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Boris Johnson im Unterhaus

Die Äußerungen des britischen Premiers zum Stand der EU-Freihandelsgespräche können das Pfund entscheidend bewegen.

(Foto: via REUTERS)

Kommentar Pfund-Anleger müssen sich auf Turbulenzen einstellen

Die britische Währung reagiert empfindlich auf jede Brexit-Wendung. In den kommenden Tagen hängt der Pfund-Kurs daher von Boris Johnson ab.
15.11.2020 - 16:15 Uhr Kommentieren

Pfund-Anleger müssen sich diese Woche wieder auf Turbulenzen einstellen. In Brüssel gehen die Freihandelsgespräche zwischen Großbritannien und der EU in die vielleicht entscheidende Runde.

Wenn es erneut keine Annäherung gibt, wird die Angst vor dem ungeordneten Brexit steigen – und den Kurs der britischen Währung nach unten drücken. Umgekehrt könnte es aufwärtsgehen, wenn sich eine Einigung abzeichnet.

Seit vier Jahren ist das Pfund nun schon vor allem ein Brexit-Barometer. Am Freitag ging es leicht aufwärts, nachdem der Chefberater und der Kommunikationschef von Premierminister Boris Johnson überraschend ihren Rücktritt angekündigt hatten.

Der Abgang der beiden Brexit-Hardliner kann aus Anlegersicht nur positiv sein. Allerdings bezweifeln Beobachter, dass sich die Verhandlungsposition Johnsons durch die Personalwechsel wesentlich ändert. Deshalb wird die Marktreaktion begrenzt bleiben.

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    Ähnliches gilt für die Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten. Auch dies ist ein positiver Faktor in den Brexit-Verhandlungen, weil ein Deal mit der EU nun als Vorbedingung für ein Freihandelsabkommen von Großbritannien mit den USA gilt. Allerdings ist der neue Ton im Weißen Haus nur eine weitere Variable und nicht der alles entscheidende „Game Changer“.

    An den Märkten überwiegt die Zuversicht

    Letztlich zählt nur, was die Unterhändler und anderen Regierungsvertreter auf beiden Seiten sagen. Die Klagen aus Brüssel über die mangelnde Bewegung in London sind zuletzt wieder lauter geworden. Es wird daher nicht damit gerechnet, dass es diese Woche eine Annäherung gibt, wie zuvor erhofft. Stattdessen werden die Gespräche wohl noch einmal verlängert.

    Schaut man sich die Entwicklung des Pfundkurses an, überwiegt an den Märkten seit September die Zuversicht, dass es ein Freihandelsabkommen geben wird. Der Trend über diesen Zeitraum ist positiv.

    Sollten die Verhandlungen scheitern, wäre die Enttäuschung groß. Einzelne Anlagestrategen rechnen dann mit einem Einbruch des Pfunds um zehn Prozent.

    Das Aufwärtspotenzial hingegen ist begrenzt. Denn selbst im Fall einer Einigung mit den Europäern wird der Ausstieg aus dem Binnenmarkt ab Januar das Wachstum bremsen, weil er neue Handelshürden und Kosten mit sich bringt. Störungen der Lieferketten sind vorprogrammiert.

    Die britische Wirtschaft wird nach dem Doppelschock durch Corona und Brexit daher auf absehbare Zeit schwächeln. Diese Erwartung spiegelt sich auch an den Aktienmärkten: Während die europäischen Indizes seit Jahresanfang gestiegen sind, liegt der britische FTSE100 im Minus.

    Mehr: Das Ende der Brexit-Hardliner hat begonnen, kommentiert London-Korrespondent Carsten Volkery.

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