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Kommentar Minuszinsen ab dem ersten Euro sind eine riskante Strategie

Einige Banken haben die Freibeträge bei der Berechnung von Strafzinsen weit gesenkt. Die Gefahr ist, dass sie vermögende Kunden komplett abschrecken.
04.10.2020 - 15:26 Uhr Kommentieren
Einige Banken berechnen Strafzinsen ab 10.000 Euro oder sogar ab dem ersten Euro. Quelle: imago/Christian Ohde
Minuszinsen

Einige Banken berechnen Strafzinsen ab 10.000 Euro oder sogar ab dem ersten Euro.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Frankfurt Es ist vier Jahre her, dass bekannt wurde, dass erste Banken Strafzinsen auf hohe Einlagen reicher Privatkunden veranschlagen. Seitdem ist die Zahl der Geldhäuser, die Minuszinsen bei Tagesgeld- oder Girokonten ansetzen, deutlich gestiegen. In der Regel liegt der Strafzins bei 0,5 Prozent – so viel stellt auch die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken für das Parken kurzfristiger Liquidität in Rechnung.

Die Geldhäuser wollen sich daher vor einem großen Zustrom neuer Einlagen schützen, meist eben über Strafzinsen oder eine Extragebühr für Einlagen. Klar ist: Die Banken müssen sich entweder mit bestehenden Kunden auf die Erhebung von Strafzinsen einigen. Bisher trifft das auf Firmenkunden sowie auf sehr vermögende Privatkunden zu. Oder die Geldhäuser dürfen den zuvor festgelegten Minuszins nur Neukunden in Rechnung stellen.

Genau das machen immer mehr Banken. Und die Freibeträge sinken vielerorts, auf 100.000 Euro und weit darunter. Etliche Kreditinstitute, vorwiegend kleine Genossenschaftsbanken, verlangen bei Tagesgeld oder Girokonten bereits ab 10.000 Euro an Einlagen oder sogar ab dem ersten Euro ein „Verwahrentgelt“ von Neukunden. Man kann davon ausgehen, dass weitere Geldhäuser, auch große, mit Strafzinsen für neue Konten folgen. Die Commerzbank etwa berechnet neuerdings Negativzinsen ab 100.000 Euro, die ING liebäugelt mit Minuszinsen für neue Konten.

Die Strafzinsen für Neukunden sind also eine Art „Abwehrkondition“. Womöglich hat ein Wettbewerber oder ein benachbartes Kreditinstitut gerade begonnen, mit vermögenden Kunden individuell über Minuszinsen zu sprechen – und einige dieser Kunden könnten Geld abziehen und bei anderen Banken deponieren.

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    Das Vorgehen ist verständlich, aber auch riskant. Es kommt einer Ausladung potenzieller Kunden gleich. Wenn der Freibetrag 10.000 Euro oder 100.000 Euro beträgt, besteht die Gefahr, dass diese Banken vermögende Neukunden abschrecken, also Kunden, die neben kurzfristigen Einlagen noch weitere Geschäfte mit den Geldhäusern tätigen könnten. Das ist deshalb kritisch für Kreditinstitute, weil letztlich die ganze Branche mehr Reiche bedienen möchte.

    Eigentlich buhlen alle um genau diese Klientel. Wer vermögend ist, hat schließlich meist auch mehr Anlagebedarf und kauft womöglich weitere Immobilien. Das sind Geschäfte, mit denen Banken anders als mit dem Zahlungsverkehr höhere Margen erzielen und mehr Geld verdienen können. Diesen Kundenstamm sollte man eigentlich nicht abschrecken.

    Mehr: Alternativen gesucht: So wehren sich Sparer erfolgreich gegen Strafzinsen auf dem Konto

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