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Kommentar Nach den Börsenplänen von About You: Fünf Handlungsempfehlungen für den Modehandel

Die Online-Modehändler enteilen der stationären Konkurrenz. Für die klassischen Firmen in der Branche bedeutet das, dass sie sich neu erfinden müssen.
30.05.2021 - 16:41 Uhr Kommentieren
Der Modehandel steht vor Problemen, die nicht ausschließlich mit dem Onlinegeschäft zu tun haben. Quelle: dpa
Modehandel

Der Modehandel steht vor Problemen, die nicht ausschließlich mit dem Onlinegeschäft zu tun haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Kein Zweifel: Der stationäre Modehandel gehört zu den Branchen mit den größten Herausforderungen durch die Pandemie. Den Erfolg der beiden wachstumsstarken Onlinekonkurrenten Zalando und About You aber allein mit dem digitalen Geschäftsmodell zu erklären greift zu kurz. Die beiden Unternehmen haben viel mehr getan, als den Handel ins Netz zu verlegen. Davon kann die ganze Branche lernen – und profitieren.

Der Modehandel sollte seine Daten so aufbereiten, dass man damit arbeiten kann.

Erstens: Wer die Kundinnen und Kunden wirklich ins Zentrum rücken will, der braucht gute Daten. Aber genau daran mangelt es bei vielen Händlern. Entweder fehlen die Daten ganz, oder sie liegen noch nicht in einer Form vor, dass man sinnvoll mit ihnen arbeiten kann. Das müssen die Händler so schnell wie möglich ändern.

Außerdem müssen die Händler verstehen, dass digitale Verkaufskanäle nicht weniger, sondern mehr Nähe zu den Kunden schaffen. Manch kleine Boutique und auch einige Modehäuser gingen mutig voran und nutzten Instagram oder WhatsApp als Verkaufskanal. Dafür darf man sich auch nach der Öffnung der Geschäfte nicht zu fein sein.

Die Nachhaltigkeitsforderungen von Kunden und Geldgebern ernst nehmen

Zweitens: Die Modehändler müssen das Thema Nachhaltigkeit viel konsequenter in den Fokus rücken; das kostet zwar zunächst Geld, zahlt sich später aber durch höhere Kundenbindung aus. Die Kunden wollen mit einem guten Gewissen einkaufen, und About You und Zalando gehen das konsequenter an als die stationäre Konkurrenz, selbst wenn auch bei ihnen noch Luft nach oben ist. Auch die Geldgeber schauen immer stärker auf das Thema, weil sie es selbst müssen.

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Standort erkennen

    CO2-Neutralität, aber auch immer strengere Nachhaltigkeitskriterien für die Markenpartner weisen den Weg ebenso wie der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft mit der Rücknahme von Kleidungsstücken sowie das Secondhandgeschäft. Wer fände es nicht klug, wenn man seine Kleider und Hosen bei einem Händler nicht nur kaufen, sondern dort auch wieder verkaufen und im Zweifel sogar zum Recycling geben kann?

    Digitalaffine Mitarbeiter zum Mitunternehmern machen

    Drittens: Die ersten Händler stellen fest, dass ihnen die jungen, digitalaffinen Mitarbeiter abhandenkommen. Das ist die vielleicht größte Gefahr für den stationären Teil der Branche. Wer die Turbulenzen der Coronakrise durchstehen will, braucht engagierte Mitarbeiter, die die Zielgruppen auch im Unternehmen abbilden und die unternehmerisch denken.

    Dass diese Mitarbeiter jetzt überlegen, zu wachstumsstarken Firmen wie About You und Zalando zu wechseln, ist eine schlechte Nachricht. Für die Unternehmen heißt das, sie müssen eine klare Vision erarbeiten, die mit der digitalen Konkurrenz mithalten kann. Nur wer seine Mitarbeiter überzeugt, kann auch seine Kunden überzeugen.

    Die Kraft der Kooperation nutzen

    Viertens: Alte Feindbilder müssen aufgebrochen werden. Vor Corona waren Zalando und About You Angstgegner für andere Modehändler. Spätestens seit Beginn der Pandemie haben viele erkannt, dass diese Gegner für sie auch Teil der Lösung sein können.

    Während des Lockdowns mussten die Läden geschlossen bleiben. Die Händler, die dann über die Plattformen der digitalen Konkurrenz Hosen, Shirts und Schuhe verkauften, konnten so zumindest etwas Umsatz generieren, manche nahmen sogar mehr ein als gedacht.

    Umgekehrt entdecken die Onlinehändler den stationären Handel als lukrativen Partner. Sonst hätte Zalando nicht das Ziel ausgegeben, europaweit 6000 stationäre Händler an die eigene Plattform anzuschließen.

    Selbst C&A kooperiert als traditionsreicher Textilfilialist mit eigenem Onlineshop mit Zalando. Zu solch einer Entscheidung muss man sich erst mal durchringen als Unternehmer. Aber diese Strategie ist sinnvoll: Vor allem die jüngeren Konsumenten, das hat die Pandemie klargemacht, unterscheiden nicht mehr, ob sie online oder in der City kaufen.

    Wer besondere Opfer bringt und dafür von der Konkurrenz abgehängt wird, darf Hilfen fordern.

    Fünftens: Ganz allein wird es schwer für die Modehändler. Um nach der Pandemie durchstarten zu können, fehlen vielen Firmen die Mittel. Das belegt auch die aktuelle Umfrage des Handelsverbands HDE, wonach knapp 60 Prozent der Unternehmen derzeit notwendige Investitionen nicht schultern können. Sie haben während des Lockdowns festgestellt, dass ihre digitalen Kanäle nicht ausreichen, und deutlich Umsatz verloren. Ihre Eigenkapitalquote ist gesunken, jetzt müssen sie Hilfsgelder zurückzahlen.

    Der finanzielle Abstand wird also immer größer. Daher ist die Forderung des HDE nach einem Digitalfonds für den Handel durchaus sinnvoll.

    Denn wer jetzt in Digitalisierung investieren kann, hat bessere Chancen, auch in Zukunft die Mieten in den Innenstädten bezahlen zu können. Dass die Städte nicht veröden, daran haben auch der Staat und die Bürger ein vitales Interesse.

    Mehr: Zalando-Konkurrent About You vor dem Börsengang: Welche Chancen sich für Anleger ergeben

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