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Kommentar Politische Eingriffe sind der falsche Weg gegen Amazons wachsende Dominanz

Amazons Dominanz wird erst zum Problem, wenn der Konzern seine Macht missbraucht. Dann müssen die Wettbewerbshüter eingreifen – aber nicht die Politik.
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Die Kartellbehörden wollen offenbar in Kürze die ersten Verfahren gegen den Onlineriesen eröffnen. Quelle: Reuters
Amazon-Pakete

Die Kartellbehörden wollen offenbar in Kürze die ersten Verfahren gegen den Onlineriesen eröffnen.

(Foto: Reuters)

Die Zahlen sind schon beeindruckend, die eine Studie jetzt erstmals ans Licht beförderte: Jedes fünfte in Deutschland verkaufte Buch wurde über die Plattform von Amazon gehandelt.

Und bei Spielzeug, Freizeitartikeln und Elektronikprodukten vereint der US-Onlineriese auch schon mehr als 16 Prozent des Marktes auf sich – wohlgemerkt auf den gesamten Handel gerechnet und nicht nur auf den E-Commerce. Kein Wunder, dass immer mehr kleine Geschäfte in den Innenstädten aufgeben, weil sie dieser Übermacht nichts mehr entgegensetzen können.

Und angesichts dieser Statistik überrascht es auch nicht, dass viele Politiker nun drastische Maßnahmen fordern, um die Macht von Amazon einzudämmen. In den USA tobt eine Debatte um eine mögliche Zerschlagung des Unternehmens.

In Deutschland gibt es Forderungen, die nur auf den ersten Blick weniger radikal wirken: So überlegt SPD-Chefin Andrea Nahles, die großen Tech-Konzerne zu verpflichten, ihren Datenschatz offenzulegen – also ihr wichtigstes Geschäftskapital mal eben so der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Doch im Grunde dokumentieren solche Pläne für massive Eingriffe in das Eigentum von Unternehmen nur, dass viele Politiker die Funktion der Digitalisierung in der Wirtschaft noch immer nicht begriffen haben. Sie beschleunigt den dringend notwendigen Strukturwandel und stärkt damit den Standort.

Und statt Unternehmen wie Amazon zu bestrafen, die deswegen erfolgreich sind, weil sie die neuen Spielregeln perfekt beherrschen, sollte die Politik lieber überlegen, wie sie auch die anderen Unternehmen dabei unterstützt, Vorteile aus dem digitalen Wandel zu ziehen.

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Um die Macht von Amazon so einzuhegen, dass sie kleineren Konkurrenten nicht schadet und ihnen weiter Raum lässt, sich zu entwickeln, gibt es viel bessere und marktwirtschaftlich unbedenklichere Mittel als politische Regulierung. Gefragt sind da in erster Linie die Kartellbehörden, die auch schon ermitteln und offenbar in Kürze die ersten Verfahren eröffnen wollen.

Das Problem ist ja nicht, dass Amazon erfolgreich ist. Davon profitieren viele, nicht zuletzt die Kunden. Heikel wird es erst, wenn der Konzern seine Macht missbraucht, etwa, wenn er die gewonnenen Daten dazu benutzt, Konkurrenten unfair vom Markt zu drängen. Oder wenn die Plattform so groß wird, dass eine monopolistische Struktur im Onlinehandel droht, mit entsprechend negativen Folgen.

Dann müssen die Wettbewerbshüter eingreifen – aber nicht die Politik. Die sollte sich freuen, dass Amazon ein Vorbild für die digitale Wirtschaft abgibt, und hoffen, dass möglichst viele Mittelständler sich davon inspirieren lassen, den digitalen Wandel beherzt anzugehen.

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