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Kommentar N26 kann von der bespöttelten Konkurrenz einiges lernen

N26 macht sich gern über „normale“ Banken lustig, lässt aber selbst Branchenstandards vermissen. Das Start-up muss seine Prioritäten neu setzen.
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Das Fintech-Unternehmen will in die USA expandieren. Quelle: Reuters
Schriftzug der Bank N26

Das Fintech-Unternehmen will in die USA expandieren.

(Foto: Reuters)

Die Smartphone-Bank N26 macht aus ihrer Herablassung gegenüber „normalen“ Banken kein Geheimnis. Das zeigen schon die frechen Werbesprüche wie „Filialen sind soooo 90er“ oder „Nicht die Bank deines Opas“.

Lange hatte das wertvollste deutsche Finanztechnologie-Unternehmen damit einen Respekt einflößenden Erfolg: Innerhalb von nur drei Jahren hat sich die Zahl der Kunden von einst 100.000 auf heute 2,5 Millionen Nutzer erhöht. Doch die Probleme, mit denen die forschen Newcomer zuletzt zu kämpfen hatten, zeigen, dass N26 von der gerne bespöttelten Konkurrenz auch einiges lernen kann.

Das fängt mit zuverlässigen Prozessen und besseren Systemen für die Überwachung dubioser Transaktionen an, geht mit guter Betrugsprävention weiter und hört mit so simplen Dingen wie einer guten Erreichbarkeit noch nicht auf. All das hat N26-Gründer Valentin Stalf nach der heftigen Kritik von Kunden und anderen Banken versprochen. Doch vieles von dem, was N26 nun als Verbesserung angekündigt hat, ist bei anderen Banken längst unaufgeregter Alltag.

Das gilt etwa für eine Hotline, über die man 24 Stunden am Tag Karten und Konten sperren kann. Und auch mit einer besseren Überwachung verdächtiger Transaktionen erfindet N26 das Rad nicht neu. Ein professionelles Sicherheitssystem müsste Alarm schlagen, wenn ungewöhnlich hohe Summen von einem Konto verschwinden, kurz nachdem dessen Zugangsdaten geändert wurden.

Schon heute gibt es Banken, die sich in solchen Fällen vorsichtshalber beim Kunden melden, wenn ihnen eine Kontobewegung verdächtig vorkommt. Zum Branchenstandard gehört es auch, für andere Banken erreichbar zu sein, wenn diese betrügerische Geldtransfers, die über N26-Konten laufen, rechtzeitig stoppen wollen. N26-Gründer Stalf hat versprochen, solche Mängel abzustellen, und sieht sich dabei auf gutem Wege. Das ist ein Anfang, den Stalf aber auch mit Taten unterfüttern muss.

Die Vorfälle bei N26 zeigen beispielhaft, warum die meisten jungen Finanztechnologie-Firmen mit Banken lieber kooperieren, als sie frontal anzugreifen: Die strenge Regulierung gilt nicht ohne Grund als hohe Einstiegshürde. Und für jedes Fintech stellt sich die Frage, ob es sie nehmen will oder ob es das Bankgeschäft lieber bestehenden Instituten überlässt.

Denn es ist eine Sache, nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ ein innovatives Produkt zu erfinden. Es ist aber eine ganz andere Sache, eine Bank zu sein. Diese muss in einem Umfeld bestehen, in dem Fehler harte Konsequenzen nach sich ziehen können.

Nun hat N26 fraglos vieles richtig gemacht. Schon die Frequenz und Intensität, mit der andere Banken über das Institut schimpfen, das erst 2015 am Markt startete, zeigt, was für einen Schrecken das forsche Gründerduo Stalf und Maximilian Tayenthal den etablierten Geldhäusern eingejagt haben muss.

Richtige Prioritäten?

Der bisherige Erfolg des Fintechs zeigt, wie groß das Bedürfnis von Bankkunden nach einem Konto mit nutzerfreundlicher Bedienung ist – und wie sehr die etablierten Banken dieses Bedürfnis in der Vergangenheit vernachlässigt haben.

Es genügt für N26 auf Dauer aber nicht, nur die Schönwetterperioden des Bankgeschäfts zu beherrschen. Längst wächst N26 in eine Größenordnung hinein, in der sich das Unternehmen die Frage stellen muss, ob es noch die richtigen Prioritäten setzt. Die Kritik von Kunden und anderen Banken legt nahe, dass N26 bislang mehr Wert auf ein rasantes Wachstum und schlanke Kostenstrukturen gelegt hat als auf zuverlässige, moderne interne Prozesse.

Das illustriert auch ein weniger bekannter Vorfall, der N26 einen Eintrag im Jahresbericht des Berliner Datenschutzbeauftragten einbrachte: Ein Ex-Kunde hatte sich beschwert, dass die Start-up-Bank seine Daten nicht gelöscht oder zumindest für das operative Geschäft gesperrt hatte. N26 räumte den Vorfall sogar ein. Doch die Prozesse der Bank waren damals noch nicht in der Lage, geldwäscheverdächtige von unverdächtigen Kunden zu unterscheiden.

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Um zu vermeiden, dass ein der Geldwäsche verdächtigter Kunde ein neues N26-Konto eröffnen kann, hat die Bank einfach pauschal alle Ex-Kunden auf einer Warnliste geführt. Das war aus Sicht der Datenschützer verboten. Mittlerweile hat N26 diese Praxis nach eigenen Angaben beendet. Aber dass die Bank vermutlich überhaupt gegen Regeln verstieß, um andere Regeln einhalten zu können, ist bedenklich.

Das Beispiel legt nahe, dass bei N26 bislang Schnelligkeit vor Gründlichkeit ging. Auf Dauer ist diese Haltung im Bankgeschäft gefährlich. Ganz besonders dann, wenn das Unternehmen in die USA expandieren will. Diesen Schritt sollte N26 erst wagen, wenn es seine Prozesse und Kontrollsysteme wirklich gut im Griff hat.

Die US-Behörden sind alles andere als zimperlich, wenn sie schwache Sicherheitsstandards bei Banken wittern. Davon können auch einige europäische Großbanken ein Lied singen. Auf Dauer sind im Bankgeschäft robuste Sicherheitssysteme eben wichtiger als eine besonders schicke Benutzeroberfläche.

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