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Kommentar Nachhaltigkeit muss bei Konzernen mehr als ein Image sein

Dieselaffäre in der Autoindustrie und Waldrodungen für Braunkohle beweisen: Unternehmen meinen es nicht ernst mit der versprochenen Nachhaltigkeit.
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Das Unverständnis der Öffentlichkeit darüber, dass ausgerechnet ein alter Waldbestand für die umweltschädlichste Form der Stromerzeugung geopfert wird, könnte RWE schaden. Quelle: dpa
Braunkohletagebau

Das Unverständnis der Öffentlichkeit darüber, dass ausgerechnet ein alter Waldbestand für die umweltschädlichste Form der Stromerzeugung geopfert wird, könnte RWE schaden.

(Foto: dpa)

Die Warnung kam aus unerwarteter Ecke. „Besonnenheit und Weitsicht“ müsse RWE angesichts der zugespitzten Situation im Hambacher Forst zeigen, forderte Winfried Mathes von der Fondsgesellschaft Deka. Der Investor fürchtet, dass der Stromkonzern durch eine Eskalation der Proteste im rheinischen Braunkohletagebau seine Reputation und Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzen könnte.

Die Kritik war nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Absenders überraschend. Doch so selbstbewusst wie der Fondsmanager gerieren sich mittlerweile viele Investoren. Sie bewerten Unternehmen nicht mehr nur anhand von Finanzkennzahlen, sondern hinterfragen deren Strategie aus ökologischer Perspektive und mit Blick auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen.

Oft legen die Finanzprofis dabei den Finger in die Wunde. Es geht um die Frage, ob Unternehmen es wirklich ernst meinen mit der viel gepriesenen Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsmodell. Daran sind Zweifel angebracht.

Die nüchterne Analyse des Auftretens vieler Firmen zeigt: Sie erstellen Berge bunter Broschüren darüber, wie ressourcenschonend und umweltbewusst sie produzieren. Gleichzeitig setzen sie aber ihre Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit aufs Spiel, weil sie sich in Geschäftsmodelle verbeißen, die mit ernst gemeinter Nachhaltigkeit nicht vereinbar sind.

Deutschlands wichtigste Branche liefert dafür das beste Beispiel. Die Automobilindustrie wird in den nächsten Tagen mit der Politik einen Weg zur Umrüstung alter Dieselfahrzeuge vereinbaren. Damit soll dem unsäglichen Gezerre um die Lösung der Dieselfrage ein Ende bereitet werden.

Doch was immer auch mit der Regierung verabredet wird: Der Reputationsschaden durch den Abgasbetrug ist gewaltig, und das nachfolgende Gerangel um die Behebung der Schäden hat diese Wirkung noch verschärft. Die Folgen des Abgasskandals sind nachhaltiger als jedes Bekenntnis zu nachhaltigem Wirtschaften. Hier Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen scheint beinahe unmöglich.

In eine ähnliche Situation hat sich der Energiekonzern RWE manövriert. Die harte Haltung bei der bevorstehenden Rodung des Hambacher Forstes mag betriebswirtschaftlich notwendig und rechtlich einwandfrei sein. Nur: Die unschönen Szenen von der polizeilichen Räumung des Forstes werden dem Ansehen von RWE ebenso schaden wie das Unverständnis der Öffentlichkeit darüber, dass ausgerechnet ein alter Waldbestand für die umweltschädlichste Form der Stromerzeugung geopfert wird.

Diese Kurzversion der Geschichte wird hängen bleiben und dazu führen, dass RWEs Bekenntnis zum nachhaltigen Wirtschaften kritisch hinterfragt wird.

Manager verteidigen tradierte Geschäftsmodelle

Klarzustellen bleibt: Keinem Unternehmen kann verweigert werden, seine Rechte wahrzunehmen und um Geschäfte zu kämpfen. Aber die Entwicklungen in der Automobilbranche und im Energiesektor deuten auf ein tief sitzendes Problem hin, das auch in anderen Industrien zu beobachten ist. Nachhaltigkeit propagieren und nachhaltig sein sind zwei ziemlich verschiedene Dinge.

Zu lange halten Manager am tradierten Geschäftsmodell fest, verteidigen es in jedem Detail und mit voller Kraft, obwohl deutlich erkennbar ist, dass die Grundpfeiler dieses Modells längst wackeln.

So läuft es in der Autoindustrie. Aus der anfänglichen Erfolgsgeschichte des Diesels wurde ein Klumpenrisiko für die Hersteller, von denen manche glaubten, es nur durch Schummelei beherrschen zu können. Dabei hätten die Hersteller schon viel früher die Wucht der Klimadebatte erkennen und beispielsweise in die Elektromobilität investieren müssen.

Nicht erst seit heute ist erkennbar, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge sich über kurz oder lang durchsetzen werden – angefacht von gesellschaftlichen Zielen, der Politik und erfolgreichen Wettbewerbern, die längst umgesteuert hatten. Die deutsche Industrie hätte sich an die Spitze des Trends setzen und so auch ihr Bekenntnis zur Nachhaltigkeit unterstreichen können.

RWE wiederum tut sich schwer mit der Energiewende. Dabei hat der Energiekonzern doch schon vor Jahren seine Erfahrungen mit dem Ausstieg aus der Kernenergie machen müssen. Seitdem ist der gesellschaftliche Wunsch nach sicherer und sauberer Stromversorgung eher gewachsen, auf keinen Fall aber verschwunden.

Nachhaltigkeit hätte deshalb bedeutet, sich frühzeitig mit dem zweiten kritischen Punkt des Konzerns zu beschäftigen, der Zukunft der Braunkohle zur Stromerzeugung. Jetzt wirkt es so, als sei RWE davon überrascht worden. Das ist unglaubwürdig.

Nachhaltigkeit erweist sich nicht mit wohlformulierten Worten in Geschäftsberichten und Prospekten. Wenn Unternehmen es wirklich ernst meinen, verankern sie Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell und demonstrieren das im täglichen Handeln. Nur dann werden sie das Vertrauen ihrer Kunden, der Gesellschaft und der Investoren gewinnen. Und nur dann werden sie auch langfristig Erfolg haben.

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