Kommentar Nicht aufregen! Wir sind doch selbst willige Helfer im Datenskandal

Der Datenskandal bei Facebook weitet sich aus. Doch statt sich zu empören, wäre es Zeit, über das eigene Digitalverhalten nachzudenken.
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Barley: „Facebooks Prinzip friss oder stirb werden wir nicht akzeptieren“

DüsseldorfIn meinem vorherigen Leben war ich Pirat. Wäre ich ein Land, dann Italien. Und die Stadt, in der ich mein Leben verbringen sollte, ist Paris. Das habe ich nicht etwa von der Wahrsagerin meines Vertrauens, sondern von Facebook. Genauer von den zahlreichen Apps und Quizzes, die immer mal wieder durch den Newsfeed des Netzwerkes geistern. Kennen Sie, oder?

So eine App hat den Skandal ausgelöst, der das Image des größten sozialen Netzwerks der Welt schwer beschädigt hat. Nun musste Facebook einräumen, dass mit 87 Millionen deutlich mehr Mitglieder als bisher angenommen von dem Datenskandal betroffen seien, darunter auch rund 310.000 deutsche Nutzer.

Den Anfang zu dieser Katastrophe machte eine App, die einen Psychotest für Nutzer anbot – jeder der diesen Test machte, gab seine Daten weiter und – die seiner Freunde. Der Entwickler dieser App gaben den Datenschatz später an die berüchtigten Wahlkampfstrategen von Cambridge Analytica weiter. Das war illegal, sagt Facebook nun – dass es aber überhaupt so weit kommen konnte, ist die Schuld der Plattform.

Die Empörung ist perfekt. Doch viele, die sich nun aufregen, unterstützen mit leichtfertigem Verhalten die Datensammelwut.

Kostenlose Online-Spiele auf Facebook zum Beispiel nutzen viele. Den meisten dürfte dabei nicht einmal aufgefallen sein, dass sie vorher zugestimmt haben, dass die App Informationen etwa über Ihre Gefällt-mit-Angaben erhält?

Denn die digitale Datenweitergabe ist keinesfalls ein Einzelfall. Fast immer landet ein gewisser Teil der Daten bei den Entwicklern der Apps. Nur die Funktion, dass auch die Apps der digitalen Freunde weitergeleitet werden, soll es so nicht mehr geben.

Bei allem berechtigtem Ärger über die Datensammelei – wir Nutzer sind die willigen Helfer in dem Datenskandal. Wir segnen mit einem Mausklick Geschäftsbedingungen ab, die wir weder lesen noch verstehen.

Wir sind so naiv zu glauben, dass digital und kostenlos ja quasi zusammen gehören. Doch die Entwicklung von kostenlosen Spielen und Apps muss irgendwie bezahlt werden.

Nicht nur Drittanbieter-Apps funktionieren so – das gesamte Geschäftsmodell von Facebook ist auf Datensammelei ausgerichtet: Die Plattform liefert Nachrichten, Kommunikationskanäle und Unterhaltung – kostenlos. Geld verdient der US-Konzern vor allem mit seinem Datenschatz.

Während Facebook dringend seine Geschäftspraktiken überdenken muss, sollten wir Nutzer uns klar machen, wie sorglos wir oft mit unseren Daten umgehen.

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9 Kommentare zu "Kommentar: Nicht aufregen! Wir sind doch selbst willige Helfer im Datenskandal"

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  • Es ist doch ganz einfach: Daten, die ich vertraulich behandelt haben will, darf ich nicht öffentlich posten. Daher ist der Kommentar unbedingt richtig. Es liegt an allen Nutzern selbst, was sie daraus machen.

    Wenn ich Payback-Karten nutze, weiß der Handel minutiös, was ich wo für wieviel gekauft habe. Wenn ich in den sozialen Medien den Lebenslauf meiner Kinder poste, dann wird deren Leben öffentlich. Ich darf mich dann aber nicht wundern, wenn freiwillig preisgegebene Daten mißbraucht werden. Im Zweifelsfall bin ich dann selbst dran schuld.

