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Kommentar Mit dem Rauswurf deutscher Journalisten schadet die Türkei sich selbst

Mit der Behinderung der Arbeit deutscher Auslandskorrespondenten hat Ankara den Burgfrieden zwischen Berlin und Ankara mit einem Schlag zerstört.
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Warum eine Rezession in der Türkei unausweichlich ist

Pressefreiheit ist so wichtig wie der Auftrag, den Journalisten damit verbinden: die Wahrheit rauszufinden. Beide Begriffe, Pressefreiheit und Wahrheit, haben noch etwas gemeinsam: Es gibt sie – oder es gibt sie nicht. „Ein bisschen Wahrheit“ existiert ebenso wenig wie eine „halbe Pressefreiheit“.

Die türkische Regierung hat, was das angeht, ein Experiment mit ungewissem Ausgang gewagt. Das türkische Presseamt, das dem Präsidenten unterstellt ist, hat zwei deutschen Journalisten für das Jahr 2019 keine Arbeitsgenehmigung erteilt. Andere Redakteure dürfen bleiben.

Die Betroffenen sind ein Korrespondent des Fernsehsenders ZDF sowie ein Journalist des „Tagesspiegels“. Beide mussten am Sonntag das Land verlassen. Eine Begründung für den De-facto-Rauswurf wurde nicht genannt. Bundesaußenminister Maas, der sich in den vergangenen Monaten mit allzu kritischen Äußerungen zur Türkei zurückgehalten hatte, ließ umgehend die Reisehinweise für das Land verschärfen.

Ankara hat den Burgfrieden zwischen Berlin und Ankara mit einem Schlag zerstört. Drei Wochen vor den Kommunalwahlen in der Türkei flammt der Streit zwischen Berlin und Ankara neu auf. Jeder weiß, wie er weitergeht: Beide Seiten sehen sich selbst im Recht, keine Seite gibt nach, am Ende nützt es niemandem.

Weitreichender sind die Folgen für die Türkei selbst. Das Land will sich nach einer schrecklichen Terrorserie, einem Putschversuch und einem Umbau der Verfassung wieder als offenes und lukratives Land präsentieren. Investoren, Touristen und Unternehmer sollen zurückkommen und viel Geld mitbringen.

Unterdessen sinkt die Unterstützung für die Regierungspartei AKP, die Wirtschaft schlittert in eine Rezession. Einige unliebsame Oppositionelle werden mit fadenscheinigen Argumenten hinter Gitter gebracht. Das sind keine Einfälle einzelner kritischer Journalisten. Sondern Fakten.

Es gibt aber auch gute Nachrichten aus dem Land. Die Türkei schneidet sich deshalb ins eigene Fleisch. Wenn sich nämlich deutsche Mittelständler nicht mehr so umfassend wie bisher über gute Standortbedingungen in der Türkei informieren können, dann bauen sie neue Werk möglicherweise in Osteuropa oder Asien. Etwa der Weltkonzern Volkswagen, der für ein neues Werk zwischen der Türkei und dem Balkan schwankt. Deutsche Touristen, die nicht mehr lesen, dass türkische Hotels wegen der schwachen Lira ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, fliegen nach Griechenland. Es sind Journalisten, die diese Nachrichten übermitteln.

Will die Türkei eine Aussöhnung mit den Partnern im Westen, muss sie sich öffnen. Und sich trauen, kritische Berichterstattung zuzulassen. Auch im eigenen Land. Ohne Journalisten ist der Schaden noch größer.

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