Kommentar Nordkoreas Versprechen macht noch keinen Frieden

Diese Entscheidung ist eine echte Überraschung. Mit einem Moratorium Nordkoreas für Atomtests und Uranreicherung hat so schnell keiner gerechnet. Doch noch ist unklar, welche Politik Machthaber Kim damit verfolgt.
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Christoph Rabe

Der Autor ist Kolumnist.

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling - und ein vages Versprechen noch keinen Frieden auf der nordkoreanischen Halbinsel. Aber kaum jemand hatte damit gerechnet, dass die nordkoreanische Führung so schnell zu Zugeständnissen bereit ist. Das Moratorium für Atomtests und Urananreicherung lässt nun zweierlei Interpretationen zu.

Entweder sitzt der neue junge Führer Kim Jong Un fester im Sattel als es viele Experten vermuten und sein Entgegenkommen ist ein erstes Signal für einen Sinneswandel in Pjöngjang. Oder die Versorgungslage ist kurz vor dem 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung im April so prekär, dass die Führung in Nordkorea dringend die von den USA in Aussicht gestellte Nahrungsmittelhilfe benötigt, um der Bevölkerung wenigstens etwas bieten zu können.

Was tatsächlich zutrifft, werden die nächsten Monate erweisen. Dass Nordkoreas Atom-Unterhändler Ri Yong Ho schon kommende Woche in den USA eintrifft, um die Details einer möglichen Vereinbarung zu verhandeln, ist zumindest ein ermutigendes Zeichen. Aber die Skeptiker, die darauf verweisen, dass der "nordkoreanische Tanz" weitergehe, haben auch recht. Denn allzu häufig schon hat das Regime in seinem Großmachtswahn die USA und die Welt genarrt.

Atomwaffen als ständige Trumpfkarte
USA: Nordkorea zu Moratorium bei Urananreicherung zu
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Nordkoreas Atomwaffenprogramm beschäftigt seit Jahrzehnten die internationale Gemeinschaft. Das Atomzentrum in Yongbyon, 90 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt, wurde in den 1960er Jahren errichtet. Etwa 20 Jahre später begann der Staat mit der Entwicklung von Nuklearwaffen.

NUCLEAR FUEL RODS
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1994

Im Juni erklärt Nordkorea seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), bleibt aber seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag unterworfen. Im Oktober unterzeichnen die USA und Nordkorea ein Abkommen. Darin verpflichtet sich das Land, sein Atomprogramm zu stoppen.

Sechs-Nationen-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm
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2003

Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland enden ohne Ergebnis.

NORTH KOREAN SOLDIERS
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2005

Im Februar bekennt sich das Regime zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zur Aufgabe seines Atomprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder infrage.

huGO-BildID: 13879654 South Koreans watch a TV news program on North Korea's rocket launch at a train station in Seoul, Sunday, April 5, 2009. North
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2006

Mit Raketentests löst das Land im Juli scharfe Proteste aus. Im Oktober folgt der erste Atomtest.

File photo of Yongbyon nuclear plant in North Korea
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2007

Im Februar sagt Nordkorea die Schließung der Anlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen zu. Im Gegenzug soll es massive Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten. Mit rund drei Monaten Verspätung wird der Reaktor im Juli abgeschaltet.

Nordkorea brüskiert weiter - neue Raketentests
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2008

Mit dem Abschuss mehrerer Testraketen im März demonstrieren die Nordkoreaner Stärke. Das Regime droht, die Stilllegung von Atomanlagen hinauszuzögern. Weil die USA die Diktatur zunächst nicht von der Liste der „Schurkenstaaten“ streichen wollen, droht Pjöngjang im September mit der Wiederinbetriebnahme seines Reaktors Yongbyon.

Inzwischen ist aber selbst der engste Freund Pjöngjangs von den andauernden Rochaden und Tricks im Nachbarland genervt. China hat schon mehrfach seinem Unmut über die nordkoreanische Uneinsichtigkeit Ausdruck verliehen. Auf wenig Verständnis stoßen in Peking auch die militärischen Provokationen Nordkoreas.

So mag es sein, dass China jetzt im Hintergrund darauf gedrungen hat, die Spannungen in Ostasien endgültig zu bereinigen. Immerhin befinden sich Nord- und Südkorea immer noch formal im Kriegszustand. Pjöngjangs wahre Motive werden aber erst dann transparenter, wenn es sich wieder mit den Verhandlungspartnern im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche an einen Tisch setzt und dem endlosen Katz-und-Maus-Spiel um sein Atomprogramm ein wirkliches Ende bereitet.

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