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Kommentar Populismus löst die Probleme der Grundschulen nicht – die CDU scheut eine mögliche Lösung

Schulanfänger, die nicht richtig Deutsch können, sind ein ernstes Problem. Doch Populismus hilft dabei nicht weiter. Eine Vorschulpflicht wäre hingegen sinnvoll.
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Generell ist die Schule der beste Ort, um Sprache zu lernen. Quelle: dpa
Migrantenkinder mit Erzieherin

Generell ist die Schule der beste Ort, um Sprache zu lernen.

(Foto: dpa)

Da hat CDU-Politiker Carsten Linnemann in der Sommerpause einen Aufreger produziert: Kinder, die nicht genug Deutsch können, sollten bis auf Weiteres nicht eingeschult werden, sondern erst in Kita oder Vorschule fit gemacht werden. Das Problem, das der CDU-Fraktionsvize anspricht, ist jeder Anstrengung wert – sollte aber nicht populistisch aufbereitet werden.

Schon heute werden nahezu flächendeckend alle Kinder vor der Schule auf Deutschkenntnisse getestet und bei Bedarf auch gefördert. Die Praxis in den Ländern ist aber sehr unterschiedlich, teilweise wird zu spät getestet, und die Förderung reicht oft nicht. Linnemann hat daher recht, wenn er obligatorische Sprachtests ab vier Jahren und verpflichtende Förderung will.

Wenn man das Problem an der Wurzel packen will, brauchen die Kitas vielerorts aber weit mehr Erzieherinnen. Heute betreuen sie etwa in Berlin und in ostdeutschen Ländern im Schnitt doppelt so viele Kinder wie in Baden-Württemberg. Nötig wären hier auch viel mehr Spezialisten für die Sprachförderung – das können normale Erzieher nicht nebenbei erledigen.

Und auch eine Vorschulpflicht für alle, die schlecht Deutsch sprechen, wäre in der Tat sinnvoll. Denn Untersuchungen zeigen, dass gerade solche Kinder unmittelbar vor der Schule nicht in die Kita gehen, die es besonders nötig hätten und besonders profitieren würden. Dabei wären aber auch Kinder aus bildungsfernen urdeutschen Elternhäusern betroffen.

Und es würde sehr schnell die Diskussion aufkommen, ob rein rechtlich nur eine generelle Vorschulpflicht infrage kommt, um dem Gleichbehandlungsgebot zu entsprechen. Das jedoch scheuen bisher die meisten Politiker – gerade auch die CDU – aus Angst vor dem Unwillen der Eltern.

Generell ist jedoch Schule der beste Ort, um Sprache zu lernen. Viele Schulen haben zuletzt auch Flüchtlingskinder bewusst schnell aus den „Willkommensklassen“ heraus in den normalen Unterricht aufgenommen. Wer je eine Sprache im Ausland gelernt hat, weiß, wie viel schneller es geht, wenn man von Muttersprachlern umgeben ist. Und wenn es nicht zu viele sind, muss das die anderen auch nicht beeinträchtigen.

Das eigentliche Problem ist jedoch, dass die deutsche Grundschule nicht leistet, was sie sollte: In den Iglu-Tests ist Deutschland weit zurückgefallen – jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen. Und das hat nach Erkenntnissen der Forscher so gut wie nichts mit Migranten zu tun.

Die Herausforderung ist also enorm. Leider wird aber auch aus diesem Thema nun schon wieder ein hitziger Grundsatzstreit von Befürwortern und Gegnern der Flüchtlingspolitik. Diese Vermengung ist nicht hilfreich, sondern fahrlässig.

Mehr: Jeder vierte Grundschüler hat Defizite in Mathematik. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften fordert daher eine Frühforderung.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Populismus löst die Probleme der Grundschulen nicht – die CDU scheut eine mögliche Lösung"

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  • Populismus löst die Probleme sicher nicht, aber gelöst und ernst genommen werden müssen sie! Wie lange wollen wir noch aus falscher Rücksicht verharmlosen oder aus Angst dann gleich in die Populismusecke gedrängt zu werden? Wenn die Probleme heruntergespielt werden, dann hilft das sicher nicht dem Land und seinen Menschen.

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