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  4. Arzneimittel für Kinder: Mit Aktionismus verschärft Lauterbach Engpässe

KommentarMit seinem Aktionismus verschärft Lauterbach die Lieferengpässe

Der Gesundheitsminister will die Versorgung von Kindern mit Arzneimitteln sicherstellen. Mit seiner Dringlichkeitsliste könnte er aber das Gegenteil bewirken.Maike Telgheder 01.09.2023 - 16:36 Uhr Artikel anhören

Der Bundesgesundheitsminister will Handlungsfähigkeit demonstrieren, verfällt dabei jedoch in politischen Aktivismus.

Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler

Die Dringlichkeitsliste für Kinderarzneimittel, die auf Wunsch von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach für die kommende Erkältungssaison bevorratet werden sollen, stößt auf Skepsis.

Der Pharmagroßhandel erklärt, dass er keine Vorräte anlegen kann, wenn es keine Ware gibt. Die Hersteller geben an, am Limit zu produzieren, und die Apotheken fürchten, dass die Arzneimittelbeschaffung für ihre Kunden noch viel schwieriger wird.

Niemand will schuld sein, wenn Eltern auch in diesem Winter wieder Alarm schlagen, dass dringend benötigte fiebersenkende Säfte und Antibiotika für ihre Kinder nicht zu bekommen sind.

Niemand weiß, wie die kommende Erkältungssaison wird. Aber der Bundesgesundheitsminister demonstriert schon mal Handlungsfähigkeit. Und verfällt dabei doch in politischen Aktivismus. Mit negativen Folgen.

Denn wer als Elternteil hört, dass Dringlichkeitslisten für Kinderarzneimittel aufgestellt werden, wird auf dem schnellsten Wege versuchen, sich für den Fall der Fälle mit den entsprechenden Medikamenten zu bevorraten. So entstehen erst recht Lieferengpässe.

Konsolidierung und Kostendruck haben die Produktion abwandern lassen

Mit anderen Worten: Lauterbach forciert mit seinem Vorstoß Hamsterkäufe und erreicht genau das Gegenteil dessen, was er anstrebt.

Für mehr als 500 Medikamente sind derzeit beim Bundesinstitut für Medizinprodukte und Arzneimittel Engpässe gemeldet. Antibiotika sind bereits seit vergangenem Herbst knapp – und zwar international, weil der Bedarf höher war. Denn nach dem Ende der Corona-Schutzmaßnahmen stiegen die Infektionszahlen in vielen Ländern.

Schnelle Lösungen für die Lieferengpässe gibt es nicht. Die Probleme sind lange bekannt und gehen auf Marktstrukturen zurück, die sich über viele Jahre entwickelt haben. Auch wegen der scharf kalkulierten Rabattverträge mit den Krankenkassen konzentriert sich die Produktion der generischen Medikamente auf immer weniger große Anbieter.

Auf lange Sicht kann das Lieferengpassgesetz durchaus Engpässe verringern. Kurzfristig ist es in der aktuellen Krise jedoch kontraproduktiv.

Konsolidierung und der Kostendruck in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben dazu geführt, dass die Produktion von Wirkstoffen immer stärker konzentriert, in Niedriglohnländer verlagert oder gar ganz an günstige Anbieter vor allem in Fernost ausgelagert wurde.

Heute pressen zwar viele verschiedene Hersteller ihre eigenen Tabletten, beziehen aber den Wirkstoff von ein und demselben Zulieferer. Fällt dort einer aus, gibt es weltweit Probleme.

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Auf lange Sicht kann das Lieferengpassgesetz, das unter anderem eine mehrmonatige Vorratshaltung vorsieht, durchaus Engpässe verringern. Kurzfristig ist es in der aktuellen Krise jedoch kontraproduktiv. Denn Vorräte kann man nur anlegen, wenn genügend Ware da ist.

Die Dringlichkeitslisten machen die Lage nur noch schlimmer. Hoffen wir also, dass es kein harter Erkältungswinter wird.

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