Kommentar Prokon-Anleger, wacht auf!

Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren. Damit ist es nun vorbei. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen.
13 Kommentare
Gertrud Hussla ist Redakteurin beim Handelsblatt. Quelle:

Gertrud Hussla ist Redakteurin beim Handelsblatt.

DüsseldorfBei Prokon ist das Wort Insolvenz ausgesprochen. Doch den Glauben an ihre Investition und die Ideen des Chefs Carsten Rodbertus haben viele Anleger trotzdem noch nicht aufgegeben. Eine Gruppe der „Freunde von Prokon“ will sich dafür einsetzen, dass sich „Prokon prächtig weiterentwickelt“.

Was sie nicht einsehen mögen: Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren und hat damit Verluste in mehrfacher Millionenhöhe produziert. Nun häufen sich die Hiobsbotschaften. Erst drängte Rodbertus seine Anleger, ihre Zinsen nicht mehr abzurufen, sondern im Unternehmen zu lassen. Nun sein dringender Brief, kein weiteres Geld mehr abzuziehen, weil sonst die Insolvenz drohe. Seine Appelle scheinen zu wirken. Kündigungen in Höhe von 9,36 Millionen Euro haben Anleger bereits seit Anfang Januar zurückgenommen.

„Carsten Rodbertus genießt aufgrund der Glaubwürdigkeit seiner Person und seines Konzeptes unser vollstes Vertrauen“, schreiben die Freunde Prokons. Aufwachen, kann man vielen Anlegern nur sagen. Auch wenn Anleger auf eine Kündigung ihrer Genussrechte verzichten, ihr Kapital im Unternehmen lassen oder gar neues Geld einschießen: eine Rettung ist höchst unwahrscheinlich. Die Windkraftwerke Prokons liefern zwar Strom, der wird auch ordentlich bezahlt, doch die Einnahmen und der Wert der bestehenden Anlagen reichen nicht, um dauerhaft die versprochenen Zinsen zu zahlen und den Anlegern ihr volles Geld zurückzubezahlen

Windkraftwerke am laufenden Band wollte Rodbertus bauen. Das ist ihm nicht gelungen, zu schwierig ist dieser Markt heute. So hat er aus dem vielen Geld, das Anleger ihm neu anvertraut haben, erst mal die Zinsen bezahlt und es in wenig rentable Projekte wie eine Ölmühle, einen Palettenhersteller oder gar rumänische Wälder gesteckt. Großzügig versenktes Geld. Mit Glück sehen Anleger einen Teil ihrer Investments wieder. Zinsen von sechs oder acht Prozent gehören der Vergangenheit an. Um Geld zurückzufordern, ist es jetzt wohl zu spät. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen. Bloß nichts mehr nachschießen!

Startseite

13 Kommentare zu "Kommentar: Prokon-Anleger, wacht auf!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Prokon ist m.E. kerngesund und in verschiedenen Branchen
    erneuerbarer Energien gut aufgestellt, dazu mit nur
    rd. 4% der Sachanlagen durch Banken finanziert.
    Die bösen Kommentare der Sensationspresse riechen
    stark nach einer vorgesehenen feindlichen Übernahme
    oder neidischen Konkurrenten. Fehler des Inhabers:
    Zinshöhe über der Ertragslage und zu kurze Kündigungs
    möglichkeit. Aber das kann man ändern. Und bei
    entsprechenden Sicherheiten gieren die Banken nach
    vorübergehenden Krediten. Also die Insolvenz kann
    abgewendet werden. Siegfried Eckert

  • Vor einigen Jahren gab es eine Internetseite "Windkraftnieten". Auf der wurde behauptet: Prokon zahlt zu wenig Zinsen, 10 bis 15 % Rendite sollte aus einem Windrad erwitschaftet werden können. !?!

    Niemand kann kurzfristig zu viel Geld zurückzahlen. Das Geld lässt sich schließlich nicht aus einem Windrad herausschneiden! Trotzdem haben die Windräder einen Wert.

    Ich habe bisher 40% meines Kapitals als Zins bekommen. Der Staat hat übrigens auch seinen Anteil kassiert.
    Den Rest möchte ich auch wieder haben, deshalb lasse ich die Genussrechte wo sie sind.

