Kommentar Ohne Großfusionen in der Euro-Zone bleibt die Bankenunion unvollendet

Europa hat zu viele Geldhäuser. Internationale Fusionen wären ein Ausweg. Doch zunächst müsste endlich die EU-Bankenunion gelingen.
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Fusioniert die italienische Großbank mit dem französischen Konkurrenten Société Générale? Quelle: dpa
Unicredit-Filiale

Fusioniert die italienische Großbank mit dem französischen Konkurrenten Société Générale?

(Foto: dpa)

FrankfurtSo dick war der Dampf in der Gerüchteküche schon lange nicht mehr. Fusioniert die italienische Großbank Unicredit mit dem französischen Konkurrenten Société Générale? Oder kommt es doch eher zur Frankfurter Hochzeit zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank? Schließlich standen die beiden im Sommer 2016 ja schon einmal kurz vor der Verlobung. Oder wäre eines der beiden deutschen Geldhäuser nicht vielleicht doch besser unter den Fittichen des französischen Finanzriesen BNP aufgehoben?

Die Fülle der Spekulationen ist nicht nur ein Indiz für das nahende Sommerloch, sondern auch ein Zeichen, dass die Zeit, in der Großfusionen in der europäischen Bankenbranche als Tabu galten, langsam aber sicher zu Ende geht. Selbst die Europäische Zentralbank signalisiert in ihrer Rolle als Aufseher über die größten Geldhäuser in der Euro-Zone, dass Fusionen ein Weg sind, um für eine Flurbereinigung in der überbevölkerten Bankenlandschaft zu sorgen.

Nach den Regulierungsanstrengungen der vergangenen Jahre scheint die Angst vor noch größeren Banken, die noch schwieriger abzuwickeln wären, allmählich nachzulassen. Im gleichen Maße wächst die Erkenntnis, dass Europas Banken ohne Konsolidierung den Rückstand zur enteilten US-Konkurrenz kaum werden aufholen können. Trotzdem könnte es noch eine ganze Weile dauern, bis aus den Fusionsgerüchten harte Tatsachen werden. Der Grund dafür ist eine Art Henne-Ei-Problem.

Schwer kalkulierbares Risiko

Ohne grenzüberschreitende Zusammenschlüsse, aus denen Banken entstehen, die wirklich die Euro-Zone als ihren Heimatmarkt ansehen, bleibt die europäische Bankenunion ein unvollendetes Werk. Allerdings bleiben internationale Fusionen für die Topmanager der Branche ein schwer kalkulierbares Risiko, solange die Bankenunion nicht vollendet ist. Zwei Pfeiler, auf denen die Union ruht, stehen bereits, die gemeinsame Aufsicht und die gemeinsame Abwicklungsbehörde. Der dritte Pfeiler, die gemeinsame Einlagensicherung, fehlt noch.

Die Therapieempfehlung aus dieser Diagnose ist eigentlich eindeutig. Europas Politiker müssen möglichst schnell auch den dritten Pfeiler fertigstellen. Das Problem dabei: Solange immer neue Krisen, wie zuletzt das Gerangel um die neue italienische Regierung, die Euro-Zone erschüttern, lässt sich eine gemeinsame Einlagensicherung in den stabileren Ländern der Währungsunion politisch kaum vermitteln.

Einen einfachen Ausweg gibt es nicht. Denn ein fauler Kompromiss in Sachen Einlagensicherung würde das Misstrauen gegenüber jeder Form von europäischer Einigung weiter verstärken. Und das könnte auf Dauer noch größeren Schaden anrichten als global nicht wettbewerbsfähige Banken.

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