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Kommentar Nachhaltiges Investieren ist weit mehr als ein Modethema

Der Hype rund um nachhaltige Investments wird zu Enttäuschungen führen. Dies ändert aber nichts daran, dass die grundsätzliche Richtung stimmt.
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Der Trend zu nachhaltigen Investments wird sich am Ende durchsetzen. Quelle: dpa
Windkraftanlage

Der Trend zu nachhaltigen Investments wird sich am Ende durchsetzen.

(Foto: dpa)

Kein Zweifel, wir haben es mit einer Übertreibung zu tun. Spätestens seitdem die Europäische Union ihren Aktionsplan für nachhaltige Investments auf den Weg gebracht hat, überschlagen sich Banken, Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter mit Bekenntnissen für eine bessere, eine grünere und sozial verträglichere Finanzwelt.

Geht es nach dem Willen der EU, dann sollen private Investoren Jahr für Jahr mindestens 180 Milliarden Euro in nachhaltige Investments stecken. Damit würden die Finanzmärkte zu einem zentralen Steuerungselement, das sicherstellen soll, dass die Europäer ihre Klimaziele doch noch erreichen. Kann das tatsächlich funktionieren? Oder werden die Kapitalmärkte damit überfordert?

Der Plan der Europäischen Union hat zweifellos viele Schwächen. Und der aktuelle Hype rund um nachhaltige Investments wird zu Enttäuschungen führen, sowohl bei Investoren als auch bei Finanzfirmen und in der Politik.

Dies ändert aber nichts daran, dass die grundsätzliche Richtung stimmt. Nachhaltiges Investieren ist weit mehr als ein Modethema. Es ist die rationale Antwort nicht nur auf ökologische, sondern auch auf ökonomische Fragen. Deshalb wird der Trend nicht verschwinden, sondern sich am Ende durchsetzen.

Verantwortlich für sichtbare Übertreibungen bei der „grünen Geldanlage“ sind vor allem zwei Faktoren: der riesige Ehrgeiz, der sich im Plan der europäischen Kommission widerspiegelt, und der Mangel an präzisen Definitionen, was eigentlich genau nachhaltige Investments sind.

Bislang liegen nach Expertenschätzung rund 400 Milliarden Euro in nachhaltigen Finanzprodukten. Würden tatsächlich 180 Milliarden Euro pro Jahr dazukommen, würden gewaltige Kapitalströme umgelenkt.

Die Gefahr, dass es dabei zu Fehlallokationen kommt, liegt auf der Hand. Vor allem da es bei den Kategorien für Nachhaltigkeit noch munter durcheinandergeht. Ein Beispiel: Das Thema Atomkraft klammert die EU bislang aus. Frankreich hat mit dieser CO2-freien Energie keine Probleme in Sachen Nachhaltigkeit, Deutschland wegen der Risiken durch Störfälle und der ungeklärten Endlagerung dagegen schon.

Die Finanzwelt wird Teil einer grünen Bewegung

Für viele Finanzfirmen ist Nachhaltigkeit längst zum Erfolgsfaktor geworden. Schließlich haben die Wahlerfolge der Grünen und die Proteste der Jugend, angeführt von der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, für eine gesellschaftliche und politische Dynamik gesorgt, der sich die Geldbranche nicht entziehen kann.

Fast jeder Anbieter von Finanzanlagen hängt sich inzwischen ein grünes Mäntelchen um, aber längst nicht jeder verfügt auch über das dafür nötige Wissen. Daran ändern auch vermeintliche Gütesiegel nichts. Viele Firmen verpflichten sich den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, aber diese Vorsätze lassen einen weiten Spielraum und schützen nur bedingt vor Trittbrettfahrern.

Trotz aller Übertreibungsgefahr führt kein Weg daran vorbei, Umwelt- und Nachhaltigkeitsrisiken in den Bilanzen der Unternehmen zu messen und zu bepreisen. Für die Banken wird es hier schon bald ernst. Ab dem Jahr 2022 müssten die großen Geldhäuser in der Euro-Zone ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsrisiken offenlegen. Für solche Regeln spricht nicht nur die Sorge um die Zukunft unseres Planeten, sondern schlicht und einfach die ökonomische Vernunft.

Ein Argument, an dem eigentlich auch die Leugner des Klimawandels nicht vorbeikommen (sollten). Für die Dimension des ökonomischen Risikos sind die Höhe des potenziellen Schadens und die Eintrittswahrscheinlichkeit entscheidend. Angesichts der enormen Schäden, die der Klimawandel weltweit anrichten könnte, wäre es nur rational, zu versuchen, die Risiken, so gut es eben geht, einzudämmen. Das gilt selbst dann, wenn eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit unterstellt wird.

Dazu kommt: Nachhaltigkeit scheint sich auch betriebswirtschaftlich auszuzahlen. In den Vereinigten Staaten erhobene Statistiken sprechen dafür, dass Unternehmen, die umweltgerecht und gesellschaftlich verträglich wirtschaften, seltener in eine Pleite rutschen oder ihre Schulden nicht zurückzahlen als der Rest. Nachhaltigkeit ist demnach ein wichtiger Indikator für solides Management.

Nimmt man volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Argumente zusammen, dann erscheint es klar, dass der Trend zum nachhaltigen Investieren den aktuellen Hype überleben wird. Das Muster solcher Entwicklungen lässt sich anhand der Erfahrungen aus der Technologiebranche nachvollziehen. Der Internetrausch um die Jahrtausendwende endete mit einem fürchterlichen Kater. Natürlich bedeutete der schmerzhafte Absturz aber nicht den Tod des Internets.

Im Gegenteil, der Siegeszug der digitalen Wirtschaft begann nach der reinigenden Krise erst richtig. Wer weiß, vielleicht werden wir in ein paar Jahren von Nachhaltigkeit 2.0 sprechen. Dann hätte sich der Trend zum umwelt- und sozial verträglichen Investieren endgültig durchgesetzt.

Mehr: Die großen US-Ratingagenturen werben mit nachhaltigen Unternehmensbewertungen. Sie setzen auf Übernahmen, um spezialisierten Agenturen Marktanteile abzuringen.

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