  • @Herr Udo Schäfer
    Wettbewerb gab es schon!
    Die sind in der Versenkung der Unbedeutsamkeit verschwunden aus diversen Gründen.
    - wer-kennt-wen
    - lokalisten
    - studivz
    - schuelervz

  • G. Nampf
    05.04.2018, 13:37 Uhr

    Auf meinem mobilen Telefon ist nicht viel abzugreifen. Ich habe kein Smart- sondern das modernere Dumbphone.

    Sich ganz den Datenkraken zu entziehen ist mir zu aufwendig. Ich zahle aber noch sehr viel in bar (Summen bis ca. 100 €) und, was sehr wichtig ist, lösche regelmäßig meine Cookies



  • Ein bisschen scheinheilig, wenn zum einen im redaktionellen Teil über fragwürdigen Datenumgang solcher Netzwerke lamentiert wird, während gleichzeitig andere Teile des Unternehmens über manche Funktionalitäten Facebook & Co die Kunden zutreiben.
    Da scheint ein "Chinese Wall" ausnahmsweise und leider zu funktionieren.

    "Diskutieren Sie mit uns auf "Facebook".
    Leider pflegen auch ARD, ZDF und etliche Printmedien diese Unsitte.

    Maybritt Illner, Hart aber Fair & Facebook für öffentlich-rechtliche Programmangebote:
    DAS ist product placement!

    Für welchen Zweck wenden denn ARD und ZDF denn die Kosten der eigenen Webseite auf?
    Diese Plattform für Mediatheken und vieles mehr sollte auch Raum für interaktive Inhalte bieten, da braucht man kein Facebook.

    Bei dem Versuch, die Generation iPad liebdienerisch einzufangen darf man den Zielgruppen-Wahn doch nicht soo weit treiben.

  • @Marcel Europaeer
    05.04.2018, 13:06 Uhr

    Volle Zustimmung.

    Nur: Dann sollten Sie auch auf Ihr Handy verzichten, das ist nämlich der größte Datenkrake in Ihrem persönlichen Umfeld ( nur einschalten, wenn Sie jemanden anrufen, ist schon besser als permanent angeschaltet)

    Und natürlich nicht online shoppen (schon garnicht bei EBAY, AMAZON, zalando, ...) und immer schön bar bezahlen- dann wird´s fast perfekt.... ;-)

  • Ich kann versichern, dass ein lebenswertes, ausgefülltes Dasein möglich ist, ohne in irgendeinem sozialen Netzwerk Mitglied zu sein.

    Fakebook, Whatsapp, Twitter, Istagram und Co kommen mir in diesem Leben nicht mehr ins Haus.

  • Warum gibt es kein kontinentaleuropäisches Unternehmen, das Facebook Konkurrenz macht? Wo sind sie denn, die großen Macher der europäischen IT-Wirtschaft?
    Wie wäre es mit "Begegnung", ein Unternehmen das im Gegensatz zu Facebook moderate Gebühren erhebt und nur ganz restriktiv Werbung zulässt und persönliche Daten wie einen wertvollen Schatz behandelt. Ein Unternehmen mit deutscher Datenschutzkultur, dem Geschäftsgebaren eines ordentlichen Kaufmanns mit Sitz in Kontinentaleuropa, das in Kontinentaleuropa faire Steuern zahlt. Wo sind deutsche Politiker, die dafür die Wege freimachen?

  • Warum fragt eigentlich niemand, auf welche Weise die lieben Gutmenschen öffentliche Daten benutzten und Wähler beeinflussten, um ihre hehren Ziele zu erstreiten?

  • das problem ist dass der nutzer sich nicht vorstellen kann dass er manipuliert wird. dabei müsste alleine aufgrund der summen die die firmen für die effektive datennutzung ausgeben auffallen dass hier etwas nicht stimmt. aber gut, 98% aller sind schafe, zum glück sinds immer die anderen...

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