  • Erneuerbare Energien sind eine “Erfolgsstory” “Top-Rendite durch Öko-Produkte – mit diesem Versprechen hat Prokon über eine Milliarde Euro eingesammelt. Jetzt droht das Windenergieunternehmen seinen Anlegern mit der Insolvenz noch im Januar. Es sei denn, die verzichten vorübergehend auf ihr Geld. ”Dieses Schneeballsystem ist zum Scheitern verurteilt. Das Geschäftsmodell ist auf ewige Subventionen ausgelegt. Bleiben diese aus, sind sie pleite! Beispiele hierfür gibt es genug.Siehe Q-Cells, Solar World, Solar Millennium, und jetzt auch Prokon. Die Kurse gingen durch die Decke, jetzt sind sie quasi wertlos. Aber es gibt ja eine für 20 Jahre feste Einspeisevergütung! Da ist es uninteressant, wie der Marktpreis sich entwickelt. Windmüller und PV-Bauern kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Der Verbraucher zahlt ja dank der EEG-Zwangsabgabe. Und wenn eines dieser “Unternehmen”, deren Geschäftsmodell auf ewige Subventionen ausgelegt ist, pleite zu gehen droht, schreien sie nach dem Staat! Wir müssen gerettet werden!

  • Wenn wir uns nur 5 Jahre zurückerinnern, werden Parallelen zum Fall Madoff deutlich. Bernie hat seine satten 12% Zinsen über 30 Jahre lang gezahlt - mit der Folge, dass immer mehr Leute mit der Zeit tatsächlich glaubten, es sei was dran an seinen Anlagen. Bis die Blase geplatzt ist und alle aufgewacht sind. Ähnlich verhalten sich manche Prokon-Anleger wenn sie ihr Vertrauen in die Firma begründen mit der Aussage "Jedes Jahr habe ich doch die Zinsen ausbezahlt bekommen"! Wie auch bei Madoff dieses Argument wird in der Lawine des Schneeballsystems verenden.

    Soweit – so üblich. Schrill an der ganzen Sache ist doch, dass ein Vorstand sein Geschäft über ein jederzeit kündbares Finanzinstrument liquide zu halten versucht. Und wenn dann Investoren ihre vertraglich verbrieften Rechte ausüben und das Geschäftsmodell daraufhin zusammenbricht, verweist ebendieser Vorstand nicht etwa darauf, dass er offenbar die Risiken falsch eingeschätzt hat (siehe § 91 (2) AktG). Nein, die Investoren sind schuld, wenn nicht die Presse oder sogar der energetisch-industrielle Komplex. All die Bösen, die die Guten fertig machen wollen Es ist halt der ewige Kampf zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis. So eine Dreistigkeit muss man feiern – oder verachten. Ich für meinen Teil verlege mich auf letzteres.

  • @neonsheela
    Na, dann. ;-)
    Ich würde allerdings mal einen Blick in die so 'transparenten' Daten, insbesondere im Hauptgeschäftsbereich des Betriebs von Windparks

    http://www.prokon.net/prokon-transparent/prokon-transparent_uebersicht-zur-ertragskraft.php

    empfehlen und dort ein wenig nachzurechnen.
    Ist zwar viel Arbeit, belohnt einen dann aber mit einer wertvollen Erkenntnis: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht. (Okay, das Wort 'wertvoll' hierbei zu benutzen ist vielleicht ein wenig zynisch.)

    Sodaß die bislang ausgezahlten Zinsen keine Unterdeckung aus dem Geschäftsbetrieb haben. Übrigens wohl auch nicht in den ach so tollen stillen Reserven. (Warum wohl weigern sich Wirtschaftsprüfer, Prokons Ansatz hierüber zu testieren? WP haften für ihre Testate!)

    Meine Prognose (die sich auch nicht treffunsicherer ist als viele Windgutachten in der gesamten Branche): Genußrechtsinhaber erhalten am Ende eine Quote von 50%.

  • @neonsheela
    Was hilft es Dir, wenn dir nur immer die Zinsen ausgezahlt wurden aber du deinen eingezahlten Betrag nicht mehr zurück erhälst?

  • Bin seit Jahren GenussrechtsInhaber
    bei PROKON.
    Jedes Jahr habe ich die Zinsen
    ausbezahlt bekommen
    und wurde gruendlich
    informiert.
    ich denke dass sich
    PRKON von diesem
    eindeutig durch nrgative
    Medienberichterstattung
    ( und dem Leichtsinn
    sofortige Audzahlung
    zuzulassen ) provoziertem
    Sturm erholt.
    deshalb werde ich auch
    keine Anteile kuendigen
    und auch die Zinsauszahlung
    bis 2015 stornieren
    fuer meine Anteile,
    immerhin ein paar tausend Euro.









