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Kommentar Paketdienste: Dumping von ganz oben

Mit der Razzia gegen Fahrer der Paketdienste trifft der Zoll die Falschen. Die Täter sind nicht die, die das unterste Glied der Kette bilden.
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Ein Drittel aller kürzlich überprüften Betriebe zahlt den gesetzlichen Mindestlohn. Quelle: ZB
Pakete über Pakete

Ein Drittel aller kürzlich überprüften Betriebe zahlt den gesetzlichen Mindestlohn.

(Foto: ZB)

Erinnert sich, sieben Jahre nach ihrer Pleite, noch jemand an Deutschlands einstmals größte Drogeriekette Schlecker? An die sogenannten Schlecker-Frauen, die gegen Hungerlohn gleichzeitig die Kasse bewachten, Regale einräumten und Ladendiebe verjagten? Oder an die Inhaber Christa und Anton Schlecker, die Mitarbeiter heimlich unter Tarif bezahlten und dafür 1998 vor Gericht standen?

Erinnerungen wie diese kommen dem in den Sinn, der einen Blick auf Deutschlands Paketzusteller wirft. Etwa ein Drittel aller kürzlich überprüften Betriebe, fand die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) heraus, bezahlt Fahrer unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Und das, obwohl dieser gerade einmal 9,19 Euro pro Stunde beträgt.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Schuld an dem Dilemma tragen nicht nur die meist kleinen Transportfirmen, die sich als Subunternehmer von Hermes, DPD, GLS oder DHL verdingen. Auch die großen Auftraggeber, die bei den Preisen drücken, tragen dafür Verantwortung.

Wie einst Schlecker fällt ihnen kaum etwas anderes ein, als Serviceleistungen über den Preis zu verkaufen. Und das buchstäblich ohne Rücksicht auf Verluste. Und wie bei dem gestürzten Drogeriekönig befinden sich auch nun die Opfer am untersten Ende der Lieferkette: bei denen, die im Unternehmen die harte Arbeit verrichten.

Das Versagen aber findet viele Etagen höher statt. Verschlief Schlecker den Aufstieg leistungsfähigerer Rivalen wie dm und Rossmann, geschieht auf den Führungsetagen der Paketdienste noch Unglaublicheres. Das von nur wenigen Anbietern getragene Oligopol scheitert seit Jahren an der Aufgabe, auskömmliche Erträge zu erzielen. Ein Kunststück in einem Markt, der Jahr für Jahr fast zehn Prozent wächst.

Der bittere Hintergrund: Drei der vier Paketdienste befinden sich im Teilbesitz der deutschen, französischen und britischen Regierung, weshalb sie Pleiten nicht zu fürchten haben. Ihr Dumping erhält Rückendeckung von ganz oben.

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