralen jedoch im Ausland sitzen. Vodafone muss auf eine Freigabe aus London warten, um konkrete Ankündigungen für den Netzausbau zu machen. Bei Telefónica sitzen die wahren Chefs in Madrid.

Die Deutsche Telekom kann hingegen den Kurs für den Netzausbau direkt in der Konzernzentrale in Bonn abstimmen. Entsprechend zukunftsgewandt tritt Deutschlandchef Dirk Wössner auf. Er kann an das Versprechen der Telekom anknüpfen, bis zum Jahr 2025 rund 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G zu versorgen. Von Vodafone und Telefónica gibt es noch nicht viel Konkretes zu ihren genauen Ausbauplänen. Vodafone spricht zwar immerhin von 20 Millionen Menschen, die sie bis 2021 mit 5G versorgen wollen. Die Telekom ist mit ihren Plänen trotzdem deutlich weiter.

Besonders Telefónica Deutschland steht unter Druck. Erst vor drei Wochen hatte das Unternehmen für das vergangene Jahr eine üppige Dividende beschlossen. 803 Millionen Euro schüttete die deutsche Tochter des spanischen Konzerns aus – und das, obwohl sie gleichzeitig einen Verlust in Höhe von 230 Millionen Euro bekanntgegeben hatte.

Das Geld floss an die Zentrale in Spanien, die über eine Holding fast 70 Prozent der Anteile an Telefónica Deutschland hält. Es ist unklar, ob das Konzernmanagement in Madrid bereit ist, wieder mehr Geld zurückzuschießen, um den teuren Ausbau von 5G zu finanzieren. Klar aber ist: Wer auf dem deutschen Mobilfunkmarkt bestehen will, der muss ausbauen. Auf diese Herausforderung will sich auch ein neuer Spieler einlassen.

Ralph Dommermuth, der Gründer von United Internet, hat sich über die Tochterfirma 1&1 Drillisch an der Auktion beteiligt und Frequenzen ersteigert. Jetzt muss er ein eigenes Netz errichten. Dommermuth kann dafür auf die Glasfaser-Infrastruktur seiner Tochterfirma 1&1 Versatel zurückgreifen. Zudem sichert ihm eine Auflage der EU-Kommission einen Zugang zum Netz der Telefónica in Deutschland.

Ob er diesen Zugang auch weiter nutzen darf, wenn er selbst zum Netzbetreiber aufsteigt, werden wohl Gerichte entscheiden müssen. Telefónica sagt Nein. Dommermuth ist hingegen überzeugt, dass der Zugang von den bestehenden Regeln gedeckt ist. Mit Dommermuth als neuem Spieler wird sich der Markt grundlegend verändern.

Zukunft von 5G gehört auch der Industrie

Monatelang hatten die etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica bezweifelt, dass es ihm ernst ist, wirklich mitzubieten und später ein eigenes Netz zu errichten. Jetzt spricht alles dafür, dass er die Kritik widerlegt hat. Die Telekom geht pragmatisch mit der neuen Lage um. Deutschlandchef Wössner streckte bereits eine Hand zu Dommermuth aus. Die Telekom sei bereit, Antennenstandorte im ländlichen Raum zu teilen, auch mit 1&1. Telefónica scheint nicht so entspannt auf den neuen Rivalen zu blicken.

Die Zukunft von 5G liegt aber nicht nur in der Hand der Netzbetreiber. Deutschland geht bei der Vergabe einen Sonderweg und hat auch Frequenzen für die Industrie reserviert. Lobbyisten von Volkswagen, Siemens und BMW hatten argumentiert, dass sie unbedingt lokale Netze unabhängig von den Mobilfunkbetreibern errichten müssten. Dieser Forderung ist Berlin nachgekommen.

Jetzt müssen die Firmen aber auch zeigen, dass sie es ernst meinen. Das reservierte Spektrum fehlt für den allgemeinen Netzausbau. Es wird daher länger dauern und teurer werden, 5G möglichst flächendeckend verfügbar zu machen. Die Industriekonzerne müssen nun beweisen, dass ihre Vorhaben es wert sind, dass kostbare Frequenzen für sie zurückgestellt wurden.

Es wäre eine Schande, wenn sich in ein bis zwei Jahren herausstellt, dass die Frequenzen gar nicht genutzt werden. Deutschland braucht 5G. Netzbetreiber und Industrie müssen schnell erklären, wie sie den Netzausbau voranbringen wollen. Die Telekom ist vorgeprescht. Jetzt müssen die anderen nachziehen. Es darf nicht sein, dass Deutschland bei dieser Schlüsseltechnologie zurückfällt. Deshalb ist es so wichtig, dass jetzt alle mit anpacken.


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1 Kommentar zu "Kommentar: Milliarden für 5G-Ausbau: Die Mobilfunkunternehmen müssen jetzt liefern"

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  • Wie läuft eine solche Versteigerung ab? Eine Frage die sich sicher viele Leser stellen.
    Einen Artikel wäre es daher wert.

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