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Kommentar Oatly legt Milliarden-IPO hin – die Anleger wirken wie vom Hafer gestochen

Der Börsenhype um Oatly und Beyond verdeutlicht einen globalen Trend. Nachhaltigkeit wird Verbrauchern und Anlegern immer wichtiger. Doch die Konkurrenz wächst.
21.05.2021 - 17:29 Uhr Kommentieren
Alternative Proteine boomen. Der schwedische Hafermilchhersteller Oatly wird an der Börse mit etwa 13 Milliarden Dollar bewertet. Quelle: AFP
Hafermilch

Alternative Proteine boomen. Der schwedische Hafermilchhersteller Oatly wird an der Börse mit etwa 13 Milliarden Dollar bewertet.

(Foto: AFP)

Zu viel Hafer wirkt auf Pferde berauschend wie eine Droge. Dann werden sie übermütig. Die Redewendung „vom Hafer gestochen“ steht sinnbildlich für überdrehte Akteure. Der Börsengang von Oatly am Donnerstag bescherte dem schwedischen Hafermilchhersteller eine Bewertung von sage und schreibe 13 Milliarden Dollar. Das erweckt den Eindruck, auch die Oatly-Anleger seien „vom Hafer gestochen“. Schließlich investieren sie in ein Gemisch aus Hafer und Wasser – das ist alles andere als eine Raketenwissenschaft.

Oatly und Fleischersatzhersteller wie Beyond Meat sind an der Börse viele Milliarden Dollar wert – obwohl beide nicht einmal eine halbe Milliarde Umsatz machen und immer noch hohe Verluste einfahren. Eine Blase, die bald wie Hafermilchschaum in sich zusammenfällt? Ein Hype, dem wie Kryptowährungen der solide Boden fehlt?

Nicht unbedingt. Noch vor ein paar Jahren hätte keiner gedacht, dass sich mit Hafermilch und Erbsenbratlingen gut Geld verdienen lässt. Vegane Kost – das war etwas für Ökospinner und Wollsockenträger. Heute trinken Hipster und Banker stolz ihren Starbucks Caffè Latte mit der Oatly Barista Edition. Schüler bestellen bei McDonald‘s vegane Burger, ohne rot zu werden. Alternative Proteine sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Weltweit wollen sich Menschen gesünder ernähren, Tierleid und Umweltschäden vermeiden. Schließlich ist der Klimawandel inzwischen für jeden dramatisch spürbar.

Oatly-Chef: „Mitten in einer pflanzlichen Revolution“

Dieses Umdenken der Verbraucher stellt die Milch- und Fleischbranche auf den Kopf. Jeder zehnte Liter Milch hierzulande wird bereits aus Soja, Hafer, Mandeln, Cashews oder Erbsen gewonnen. „Wir sind mitten in einer pflanzlichen Revolution“, bringt es Oatly-Chef Toni Petersson auf den Punkt. Der Umsatz mit alternativen Proteinen soll laut der Beratung BCG von heute 40 Milliarden auf 290 Milliarden Dollar im Jahr 2035 steigen. In der Branche und an den Märkten herrscht Goldgräberstimmung.

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    Investoren wollen mitverdienen – wie Blackstone bei Oatly. Allein 2020 flossen drei Milliarden Dollar Kapital in vegane Start-ups. Auch institutionelle Anleger suchen händeringend nach nachhaltigen Investments – davon profitieren die wenigen Vegan-Firmen überdurchschnittlich. Denn in Klimasünder wie fossile Brennstoffe zu investieren ist out.

    Grafik

    Allerdings zeigt sich an Beyond Meat, seit zwei Jahren an der Nasdaq gelistet, wie volatil Aktien von Veggie-Start-ups sind. Der Kurs hatte sich zeitweise vervierfacht. Doch wer von Anfang an dabei war, hat sein Investment immerhin um zwei Drittel steigern können. Ob das so bleibt, ist fraglich.

    Denn der Wettbewerb zieht kräftig an. Vor allem Konzerne wie Nestlé und Unilever holen kräftig auf. Danone ist durch die Übernahme von Marken wie Alpro bereits Marktführer für Pflanzenmilch. Multis beherrschen Massenproduktion und Vertrieb besser als Jungfirmen. Oatly und Beyond fehlt es derzeit an Fabriken, um die hohe Nachfrage bedienen zu können. Bei Starbucks in den USA wurde die Hafermilch knapp.

    Allerdings sind Start-up-Marken für umweltbewusste Kunden oft glaubwürdiger als Marken von Konzernen, die bisher ihr Geld mit überzuckerten Joghurts und Wurst gemacht haben. Kein Wunder also, dass Multis ihre Veganprodukte unter hippen Namen wie „Wunda“ herausbringen, die nach Start-up klingen.

    Die nächsten veganen Börsenkandidaten scharren schon mit den Hufen: Impossible Foods und Eat Just, die Fleisch- und Ei-Alternativen anbieten. Das Anlegerinteresse dürfte hoch sein, denn der Markt für alternative Proteine steht erst am Anfang.

    Mehr: Milliarden-IPO für Oatly an der Wall Street: Was der Hype für Anleger bedeutet

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