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Kommentar Politisches Versagen sorgt für Corona-Rekorde in Spanien

Kein Land in Europa hat mehr Infektionen als Spanien. Schuld ist auch die Politik: Sie hat zu spät und nicht entschlossen genug gehandelt.
10.09.2020 - 17:04 Uhr 2 Kommentare
Strand auf Palma de Mallorca: Steigende Corona-Infektionen in Spanien führten zu zahlreichen Reisewarnungen. Quelle: dpa
Pauschale Reisewarnung für gut 160 Länder bis Ende September

Strand auf Palma de Mallorca: Steigende Corona-Infektionen in Spanien führten zu zahlreichen Reisewarnungen.

(Foto: dpa)

Madrid Kein Land in Europa hat derzeit so viele neue Corona-Fälle wie Spanien. Mit 260 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen sind es 13-mal so viele wie in Deutschland und doppelt so viele wie in Frankreich – dem Land mit dem zweithöchsten Wert.

Die Folgen für die viertgrößte Volkswirtschaft der EU sind gravierend: Reisewarnungen haben der wichtigen Tourismusbranche bereits das Sommer-Geschäft vermiest. Und auch wenn die Hälfte der Infizierten keine Symptome hat, füllen sich in Madrid – nach wie vor das Epizentrum des Virus – bereits die Krankenhäuser wieder.

Auch die Todeszahlen steigen: In den vergangenen sieben Tagen starben in Spanien 246 Menschen an dem Virus. Vor einem Monat waren es 65.

Vieles spricht dafür, dass eine Mischung aus nationalen Besonderheiten, gepaart mit spätem und unentschlossenem Handeln der Politik, dahintersteht. Zu den Besonderheiten gehört eine dichte Besiedlung: Das Gros der Spanier lebt in wenigen Kernregionen. Hinzu kommen eine ausgeprägte Ausgehkultur sowie regelmäßige Familientreffen, an denen oftmals 15 Personen teilnehmen. Solche Kontakte machen es dem Virus leichter, sich zu verbreiten.

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    Corona-App wurde spät eingeführt

    Aber sie sind nur ein Teil der Erklärung. In Italien gibt es eine ähnliche Kultur, aber deutlich weniger Infektionen. In Spanien kommt ein Versagen der Politik hinzu. Sie hat entscheidende Schritte unterlassen, mit denen andere Länder versucht haben, einer zweite Welle vorzubeugen.

    So sorgte die Regierung nicht für genug Personal, um die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen und sie zu isolieren. Eine Corona-App führte Madrid erst im August ein – als das Land schon mitten in der zweiten Welle steckte. Dabei ist eine Kontaktverfolgung vor allem effektiv, solange die Fälle überschaubar sind. Steigt die Zahl der Neuinfektionen einmal rasant, ist es kaum mehr möglich, alle Fälle zu erfassen.

    Hinzu kommt die schlechte Koordination zwischen der Zentralregierung und den 17 autonomen Regionen. Premier Pedro Sánchez hat in der ersten Welle der Pandemie den nationalen Alarmzustand ausgerufen und über alle Fragen zentral entschieden. Das zerstrittene Parlament verlängerte den Alarmzustand aber Mitte Juni nicht mehr.

    Seitdem liegt die Gesundheitspolitik wieder in den Händen der Regionen. In der Region Madrid führte das zu einem überhasteten Ausstieg aus den von Sánchez verhängten Corona-Restriktionen. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, geben sich Regionen und Zentralregierung nun gegenseitig die Schuld daran, dass die Lage erneut unkontrollierbar zu werden droht. Dabei haben sie gemeinsam versagt und sollten sich so schnell wie möglich an einen Tisch setzen und einheitliche Strategien vereinbaren.

    Mehr: Spaniens Außenministerin Arancha González Laya: „Kein neuer Lockdown in Spanien“

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Politisches Versagen sorgt für Corona-Rekorde in Spanien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist einfach eine Mär, dass Maßnahmen "einheitlich" sein müssen. Das ist sogar barer Unsinn, der durch ständiges Wiederholen nicht richtiger wird.

      Die Maßnahmen müssen der jeweiligen Situation angemessen sein.
      In Mecklenburg gibt es gar kein Coran mehr.
      Warum sollten die Läden dort durch Maskenpflich geschädigt werden?
      Etwa aus Solidarität zu Bayern?
      Darauf können wir verzichten. Aber mglw. will Söder von seinen Fehlern ablenken.

      Ich finde es auch weiter komisch, dass Deutsche Journalisten laufend überheblich die angeblich unzureichenden Maßnahmen im Ausland kritisieren, während die Fehler in Deutschland nie angeprangert wurden. Dabei hat die Fehlerliste der deutschen Politk weit über 60 wichtige Punkte.

      Ich erinnere nur an die Maskenlüge oder den Punkt, dass der Lockdown erst im März kam.
      Ich sach nur Karnevalwahn oder Italienferien in Februar und die Verweigerung Rückkehrer zu prüfen.

    • Ja, die Politik ist mit schuld an einer suboptimalen Entwicklung. Aber: Kein Grund zu Panik, die Zahl der Todesfälle liegt heute bei einem kleinen Bruchteil (weniger als 1/10) der März/April-Zahlen. In Bezug auf die offiziellen vs. tatsächlichen Infektionszahlen (in März/April um Faktor >10 höher als heute!) werden hier Birnen mit Äpfeln verglichen.

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