  • »Die Gewinne haben bis dato ausgereicht um Zinsen und Rückzahlungen zu tätigen.«

    So, haben sie das? Wie erklären Sie sich dann bspw.:

    Wie krass das Verhältnis von Gewinnen und ausgezahlten Zinsen wirk­lich war, ist nun ables­bar. Prokon hat über die Jahre demnach insgesamt 330,4 Millionen Euro an Zinsen an Anleger gezahlt. Tatsäch­lich hätten aber nur 120,5 Millionen Euro zur Verfügung gestanden, „wenn wir unsere Anleger nicht an den stillen Reserven beteiligt hätten“.
    (aus http://www.test.de/Genussrechte-Prokon-kaempft-gegen-drohende-Insolvenz-4654751-0/)

    Wie werthaltig die stillen Reserven darüberhinaus sind, scheint ja seit geraumer Zeit Streitpunkt mit den für das benötigte Testat beauftragten Wirtschaftsprüfern zu sein.
    Aber das sind in Sicht der Prokon-Jünger wohl auch nur Bestandteile des »Systems«, welches Prokon auf dem Kieker hat.
    Leute, wacht auf! Der (zugegeben) schöne Traum ist aus.

  • Guten Tag alle miteinander,
    ja da überrascht mich nichts mehr wenn ich solche Artikel lese. Was glauben diejenigen eigentlich wozu Banken das bei Ihnen hinterlegte Geld verwenden ? Zuerst wird investiert und dann wird wenn die Kalkulationen aufgehen verdient. Das Genusrechtskapital nicht investiert wird wäre ein Verbrechen. Nun hat Prokon 4 % Vremdkapital bei Banken offen der Rest ist Genussrechtskapital. Rechnet man alle Werte konservativ dann stehen zur Zeit 1,7 Milliarden an Werten 1,4 Milliarden Euro an Genusrechtskapital gegenüber...Keine offenen Rechnungen, Löhne alles ausgeglichen. Der Optimismus von Prokon die Genussrechte monatlich zur Kündigung auszuschreiben war ein Fataler Fehler, dass kann so keine Bank bei dieser Zinshöhe. Nur die Zinsen werden bei Genussrechten dann fällig wenn auch Deckung vorhanden ist... Insofern ist die Bitte des Herrn Rodbertus, Zinsen aus 2 Halbjahr 14 in der Firma zu belassen eine sozial ausgewogene Strategie. Es wurde gebeten und zeitgleich jedem die Möglichkeit gegeben die Zinsen dennoch zu verlangen " sofern diese im jeweiligen Haushalt gebraucht werden. Das ist sozial verantwortlich. Wenn aus der Situation heraus die Dinge beim Namen genannt werden ist das ehrlich und wer sich dabei unter Druck gesetzt fühlt hängt vielleicht zusehr am Gewinn. Diesen wöllen wir alle machen deshalb wird ja dann auch wieder investiert. Tatsache ist das Prokon keine Genussrechte benötigt um Zinsen zu zahlen... Die Gewinne haben bis dato ausgereicht um Zinsen und Rückzahlungen zu tätigen. Der Fehler ist wohl die Menschen zu animieren Sie könnten innerhalb kurzer Zeit viel Geld verdienen ( 8 % ) und dabei keine Verantwortung zu übernehmen. Ich hoffe klar ausgedrückt zu haben das Banken auch nicht innerhalb Monatsfrist alle Anlagen zurückzahlen können die bei dieser Bank jeh eingezahlt wurden.
    Gruß an alle

  • @Anleger
    (für den Fall, dass sie real sind und kein PROKON Konstrukt)

    Ich hatte schon mal bei PROKON angefragt, warum sie keine normale Anleihe begeben und sich öffentlichem Rating aussetzen. Mit Blick auf insolvente Mittelstandsanleihen wäre das auch noch für mich riskant genug. U. a. wegen den hohen Kosten einer Platzierung war eine der schwachen Antworten. Das war für mich ausreichend: ein Unternehmen hat Geld für aufwendige Werbepost - über Jahre - aber scheut die Kosten einer Anleihenplatzierung. Ok, in Erinnerung an SIAG Schaaf hätte das auch nicht viel genutzt.

    Als Anleger sollten Sie grundsätzlich keine Angst haben. Sie sind jetzt in der Verdrängungsphase nach dem ersten Schreck. Da hofft man auf Wunder oder ignoriert den möglichen Schaden. Das ist gesund und nicht weiter schlimm. Wichtig ist nur, dass man nach Abschluss des Fiaskos in der Lage ist nützliche Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Der Wichtigste gratis vorab: verantwortlich ist immer der Investor - daraus folgt alles Weitere. Viel Glück!





Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%