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Kommentar Mobilfunk aus dem All: Warum jetzt eine Revolution beginnt

Seit Jahren experimentieren Firmen mit Mobilfunk per Satellit oder Flugzeug. Er wird nun Realität. Neben Facebook und Elon Musk mischt auch die Telekom mit.
23.10.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Langfristiges Ziel ist ein weltumspannendes Netz, das überall Mobilfunkversorgung garantieren soll. Quelle: AP
Raketenstart mit Starlink-Satellit

Langfristiges Ziel ist ein weltumspannendes Netz, das überall Mobilfunkversorgung garantieren soll.

(Foto: AP)

Der Mobilfunk ist ein hartes Geschäft. Es dauert viele Jahre, ein Netz aufzubauen. Hunderte Kilometer von Datenleitungen müssen verlegt werden, um eine Infrastruktur von Sendemasten zu erreichten. Kaum sind Anbieter damit durch, müssen sie alles erneuern, weil die nächste Generation ansteht. Diese Abläufe könnten sich bald ändern.

Nach jahrelangen Entwicklungen steht eine Reihe neuer Ansätze vor der Marktreife. Dabei mischen nicht nur US-Konzerne wie Google und Facebook mit, sondern auch die Firma Starlink von Elon Musk und auch die Deutsche Telekom. Wer jetzt dabei ist, hat die Chance, den Internetzugang der Zukunft zu prägen.

Es ist gut und mutig, dass die Firmen nicht nur auf eine schrittweise Verbesserung der bestehenden Netze setzen, sondern gleich einen Innovationssprung anstreben. Vollmundig hatten vor allem Google und Facebook schon vor Jahren die Idee fliegender Stratosphärenballons beziehungsweise von Drohnen vorgestellt, die weite Landstriche mit 4G-Mobilfunk versorgen.

Jetzt wird die Technik langsam marktreif. In Kenia sind die Ballons der Google-Mutter Alphabet seit diesem Jahr im Einsatz und sollen dem lokalen Netzbetreiber Telkom Kenya helfen, seine kommerzielle Infrastruktur zu erweitern. Das Project Loon sucht in den USA die Kooperation mit dem Netzbetreiber AT&T. Was anfangs als abwegige Idee der Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page abgetan wurde, entwickelt sich zu einer praktisch einsetzbaren Technologie.

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    Während die Ballons von Project Loon in rund 20 Kilometer Höhe über den Erdboden fliegen, will Elon Musk mit Starlink noch höher hinaus. Er hat bereits mehr als 800 Satelliten in einer Höhe von mehr als 500 Kilometern über der Erde in die Umlaufbahn gebracht.

    Langfristiges Ziel ist ein weltumspannendes Netz, das überall Mobilfunkversorgung garantieren soll. Auch diese Idee wurde lange belächelt. Doch schon Ende dieses Jahres will Musk das erste einsetzbare Netz in Nordamerika starten. Und wie er bei Tesla gezeigt hat: Ihm gelingt vieles, an das andere nicht geglaubt haben.

    Als die ersten Internetunternehmer vor mehr als einer Dekade die ersten Ideen für einen neuen Mobilfunk vorstellten, wurden sie dafür von etablierten Netzbetreibern ausgelacht. Zu unrealistisch schien den auf feste Kabel fokussierten Technikern ein Netz in der Luft. Heute sieht es anders aus.

    Traditionelles Geschäft unter Druck

    Es ist wichtig und richtig, dass nun Firmen wie die Deutsche Telekom umsteuern. In Kooperation mit dem Unternehmen Stratospheric Platforms Limited (SPL) hat der Dax-Konzern Anfang dieser Woche den ersten Testflug für ein mit Mobilfunkantennen ausgestattetes Flugzeug gestartet. Die fliegende Basisstation erweiterte das Netz in Bayern und flog in rund 14 Kilometer Höhe.

    Langfristiges Ziel sind wasserstoffbetriebene Drohnen, die dauerhaft Funklöcher im bestehenden Netz schließen sollen. Telekom-Chef Timotheus Höttges kündigte zunächst ein Projekt an, ab 2025 das Mobilfunknetz mit speziellen Flugzeugen in Deutschland zu verbessern.

    Es ist wichtig und richtig, dass auch etablierte Netzbetreiber auf die Technik setzen. Noch ist es schwer, ein stabiles Mobilfunknetz ökonomisch aus der Luft zu betreiben. Musks Starlink-Satelliten sind auch auf Basisstationen am Boden angewiesen, um die Signale zu den Endverbrauchern zu bringen – zumindest jetzt noch.

    Die neuen Konzepte kommen einer Revolution im Mobilfunk gleich. Quelle: Kostas Koufogiorgos
    Karikatur

    Die neuen Konzepte kommen einer Revolution im Mobilfunk gleich.

    (Foto: Kostas Koufogiorgos)

    Die neuen Konzepte kommen einer Revolution im Mobilfunk gleich. Künftig können wir eine verlässliche Internetinfrastruktur völlig neu denken. Es ist es dringend nötig, dass sich alle traditionellen Netzbetreiber intensiv damit auseinandersetzen.

    Ihr Geschäft gerät unter Druck. Die wichtigsten Internetanwendungen werden von IT-Firmen wie Google, Facebook und Microsoft bereitgestellt. Darauf beschränken sich diese Konzerne schon lange nicht mehr. Sie sind in das globale Geschäft mit Unterseekabeln eingestiegen, die als Lebensadern für die globale Internetversorgung fungieren.

    Die Netzbetreiber kontrollieren noch die Netze zu den Verbrauchern – die letzte Meile. Noch ist es zu aufwendig für eine Firma wie Google oder Microsoft, in das mühselige Geschäft mit dem Bau von lokalen Mobilfunkmasten einzusteigen. Das könnte sich jedoch bald ändern.

    Wenn sich der Mobilfunk per Satellit, per Stratosphärenballons oder per Drohnen als gute Alternative zum traditionellen Netz etabliert, könnten die klassischen Betreiber verschwinden.

    So weit ist es heute zwar noch nicht. Aber nur wer heute mitmischt, hat in Zukunft eine Chance. Was einst als unrealistische Idee von US-Tech-Entwicklern abgetan wurde, wird bald zu einem Produkt für den Massenmarkt.

    Das bedeutet nicht, dass Telekom und die anderen Netzbetreiber aufhören sollten, Glasfasernetze auszubauen und in moderne Mobilfunkinfrastruktur zu investieren. Schließlich ist das die Basis für ihr heutiges Geschäft. Aber sie müssen sich für technologische Sprünge öffnen. Die Kooperation von Telekom und SPL ist ein Schritt in die richtige Richtung. Davon brauchen wir in Zukunft noch viel mehr.

    Mehr: Telekom-Chef Höttges plant Netz aus der Stratosphäre ab 2025.

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