Kommentar Mit der Strafe für ZTE zahlt China Lehrgeld

Die USA haben das Embargo gegen ZTE zwar aufgehoben. Doch der Fall des Smartphone-Herstellers zeigt: China muss weniger abhängig von US-Technologie werden.
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Die USA hatten ZTE einen Bann auferlegt, weil das Unternehmen angeblich illegale Geschäfte mit dem Iran und Nordkorea gemacht hat. Quelle: AFP
Chinesischer Smartphone-Hersteller

Die USA hatten ZTE einen Bann auferlegt, weil das Unternehmen angeblich illegale Geschäfte mit dem Iran und Nordkorea gemacht hat.

(Foto: AFP)

Als die Sowjetunion 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten ins All schoss und das Zeitalter der Raumfahrt einleitete, löste das Ereignis in den USA den sogenannten „Sputnikschock“ aus. Plötzlich wurde den Amerikanern klar, dass der Konkurrent viel weiter war als man selbst. In einer ähnlichen Situation steckt heute China: Der Fall ZTE zeigt die technologischen Grenzen des Landes auf.

Der Netzwerkausrüster und Smartphone-Anbieter stand jüngst kurz vor dem Kollaps. Die USA hatten dem chinesischen Unternehmen einen Bann auferlegt, weil es angeblich illegale Geschäfte mit dem Iran und Nordkorea gemacht hat. Sieben Jahre lang sollte ZTE der Zugang zu amerikanischer IT-Technologie verwehrt bleiben.

Es wäre das Aus gewesen: 70 Prozent aller Chips in ZTE-Smartphones stammen vom US-Anbieter Qualcomm, weitere von Intel. Im letzten Augenblick einigte sich ZTE mit den Amerikanern auf eine Strafzahlung über eine Milliarde Dollar und darf weitermachen.
Das Zittern um ZTE zeigte, wie abhängig China von der Technologie der Amerikaner ist. Die urbane Elite mag zwar in Wolkenkratzern ihre smarten Haushaltsgeräte per Smartphone-Wisch kontrollieren und Kaffee bargeldlos per Handy bezahlen – ermöglicht wird dies aber nur dank IT-Produkten aus den USA. China ist technologisch längst nicht so weit wie die Amerikaner.

Dieser Rückstand ist den Chinesen durch ZTE sehr bewusst geworden. Doch anstatt sich in Selbstmitleid zu suhlen, entstand in dem Land eine konstruktive Diskussion über das falsche Selbstverständnis von Firmen, die als chinesische Technologieführer gefeiert werden, es aber in Wahrheit nicht sind.

Als der Smartphone-Hersteller Xiaomi Anfang Juli an die Börse ging, war seine Bewertung auch deswegen so niedrig, weil die Eigenbezeichnung „Internetunternehmen“ einer kritischen externen Prüfung nicht standhielt.

Ma Huateng, der Gründer des Technologiegiganten Tencent, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, man habe in China begriffen, dass man ohne eigene Mikrochips und Betriebssysteme im globalen Wettkampf zu schwach sei. Jetzt startet die Aufholjagd: Investoren kündigen an, mehr Geld in die IT-Grundlagenforschung zu stecken, allein der Gerätehersteller Gree plant mit 7,8 Milliarden Dollar für die Entwicklung von Halbleitern.

Mit der Strafe für ZTE zahlen die Chinesen Lehrgeld. Ihr „Sputnikschock“ wird dafür sorgen, dass sie den Aufbau eigener Technologie beschleunigen. Das mag spät erscheinen, aber die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Im Wettlauf um die Vormacht im All holten die Amerikaner damals schnell auf: Zwölf Jahre nach dem ersten Sowjetsatelliten schickten sie bekanntlich bereits die ersten Menschen auf den Mond.

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