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Eine Autowerkstatt

Automobilkonzerne sind dem EuGH zufolge nicht dazu verpflichtet, unabhängigen Werkstätten Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen in elektronisch weiterzuverarbeitender Form zu gewähren.

(Foto: dpa)

Kommentar Mit dem Urteil zu Autoersatzteilen blendet der EuGH die Realität aus

Mit Ersatzteilen verdienen Autohersteller oft besser als mit der Produktion. Informationen zu Wartung und Reparatur müssen sie nicht weitergeben. Das ist falsch.
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Der Automobilindustrie drohen schwere Zeiten. Wenn überall in der Welt die Verkaufszahlen zurückgehen, dann kündigen sich schnell die ersten Sparprogramme an. In einer solchen Situation hilft es natürlich, wenn es dann noch den einen oder anderen Bereich gibt, der stattliche Erträge abwirft.

Das Ersatzteilgeschäft ist einer dieser hochlukrativen Bereiche. Genaue Zahlen nennt zwar kein Autohersteller. Volkswagen hat zuletzt angedeutet, dass die Rendite deutlich zweistellig ist. Bei den meisten anderen Autoherstellern dürfte es ähnlich sein: Mit den Ersatzteilen lässt es sich besser verdienen als mit der Autoproduktion.

Die Renditen sind aber nur deshalb so hoch, weil freie Teilehändler in ihren Aktionsmöglichkeiten beschränkt sind. Die Autohersteller könnten den freien Händlern einen umfassenderen Zugang zu ihren Daten gewähren, damit auch die nicht markengebundenen Händler das richtige und passende Ersatzteil in kurzer Zeit liefern können.

Doch genau diesen umfassenden Zugang zu ihren Datenbanken geben die Autohersteller nicht. Deshalb haben die freien Händler geklagt, sie wollten die Hersteller per Gerichtsbeschluss zu einer Verhaltensänderung zwingen.

Indessen sehen die Richter des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) keine Notwendigkeit, dass die Autohersteller zu irgendetwas gezwungen werden. Aus ihrer Sicht gibt es kein Ungleichgewicht zwischen dem markengebundenen und dem freien Ersatzteilgeschäft, der Wettbewerb funktioniere.

Der EuGH hat also eine Ausweitung des Zugriffs auf elektronische Ersatzteilinformationen von Autoherstellern durch freie Werkstätten abgelehnt. Automobilkonzerne seien nicht dazu verpflichtet, unabhängigen Werkstätten Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen für Fahrzeuge in elektronisch weiterzuverarbeitender Form zu gewähren, teilte das höchste europäische Gericht am Donnerstag in Luxemburg mit.

Mit ihrer Entscheidung haben die EuGH-Richter die Realität ausgeblendet. Denn natürlich sichern sie den Autoherstellern damit einen ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil und die freien Teilehändler haben das Nachsehen. Die Konsequenzen sind auch klar: Die Preise auf dem Ersatzteilmarkt bleiben unnötig hoch, die Endkunden haben das Nachsehen. Den Autoherstellern bleiben immerhin die hohen Renditen in schwierigen Zeiten erhalten. Siehe oben.

Mehr: Die Diskussion um Klimaziele und den SUV-Boom erreicht die Mitarbeiter der Autoindustrie. Die Betriebsräte von Daimler, BMW und VW bangen um die Zukunft ihrer Branche.

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