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Kommentar Proteste in Moskau – Putin verweigert sich der Realität

Während in Moskau die Massen protestieren, taucht Putin ab. Die Sprachlosigkeit der Obrigkeit könnte sich noch rächen.
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Während in Moskau protestiert wurde, zeigte das Fernsehen Bilder des Präsidenten im Golf von Finnland. Quelle: AP
Wladimir Putin in einem Forschungs-U-Boot

Während in Moskau protestiert wurde, zeigte das Fernsehen Bilder des Präsidenten im Golf von Finnland.

(Foto: AP)

Die Moskauer Polizei war am Samstag im Großeinsatz – wieder einmal. Denn seit Mitte Juli demonstriert die Opposition, vorzugsweise am Wochenende, gegen den Ausschluss ihrer Kandidaten von der Wahl zur Moskauer Stadtduma im September.

Die Veranstaltungen verliefen friedlich, waren aber von der Obrigkeit nicht genehmigt worden. Folglich nahm die Polizei jedes Mal Teilnehmer fest.

Dieses Mal gingen die Sicherheitsorgane härter denn je vor. Selbst offiziellen Angaben nach nahmen sie mehr als 1000 Personen fest, die Bürgerrechtsseite OWD-Info zählte sogar 1373 Festnahmen.

Zahlreiche Oppositionsführer wurden in Gewahrsam genommen, um den Protest kopflos zu machen. Allerdings zeugt vor allem das Handeln des Kremls von Kopflosigkeit. Denn während die Polizei Härte demonstriert, flüchtet Präsident Wladimir Putin aus dem heißen Moskau in die Ostsee.

Dass das russische Fernsehen ihn ausgerechnet beim Tauchen zeigte, hat eine ungewollte Symbolkraft. Diesmal fischte Putin nicht nach Amphoren, sondern begutachtete ein sowjetisches U-Boot-Wrack. Mit den aktuellen Problemen der Russen, denen er angeblich auf den Grund gehen wollte, hat sein Tauchgang wenig gemein.

Dass das Staatsfernsehen zugleich die Proteste völlig ausblendete, ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Obrigkeit sprachlos ist. Auf Dauer kann die Vertuschungstaktik nicht gut gehen.

Nichts fürchtet der Kreml mehr als einen Aufruhr nach Vorbild der ukrainischen Maidan-Proteste. Davon sind die friedlichen Demonstrationen in Moskau weit entfernt. Und noch ist es nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der protestiert. Der Unmut aber nimmt in der gesamten Bevölkerung zu.

Der Kreml kann sich nicht auf Dauer zu den Problemen in Schweigen hüllen, sondern muss Antworten finden. Ansonsten provoziert die Obrigkeit ihr eigenes Horrorszenario.

Mehr: Bei seiner live übertragenen Bürger-Fragestunde hat Putin kürzlich versucht, die wirtschaftlichen Probleme seines Landes kleinzureden.

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