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KommentarMit dem Impfpass-Auftrag an IBM gibt Deutschland ein Stück digitale Kompetenz auf

Deutschland hat sich den Aufbruch ins Informationszeitalter auf die Fahne geschrieben. Doch dafür braucht es Aufträge aus öffentlicher Hand an heimische Unternehmen.Thomas Jahn 09.03.2021 - 16:48 Uhr Artikel anhören

Corona dürfte der Grund sein, warum mit einiger Hast der digitale Impfpass vorangetrieben wird.

Foto: dpa

IBM soll den digitalen Impfpass in Deutschland entwickeln. Die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums ist verständlich, schließlich ist IBM ein verlässlicher und technisch versierter Anbieter.

Das könnte man aber auch vom Mitbewerber Deutsche Telekom sagen. Die digitale Kompetenz des Konzerns ist besser als man denkt. So konnten die Bonner bei der Corona-App technisch überzeugen, die man zusammen mit SAP entwickelte. Aber die Telekom geht leer aus.

Wirtschaftlich ist der entgangene Auftrag für die Telekom zunächst kein großer Verlust, das Auftragsvolumen hält sich schließlich in Grenzen. Trotzdem ist der Auftrag ein echter Erfolg für IBM. Das Unternehmen gewinnt ein Prestigeprojekt mit großer gesellschaftlicher Relevanz – und sicherlich einigen Folgeaufträgen.

Der Impfpass spielt aufgrund von Corona für die Menschen eine wichtige Rolle. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Politik könnte der Pass eine Art Freifahrtschein werden, mit dem die gegen Covid-19 geimpften Besitzer beispielsweise in bestimmte Länder reisen können.

Dass mit Bechtle und Ubirch und der IT-Genossenschaft govdigital drei kleinere deutsche Anbieter mit IBM zusammenarbeiten, ändert die Sache im Kern nicht. Es kommt ein US-Konzern zum Zug. Dabei will man doch in Deutschland digitale Kompetenzen aufbauen.

Digitalisierung: Ohne Ei keine Henne

Es ist ein Beispiel unter vielen: In Sachen Zukunft läuft ohne Amerika oft nicht viel in Deutschland. Ob beim Quantencomputer oder der europäischen Cloud GaiaX – die deutschen Konzerne kommen bei vielen wichtigen Zukunftstechnologien und digitalen Projekten nicht wirklich in Fahrt.

Das Problem ist vielschichtig. Es gibt in Deutschland mit Ausnahme von SAP keinen rein digital ausgerichteten IT-Konzern. Aufträge der öffentlichen Hand könnten das ändern. Aber bei solchen Vorhaben stehen andere Überlegungen wie Schnelligkeit oder Verlässlichkeit stärker im Vordergrund.

Jeder kennt die Henne-Ei-Frage: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Die Antwort ist gar nicht so schwer, wie manche meinen. Natürlich das Ei, wie einem jeder Evolutionstheoretiker erklären wird. Gut gefüttert wandelt sich das Küken einer Vorgänger-Art in die erste Henne.

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Ähnlich geht es in der Wirtschaft: Ohne kleine Firmen und Start-ups wird es keine großen Unternehmen geben. Vorausgesetzt, sie werden unterstützt, erhalten Aufträge – auch von öffentlicher Seite.

Corona dürfte der Grund sein, warum mit einiger Hast der digitale Impfpass vorangetrieben wird. Aber mit der Vergabe an IBM wird ein Stück digitale Kompetenz aufgegeben, das vielleicht in Deutschland hätte bleiben können.

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